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"Multaka" - Flüchtlingsguides in Berliner Museen

Museen "Multaka" - Flüchtlingsguides in Berliner Museen

Flüchtlinge führen Flüchtlinge durch Berliner Museen - besonders groß ist dabei das Interesse an der deutschen Geschichte. Das Projekt "Multaka" ist gelebte Integration ohne erhobenen Zeigefinger.

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Die aus Damaskus stammende Syrerin Rita Albahr und der aus Bagdad stammende Iraker Hussam Zahim Mohammed im Museum für Islamische Kunst vor der Mauer des ehemaligeb Kalifenschlosses Mschatta.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin. Wenn Rita Albahri das prächtige Aleppo-Zimmer im Berliner Museum für Islamische Kunst sieht, dann bekommt sie Heimweh. "Natürlich!", ruft die 22-jährige Syrerin. Zusammen mit ihrer Familie floh die Christin vor eineinhalb Jahren aus ihrer Heimat nach Deutschland.

Jetzt gehört sie zu den 19 von den Staatlichen Berliner Museen ausgebildeten Guides, die andere Geflüchtete auf Arabisch durch verschiedene Sammlungen der Hauptstadt führen. Dafür hat sich Albahri allerdings nicht die Ausstellung über die Kunstschätze ihrer Heimat ausgesucht, sondern das Deutsche Historische Museum.

"Ich möchte gerne, dass die jetzt nach Deutschland gekommenen Syrer von der deutschen Geschichte lernen", sagt die aus Damaskus stammende Albahri. "Die heutige Situation in Syrien mit der großen Zerstörung ähnelt der Situation in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn die Syrer sehen, wie Deutschland nach dem Krieg aussah und wie es heute aussieht, kann ihnen das die Hoffnung geben, ihr Land wieder aufzubauen und noch einmal neu anzufangen."

Zu ihren Lieblings-Ausstellungsstücken gehören zwei Gemälde, die Schiffe mit deutschen Auswanderern zeigen, die im 19. Jahrhundert auf dem Weg nach Amerika waren. "Das beschreibt genau die Situation der Flucht", meint die junge Syrerin, die ihre Landsleute mit lebhaften Gesten durch die Dauerausstellung führt. Vor den Porträts von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora entspinnt sich eine Diskussion. Durfte Luther als Geistlicher heiraten und wie war die Situation der Frauen damals, wollen zwei junge syrische Männer wissen.

"Multaka" heißt das Museumsprojekt - das bedeutet auf Arabisch Treffpunkt. Das Wort stehe für den Austausch kultureller und historischer Erfahrungen, so die Staatlichen Museen. Jeden Mittwochnachmittag führen die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak andere Geflüchtete durch das Pergamonmuseum mit dem Museum für Islamische Kunst und dem Vorderasiatischen Museum, durch das Bodemuseum mit der Skulpturensammlung und dem Museum für Byzantinische Kunst sowie durch das Deutsche Historische Museum.

"Die Besonderheit ist, dass es nicht ein Projekt über Flüchtlinge ist, sondern von syrischen Geflüchteten selbst entwickelt wurde", sagt der Direktor des Museums für Islamische Kunst, Stefan Weber. "Die Frage war: Was können die Menschen tun, die gut ausgebildet sind, aber hier erstmal in der sozialen Leiter ganz unten stehen und sich alles neu aufbauen müssen", so Weber.

"Wir haben allen Guides gesagt: Ihr müsst nicht den Museumsführer auswendig lernen. Es geht nicht um Informationstransfer, es geht vor allem darum, die eigenen Biografien und Erfahrungen mit einzubringen und mit den Besuchern darüber zu sprechen", sagt der Museumsdirektor. Und: "Die 19 Guides bekommen wie alle unsere Museumsguides ein Honorar von 40 Euro pro Führung."

Der Iraker Hussam Zahim Mohamed ist Guide im Vorderasiatischen Museum, wo viele Werke aus seiner Heimat zu sehen sind. "Dieses Projekt hilft, sich in die Gesellschaft zu integrieren", sagt der Archäologe aus Bagdad. "Man lernt auf der einen Seite seine eigene Kultur kennen, aber auch die anderen Kulturen, die es im multikulturellen Berlin gibt."

Sein Lieblingsobjekt ist die 3000 Jahre alte Uruk-Vase, die den Zusammenhang zwischen sozialem und religiösem Leben zeige. "Das Original ist in Bagdad, allerdings zerstört", erklärt der 29-Jährige weiter. "Ich frage mich, warum die Kunstschätze im Irak nicht besser geschützt werden. Die Werke, die die Terrormiliz Islamischer Staat in letzter Zeit zerstört hat, sind unersetzlich."

Die Geflüchteten versuchen, in die Zukunft zu blicken. "Ich bin hier, um etwas über die deutsche Geschichte zu erfahren", sagt die 21-jährige Asmaa Ghanem aus Damaskus. Sie ist erst seit drei Monaten in Berlin und folgt konzentriert den Ausführungen von Rita Albahri im Deutschen Historischen Museum. Und Albahri, die in Syrien Touristik studiert hat, hat einen Wunsch für die Zukunft: "Ich hoffe, dass ich eine Ausbildung als Hotelfachfrau oder im Tourismus-Bereich machen kann und dann Arbeit finde."

dpa

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