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Museum Barberini: Ein Glücksfall für Potsdam

Ein erster Blick ins Innere Museum Barberini: Ein Glücksfall für Potsdam

Das Museum Barberini in Potsdams historischer Mitte wartet mit 18 Sälen für Kunst auf. Es ist auch städtebaulich ein Glücksfall für die Stadt, meint unser Autor. Bald ist Eröffnung. Hier die ersten Einblicke.

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ls wäre es immer schon ewig so gewesen: Die Eingangshalle mit Terrazzo-Boden, Säulen sowie Türen und Fenstern aus Bronze.

Quelle: fotos: Friedrich Bungert

Potsdam. Wer durch die 18 Ausstellungssäle schreitet, soll nichts anderes sehen, als die Kunst, die an den Wänden hängt. Um diesen L’art pour l’art-Effekt zu ermöglichen, mussten die Erbauer des Palais Barberini 3.0. an vieles denken. Leihgeber wie die Eremitage in Sankt Petersburg, der Prado in Madrid oder auch private Sammler wie Bill Gates geben ihre Unikate nur nach Potsdam, wenn hier perfekte Bedingungen herrschen. Temperatur, Feuchtigkeit und Licht dürfen den sensiblen Leinwänden nichts anhaben. Und natürlich muss auch für absolute Sicherheit gesorgt sein.

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Schöne leere Räume im neuen Potsdamer Kunstmuseum im historischen Zentrum am Alten Markt.

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„Wir hatten noch nie so ein schönes Projekt und werden es wohl auch nie mehr haben“, verriet Bauherrenvertreter Willy Athenstädt am Donnerstag den zahlreichen Journalisten bei einem ersten Rundgang. Die leeren Räume des Museums, das ab 23. Januar den Ausstellungsbetrieb aufnimmt, können ab Montag für eine Woche besichtigt werden. Mäzen Hasso Plattner zeigte sich nicht leibhaftig, sondern nur in einer kurzen Filmeinspielung, die aber deutlich machte, dass er mit Sinn, Verstand und viel Herzblut auch die Details mitgestaltet hat.

In nur vier Jahren Bauzeit entstand eine 42 Meter breite und 30 Meter hohe Schatulle von barocker Pracht. Dass im Inneren modernste High-tech-Standards gelten, sieht man dem historistischen Bau nicht an. Das Betonskelett wurde nirgends mit Gipskarton verkleidet, sondern mit wertvollen Materialien und aufwendig hergestellten Oberflächen, die das Licht dezent reflektieren. Die Böden sind aus Terrazzo und Sandsteinplatten, Eichenparkett und Wenge-Hölzern. Die Wände aus Stuccolustro. Im unteren Stockwerk, vor allem in der Eingangshalle wurde wie im schicken New York oder Chicago mit Bronze gearbeitet, Türen und Fenster, Lampen und Treppengeländer sind im Art-Deco-Stil gehalten. Die Kantigkeit ist ein Understatement für Modernität.

Der Architekt des Museums

Der Architekt des Museums: Thomas Albrecht.

Quelle: Friedrich Bungert

Was das Museum Barberini gekostet hat, wurde den Journalisten nicht verraten. Geld spielte in diesem Fall ausnahmsweise keine Rolle. Die Großzügigkeit des mehrfachen Milliardärs und Mäzens Plattner wird sich gewiss auszahlen. (Zur Erinnerung: 1000 Millionen sind eine Milliarde Euro.) In den fast acht Meter hohen Raumfluchten kann sich der Besucher wie in klassischen Museumsgemäuern in Wien, London oder Paris fühlen. Potsdam kann also künftig mit einer weiteren Attraktion von überregionaler Strahlkraft wuchern.

Der Architekt Thomas Albrecht erinnerte an die Geschichte des Hauses. Der im Krieg zerstörte Vorgängerbau 2.0. musste 1770 auf Geheiß des preußischen Königs mit Fenstern über zwei Geschosse ausgestattet werden. Friedrich der Große wollte sich im Schloss nebenan nicht wie in einem Kaff fühlen. Vorbild war ein Palais in Rom – sozusagen Barberini 1.0. In Potsdam wurden dann im 19. Jahrhundert noch zwei Seitenflügel angebaut (Barberini 2.1.). „Wir haben Fassade, Baukörper und auch die zwölf Prunkvasen auf der Dachtraufe exakt rekonstruiert. Aber um den Museumszweck besser zu erfüllen, haben wir das Prinzip der Zweigeschossigkeit auf die Seitenflügel ausgedehnt“, sagte Albrecht und fügte an: „Kein Sechssterne-Hotel der Welt könnte eine so großzügige Architektur finanzieren.“ In den Innenräumen sei es darum gegangen, die Großzügigkeit in den Details fortzusetzen. „Im Barock ist jede Fläche in sich gestaltet“, erklärte er und zeigte auf die farblich abgesetzten Bänder in den Holz- und Steinböden. Albrecht bezeichnete den Bau als Höhepunkt in seinem Architektenleben.

Museumsdirektorin Ortud Westheider

Museumsdirektorin Ortud Westheider: „Hier hängen dann im Januar die Seerosen-Bilder“.

Quelle: Friedrich Bungert

Museumsdirektorin Ortrud Westheider führte die ersten Besucher auch in die Seitenflügel. Fast alle Räume verfügen über eine Kassettenlichtdecke und gewölbte Deckenkehlen. Das dunkle Anthrazit in einem Saal kommentierte sie mit dem Satz: „Hier hängen dann die Seerosenbilder.“ Damit spielte die Kunsthistorikerin auf die Impressionismus-Ausstellung an, die am 23. Januar eröffnet wird.

Das Museum Barberini ist auch städtebaulich ein Glücksfall für Potsdam. Wie ein Scharnier verbindet der Bau den Norden und den Süden der Stadt. Der Blick in Richtung Havelufer fällt auf die bisher zu wenig wahrgenommene Freundschaftsinsel, deren Schönheit endlich zur Geltung kommt. Und auf der anderen Seite gewinnt der Alte Markt mit dem Landtagsschloss, der mächtigen Nikolaikirche und dem ehemaligen Rathaus seine dreieckige Kontur zurück. Hier springen die vielen, zum Teil auch vergoldeten Skulpturen auf den Bauwerken ins Auge. Wer den Blick über die Dächer schweifen lässt, kann sogar die Orangerie über dem Park Sanssouci entdecken. Gute Aussichten also für die Landeshauptstadt!

Ralph Junick betreibt das Café im Haus

Ralph Junick betreibt das Café im Haus.

Quelle: Friedrich Bungert

Von Karim Saab

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