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„Mozart in 90 Minuten“ – wie geht das?

Kammeroper Schloss Rheinsberg „Mozart in 90 Minuten“ – wie geht das?

Die Theaterleute haben es vorgemacht und „Shakespeares sämtliche Werke in 90 Minuten“, also „leicht gekürzt“, auf die Bühne gebracht. Die Kammeroper Schloss Rheinsberg würdigt nun „Mozart in 90 Minuten“. Die Dirigentin Sibylle Weber ist ganz begeistert von der Uraufführung, bei der sie als musikalische Leiterin mitwirkt.

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In einer Probenpause im Schlosshof: Sebastian Kunz als Mozart, die Sopranistin Amelie Müller , Dirigentin Sibylle Wagner, Regisseur Alexander Korjagin, Mezzosopranistin Silvia Aurea und Christopher Holman, der die Spielfassung erarbeitet hat, mit einem Dudelsack (v.l.).


Quelle: Foto: Peter Geisler

Rheinsberg. Bei der heutigen Uraufführung „Mozart in 90 Minuten“ sitzt Sibylle Wagner in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) am Klavier und dirigiert.


MAZ:
Frau Wagner, „Mozart in 90 Minuten“ – das klingt nach einer ziemlich penetranten Ohrwurm-Hitparade? Was bieten Sie den Besuchern im Rheinsberger Schlosshof an den ersten drei Juli-Abenden?

Sibylle Wagner: Die Besucher unserer Uraufführung erwartet eine frische und freche Inszenierung von einem hochmotivierten jungen Team. Natürlich sind Mozart-Hits wie die „Königin der Nacht“, die Sarastro-Arien, die Kanzonetten von Don Giovanni und Cherubino mit dabei. Und es gibt all diese schöne Musik mit Überraschungsmomenten.

Dirigierte im letzten Jahr „La Traviata“

Die gebürtige Münchnerin studierte an der Hochschule für Musik und am Mozarteum in Salzburg. Engagements führten sie an das Landestheater Salzburg, die Hamburgische Staatsoper und die Oper Bonn.

Sibylle Wagner leitete zahlreiche Aufführungen u.a. mit dem Beethovenorchester Bonn, den Brandenburger Symphonikern und den Smetana Philharmonikern Prag. Seit 2010 wirkt sie als Gastdirigentin bei den Festspielen der Opera Classica Europa.

Ihr Repertoire reicht vom Barock bis zu zeitgenössischen Werken. 2015 übernahm sie die musikalische Leitung von Verdis „La Traviata“ bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg. „Mozart in 90 Minuten“. Spielfassung: Christopher Holman. Regie: Alexander Korjagin.

Die Aufführungen sind am 1., 2. und 3. Juli. Beginn ist um 19 Uhr im Schlosshof Rheinsberg. Karten gibt es unter Tel.  03 39 31/3 49 40.

Setzen Sie die Mozart-Opern szenisch um?

Sibylle Wagner: Die jungen Sänger singen und spielen sich in einem atemberaubenden Tempo unter anderem durch die wichtigsten Szenen der drei Da Ponte-Opern „Cosi fan tutte“, „Don Giovanni“ und „Figaro“. Dabei werden von unseren Sängern mehrere Partien dargestellt. Es kommt auch schon mal vor, dass eine Hosenrolle, die Mozart für einen Mezzosopran komponiert hat, von unserem Bariton gegeben wird. Dafür transponiere ich die Arien in eine passende Tonart. Das Thema der schnellen Farbwechsel bei Mozart ist ein wichtiges und schönes Motto, das die Inszenierung aufgreift. Dabei wird auch die Musik der heutigen Jugend eine Rolle spielen. Natürlich ist die weltweit am meisten gespielte Oper „Die Zauberföte“ in einer Kurzfassung auch dabei. Sie merken, wir wünschen uns ein Publikum mit Humor.

Soll der Besucher etwas über Mozart und seine Werke lernen?

Wagner: Wir alle im Team haben uns intensiv auf den Menschen Mozart eingelassen. Ich persönlich bin diesem genialen Komponisten noch nie so nahe gekommen wie hier in Rheinsberg. Seine ungeheure Lebenslust und Liebesenergie ist ansteckend. Und ich denke, dass auch die Besucher eine Idee bekommen von der seelischen Farbigkeit dieses Menschen und von der Vielfalt seines kompositorischen Schaffens. Ich wünsche mir besonders, dass auch junge Menschen mit dieser Musik in Berührung kommen. Mozart kann begeistern und über alle Sprach- und Mentalitätsunterschiede hinweg eine Verbindung schaffen.

Sie sitzen bei den Vorstellungen am Klavier. Lassen sich denn durch Tasten-Akkorde die Streicher und Bläser eines Orchesters hinreichend ersetzen?

Wagner: Die Herausforderung, auf den Tasten einen Oboen- oder Streicherklang zu zaubern, macht mir Spaß und es gibt natürlich Stellen, die sich auf einem Flügel wunderbar darstellen lassen, wie zum Beispiel das berühmte Glockenspiel von Papageno. Auf den Orchesterklang müssen wir nicht ganz verzichten. Zahlreiche Einspielungen aus Mozarts Schaffen haben in unserer Inszenierung Raum und korrespondieren auch etwa mit Hollywood-Sound oder einem Rap-Battle-Song.

Können Sie den Humor von Mozart genauer charakterisieren?

Wagner: Mozarts musikalische Witze sind bodenständig, geistreich und manchmal richtig deftig. Das beste Beispiel finden Sie in seinen Kanons, die nur zensiert in Druck gingen, weil sie unanständige Texte enthalten.

Aber wie stellt sich der Witz in Mozarts Musik her?

Wagner: Am besten finde ich das Beispiel aus der Zauberflöte, wo Papageno und Papagena ihr starkes Verlangen nach einander durch Lautmalerei ausdrücken - Papa papa papa papa. Papagena und er übertreffen sich geradezu mit der Geschwindigkeit, mit der sie ihre Lust und das musikalische Vergnügen beschreiben, möglichst viele kleine Papagenis zu haben. Natürlich wünscht sich Papageno zuerst einen Sohn, einen kleinen Papageno und Papagena eine kleine Papagena.Das Prinzip der witzigen Wiederholung und der Schnelligkeit erheitert immer alle - nicht nur Kinder.

Lassen Sie den ernsten Mozart, der zum Beispiel das Requiem geschrieben hat, einfach beiseite?

Wagner: Mozart hat uns mit seinem Requiem ein Meisterwerk hinterlassen, das einen universellen Trost bietet. Natürlich darf es in unserer Gesamtwerkschau nicht fehlen.

Mal ganz ehrlich: Hängen Ihnen nicht so bekannte Melodien wie „Die kleine Nachtmusik“ schon zu den Ohren raus?

Wagner: Die haben wir ausgelassen, ich weiß auch nicht warum. Aber mit den Mozart-Hits ist es so wie mit richtig guten Filmmusiken. Die machen gute Laune, schaffen Bilder und sind immer wieder spannend zu hören.

Im Kabarett werden auch oft Mozart-Melodien verwendet. Parodieren und verulken Sie ihn auch?

Wagner: Mozart war selbst ein Spaßvogel, der mit seinem Humor alle Grenzüberschreitungen gewagt hat. Es ist also ganz in seinem Sinne, seinen geistvollen Witz auch in unsere Zeit einzubringen, sowohl musikalisch wie auch szenisch.

Von Karim Saab

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