Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° stark bewölkt

Navigation:
„Mother!“ – Darren Aronofsky auf dem Horrortrip

Kino „Mother!“ – Darren Aronofsky auf dem Horrortrip

Verstörend, chaotisch, unheimlich. Darren Aronofsky erkundet ein weiteres Mal die Abgründe der Seele. Javier Bardem und Jennifer Lawrence spielen in „Mother!“ (Kinostart am 14. September) ein Paar, mit dem es nicht gut ausgehen kann. Der Regisseur von „Noah“ und „Black Swan“ ist auf dem Terrain von Gruselfilmklassikern wie „Rosemarys Baby“ und „Shining“ unterwegs.

Voriger Artikel
Cinderella-Träume in Bad Saarow
Nächster Artikel
Hatte Karl Marx doch recht?

Die Hölle bricht aus: Der merkwürdige Dichter (Javier Bardem, links) und seine von allen guten Geistern verlassene Ehefrau (Jennifer Lawrence).

Quelle: Foto: Paramount

Hannover. Dass er die düsteren Abgründe der menschlichen Seele in cineastisch brillanter Form erkunden kann, hat Regisseur Darren Aronofsky in „Black Swan“ bewiesen. Dass er sich genauso frenetisch in der biblischen Wucht seines Stoffes verlieren kann, zeigte der eigensinnige Filmemacher mit seinem kruden Nachfolgewerk „Noah“.

Liebe und Schrecken liegen nah beieinander

In seinem neuen Film „Mother!“ scheint Aronofsky nun beides zusammenführen zu wollen. Das erste Bild auf der Leinwand zeigt eine Frau in Flammen, die durch ihr verbranntes Gesicht hindurch dem Publikum in die Augen schaut. Nach einem harten Schnitt sieht man Javier Bardem, der einen Kristallstein aus der Asche der ausgebrannten Ruine holt und in einen Metallständer steckt, woraufhin sich das Haus wie von digitaler Zauberhand selbst zu heilen scheint.

Unter der Bettdecke erwacht eine Frau (Jennifer Lawrence). „Liebling?“ ruft sie und macht sich auf die Suche nach ihrem Mann. Die Handkamera bleibt ihr dicht auf den Fersen, so wie sie es in den nächsten zwei Kinostunden tun wird. Von hinten umarmt sie plötzlich ihr Mann (Javier Bardem). „Du hast mich erschreckt“ sagt sie und mit diesen ersten beiden Dialogzeilen sind schon zwei wichtige Pole der filmischen Erzählung benannt: Liebe und Schrecken werden sich in diesem Haus auf durchaus bizarre Weise verbinden.

Polanski und Kubrick standen Pate

Gleichzeitig bettet sich der Film mit dieser Anfangsequenz ins Horrorgenre ein, dessen historische Meisterwerke wie Roman Polanskis „Rosemarys Baby“ und Stanley Kubricks „Shining“ hier sichtbar Pate gestanden haben. Er ist eine berühmter Schriftsteller, der unter einer Schreibblockade leidet. Sie ist um einiges jünger und widmet sich neben ihrem dysfunktionalen Musendasein der Rekonstruktion des viktorianischen Hauses mitten im Niemandsland.

Die Zweisamkeit wird durch einen Fremden (Ed Harris) gestört, der sich auf Einladung des Hausherren einquartiert. Sie schaut dem seltsamen Treiben mit missbilligender Tatenlosigkeit zu. Wenig später klopft auch die Frau (Michelle Pfeiffer) des ungebetenen Gastes an der Tür. Die Situation eskaliert, als die beiden Söhne vorstellig werden, der eine den anderen im Streit erschlägt und sogar die ganze Beerdigungsgesellschaft anrückt.

Spätestens mit dem Brudermord wird klar, dass Aronofskys Erzählung nicht nur mit Versatzstücken des Horrorgenres spielt, sondern sich auch durch das alte Testament hindurcharbeitet. Ein „Paradies“ wolle sie schaffen sagt Jennifer Lawrence Figur zu Beginn und wo der Garten Eden, Adam und Eva sind, ist der Sündenfall nicht weit und der Weg zur Apokalypse geebnet. Ein Zwischenhoch gönnt Aronofsky dem Paar noch, wenn sie schwanger wird, sich das Chaos beruhigt und er wieder zu schreiben beginnt.

Am Ende bricht eine Hölle von Hieronymus-Bosch-Qualität aus

Die eheliche Harmonie ist von kurzer Dauer, als die Fans des Poeten das Haus stürmen und um die hochschwangere Titelfigur ein Hölle ausbricht, die die Bilder von Hieronymus Bosch wie naive Malerei aussehen lassen. Kultisches Sektengemurmel, hysterische Plünderer, aufständische Demonstranten, Militär nehmen das Heim in Besitz und veranschaulichen eine, aber längst nicht die einzige Botschaft des Films: Egal wie weit wir uns in private Glück zurückziehen wollen, dem Chaos dieser Welt kann man nicht entkommen.

Aber letztgültig lässt sich Aronofskys allegorisch verbrämtes Horror-Spektakel nicht dechiffrieren, das auf der Leinwand eher verstörende als inspirierende Wirkung entfaltet und sich in seiner künstlerischen Pose allzu wichtig nimmt.

Von Martin Schwickert / RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte die SPD in der Regierungsverantwortung bleiben?