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Kultur „My Fair Lady“ am Buhnenhaus
Nachrichten Kultur „My Fair Lady“ am Buhnenhaus
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17:43 13.06.2018
Eliza (Katrin Lièvre) lernt die Sprache der feinen Gesellschaft, doch immer wieder rutscht ein Fluch dazwischen. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/Havel

Freddy trägt Allwetterjacke, als er um die junge Dame wirbt, das ist in Brandenburg eine gesunde Wahl. Denn nicht unbedingt die Frauenwelt, doch die Wetterlage ist hier kapriziös. Freddy lässt sich von der Dame locken, doch läuft ins Leere. Wohin Eliza geht, Freddy zottelt hinterher. Er folgt ihr wie ein Lemming. So ist das mit der Liebe.

Sie proben „My Fair Lady“, ein Musical, das legendär ist, weil es die Komik mit den Hormonen verknotet. Freddy, der als Schauspieler Michael Ehspanner heißt, ist ein Mann mit sanfter Stimme, er spricht die Szene nochmal durch. Es geht um Laufwege, ein Thema, über das man in den nächsten Wochen öfter redet – bei der WM in Russland. Doch auch auf einer nicht so großen Bühne, wo sie Theater spielen, will der Laufweg ordentlich geklärt sein. Ehspanner wird sich am Freitag, wenn „My Fair Lady“ in Brandenburg/Havel Premiere feiert, schick machen. Er weiß, dass man mit der Allwetterjacke keinen Blumentopf gewinnt. Und schon gar kein Frauenherz.

Neben dem Buhnenhaus, einem 100 Jahre alten Landgasthof, der nach der Wende fast abgerissen worden wäre, hat sich das Event-Theater eine überdachte Bühne zimmern lassen. Sie steht dort nun zehn Jahre, erst vor ein paar Tagen kam ein massiver Kran, um Container auf das Areal zu heben, wo die Kostüme und der Fundus in den nächsten Wochen eingelagert werden. Hank Teufer steigt aus seinem Auto, ein Mann mit dunkler runder Brille, der die Gelassenheit des Landausflüglers mitbringt, auch wenn er hier den Kopf hinhält für die gesamte Produktion.

2717 Mal in New York gespielt

„My Fair Lady“ ist ein Musical, das am 15. März 1956 im Mark-Hellinger-Theater in New York Premiere feierte.

Die Aufführung wurde begeistert aufgenommen, „My Fair Lady“ lief sechseinhalb Jahre am Broadway und brachte es auf insgesamt 2717 Vorstellungen.

Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 25. Oktober 1961 im Theater des Westens in Berlin statt, unter anderem mit dem Schlagersänger Rex Gildo.

Die Handlung des Musicals spielt in der Stadt London um das Jahr 1912.

Teufer ist ein Tausendsassa, der den Druck des Geldverdienens in Humor umwandelt, aber auch in Charme. Es ist Mittag, er bestellt ein kleines Schnitzel im Buhnenhaus, kriegt aber einen derart gut gefüllten Teller, dass ihm für Momente das Gesicht einfriert.

„My Fair Lady“, sagt er, „ist eine sichere Nummer, aber auch eine teure.“ Er beißt ins Schnitzel. Das Musical läuft derart gut, dass die Rechtehalter in den USA massive Preise nehmen. „16 Prozent plus Umsatzsteuer zahlen wir pro Karte, die wir verkaufen.“ Er probiert ein Lächeln, doch das Thema unterbindet jetzt die Heiterkeit. „In Europa sagt man: Wenn das Stück läuft und die Nachfrage brummt, gewähren wir Preisnachlass. Die Amerikaner tun das Gegenteil. Wenn das Stück gefragt ist, erhöhen sie die Preise für ihre Lizenz.“ Teufer erzählt, „die haben mir gesagt, unterschreiben Sie schnell, sonst werden es 20 Prozent.“ Nun lacht er doch. Auch aus einer bitteren Pointe kann Teufer eine leichte Anekdote bauen.

Er beeilt sich mit dem Essen, obwohl er vor zwei Wochen einen Weisheitszahn gezogen kriegte. Mit dem Kauen ist es noch ein bisschen schwierig. Sie brauchen ihn gleich auf der Bühne, als Alfred P. Dolittle, den Vater von Eliza. Ein Mann des Alkohols, der seine Tochter plötzlich in den höchsten Kreisen wiederfindet. Professor Higgins hat Gefallen an ihr gefunden, den derben Dialekt mit seinen Flüchen möchte er ihr austreiben – Higgins will sie zur feinen Dame formen. Das wird nie ganz gelingen, was Elizas Reiz nur noch erhöht. Zumindest steigert es die Anziehung auf Freddy, der zur Probe in der Regenjacke so professionell verdattert guckt, wie das die Schauspielkunst erlaubt.

Vater und rüder Trunkenbold

Gleich muss Hank Teufer dazwischengehen, als Vater und rüder Trunkenbold. Eine schön zerzauste Rolle für Teufer, der ein großes Repertoire hat. Um den 200. Geburtstag von Fontane 2019 anzukündigen, hat ihn die Brandenburger Tourismusbranche engagiert, außerhalb des Bundeslandes auf das Jubiläum in Fontane-Rolle hinzuweisen. Teufer ist einer, der mental den Bogen schlagen kann vom Trinker zum Dichter. Und gleich ist auch sein Schnitzel aufgegessen.

Auf der Bühne proben sie jetzt, wie Eliza sich in feinen Kreisen an der neu erlernten, elitären, leicht nasalen Redensart versucht. Gleich muss Teufer auf die Bühne und dazwischenrumpeln.

Sie haben das Stück vor zwei Jahren schon einmal gespielt, „es war voll, trotz der Mücken, ein toller Erfolg“, sagt Teufer. Nun muss das Ensemble die Leute neu motivieren, auch weiterhin zu kommen. Dafür wurden Erlebnispakete geschnürt. Man kann mit dem Schiff anreisen, dazu ein Essen am Grillbüffet im Buhnenhaus buchen. Freddy hat bis dahin die Allwetterjacke abgelegt. Er wird feinen Stoff tragen. Sein Erfolg bei dieser jungen Lady bleibt dennoch ungewiss.

INFO „My Fair Lady“, Premiere an diesem Freitag um 19 Uhr. Weitere Vorstellungen je Fr/Sa/So bis 30.6. Infos unter www.brandenburger-klostersommer.de . Tickets in der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284.

Von Lars Grote

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