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Mozarts Entführung aus dem Serail in Cottbus

Oper Mozarts Entführung aus dem Serail in Cottbus

Die Flüchtlinge kommen von oben über eine Leiter auf die Bühne. Das Staatstheater Cottbus spielt Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und schafft es dabei, aktuelle Bezüge herzustellen. Und trotzdem ist das Ensemble sehr nahe bei Mozart.

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Entführung in Cottbus: Sebastian Wirnitzer (Bassa Selim, v.l. ), Ingo Witzke (Osmin), Laila Salome Fischer (Konstanze) und Alexander Geller (Belmonte)

Quelle: Marlies Kross

Cottbus. Die Frage stellt sich für jeden Regisseur: Wie bringt man eine über 200 Jahre alte Geschichte mit neuem Zugriff auf die Bühne. Bei der jüngsten Cottbuser Mozart-Inszenierung gerät die Flucht-Leiter zum Dreh- und Angelpunkt. Normalerweise wird sie so angelegt, dass die Akteure bei der titelgebenden „Entführung aus dem Serail“ hinauf sollen, um eine Mauer zu überwinden. Bei Martin Schüler kommen die Flüchtigen über die Leiter von oben, aus einem ungewissen Oberlicht, und sie sind so wieder in jenem Saal, in dem die gesamte bisherige Handlung spielte. Übrigens ein durchaus schöner Raum, den die Ausstatterin Gundula Martin da entworfen hat, mit nur leichten Anklängen an jene orientalische Welt, in der wir uns hier eigentlich befinden. Wie auch ihre Kostüme die Schwebe halten zwischen Tradition und Moderne.

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Eine ausgezeichnet aktualisierte Fassung der Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart ist seit dem Wochenende im Staatstheater Cottbus zu sehen.

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Ob nun auf der Leiter rauf oder runter, der Spielfreude des durchweg jungen Ensembles tut das keinen Abbruch. Spritzig und mit Hingabe, sicher geführt von Martin Schüler, bewegen sie sich in der von Mozart und seinem Librettisten ersonnen Welt. Sie sind Gestrandete, irgendwo am Rande des Mittelmeeres, das Türkische war damals groß in Mode. Heute hat man bei „Mittelmeer“ andere Assoziationen. Die nur nebenher verhandelte Vorgeschichte unter dem Stichwort „von Seeräubern entführt“ wird im Programmheft zur aktuellen Kreuzfahrt, die Reisenden sind von Piraten gekapert. Das Singspiel eröffne „thematisch einen Perspektivwechsel auf eine aktuelle Problematik, Europäer sind in der Fremde gezwungen, sich auf eine andere Kultur einzulassen, und dabei entdecken sie selbst an sich unvermutete Seiten“. Dramaturgendeutsch, damit keine dummen Frage aufkommen.

Laila Salome Fischer läuft zu Hochform auf

Auf das Bühnengeschehen hat das kaum Einfluss. Belmonte (Alexander Geller), ein junger Tenor aus besserem Hause, gelangt wie bei Mozart auf der Suche nach seiner geliebten Konstanze auf das Anwesen eines reichen Türken, des Bassa Selim. Und die Vermisste ist tatsächlich hier, samt Zofe Blonde und Diener Pedrillo. Na klar, der Bassa ist hinter der Schönen her, und als er sich ihr dann tatsächlich nicht eben schicklich nähert, läuft Laila Salome Fischer in ihrer Martern-Arie zur Hochform auf. An ihrer Seite rechtzeitig die Blonde-Soubrette Katerina Fridland und der Pedrillo-Buffo Hardy Brachmann. Alles wie gehabt. Aus dem Rahmen fällt Osmin, in der Mozartliteratur immer als der „dicke Aufseher“ beschrieben. In Cottbus präsentiert sich mit Ingo Witzke ein stattlicher Zwei-Meter-Mann, eine Art arabischer Rocker, der stimmlich durchaus die Tiefen dieses Peitschenschwingers auszuloten vermag.

Evan Christ lässt sein Orchester funkeln

Auch wenn die Flucht fehlschlägt, am Ende gibt Bassa Selim, den Sebastian Wirnitzer als einen von Fleischeslust geplagten Mann im besten Alter zeigt, letztlich doch den Großmütigen, der allen die Freiheit schenkt. Wofür sich Konstanze mit einem Kuss bedankt, der um einiges länger dauert, als es die Schicklichkeit an dieser Stelle erfordert hätte. Und wenn zwischendurch der Freude Tränen fließen, da glitzert nicht nur der Tenor, sondern es funkelt auch das von Evan Christ geleitete Orchester, das sich der Mozart-Partitur ansonsten irritierend schwerblütig genähert hat.

Theater Cottbus, Schillerplatz, Kartentel. 0331/72840284. Wieder am 10., 20. u. 24. Februar.

Von Frank Starke

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