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Nachkriegskünstler Burri wird wiederentdeckt

Ausstellungen Nachkriegskünstler Burri wird wiederentdeckt

Alberto Burri ging brutal mit dem Bild um: Er nähte, schweißte und brannte Bilder aus Sackleinen, Teer und Plastik. Nun wird der italienische Nachkriegskünstler in Deutschland wiederentdeckt.

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Alberto Burri, Rosso plastica (Rotes Plastik), 1962.

Quelle: Monika Skolimowska

Düsseldorf (dpa) – Der Italiener Alberto Burri hatte als Feldarzt im Zweiten Weltkrieg Schreckliches erlebt. Nach der Gefangennahme in Tunesien 1943 kam der Chirurg in ein Kriegsgefangenenlager in Texas. Als Arzt aber sollte er nie wieder arbeiten.

Burri (1915-1995) verarbeitete sein Kriegstrauma fortan als Künstler in Bildern aus ungewöhnlichen Materialien: Sackleinen, Teer, Eisen, Plastik und Holz.

Der in Umbrien geborene Nachkriegskünstler wird jetzt in einer Ausstellung im Ständehaus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wiederentdeckt. In Deutschland ist Burri weitgehend unbekannt. Bis zum 3. Juli ist die Ausstellung "Das Trauma der Malerei" mit rund 70 Arbeiten als einzige europäische Station im K21 zu sehen. Zuvor wurde sie anlässlich des 100. Geburtstages von Burri im New Yorker Guggenheim Museum gezeigt.

Zunächst zeichnete der Autodidakt noch in Kriegsgefangenschaft halluzinatorische Porträts entstellter Menschen, deren Gliedmaße nur noch Stümpfe sind. Zurück in Italien fing er an, mit Säcken, Lacken und Bimsstein zu experimentieren. Brutal ging Burri in den 50er und 60er Jahren mit den Oberflächen um.

Er zerschnitt Säcke oder Leinen und nähte die Fetzen mit groben Stichen wieder zusammen. Eisenbleche verschweißte er, so dass scharfe Kanten aus dem Bild hochstehen. Rote Farbe sickert aus Rissen hervor. Hinter die Leinwand presste er Metallstangen, die das Bild auswölbten. Holzfurnier bearbeitete er mit dem Schweißbrenner. In tiefrotes geschmolzenes Plastik brannte Burri Löcher wie Wunden, die den Blick auf schwarzen Grund freigeben.

Burris Bilder wirken gefährlich und strahlen dennoch eine Sinnlichkeit aus. Oft sind sie reliefartig und fast dreidimensional. "Burri hat sich immer als Maler bezeichnet", sagt die Kuratorin Valerie Hortolani. Niemals verließ er den Rahmen des Bildes. Die grafische Komposition seiner häufig monochromen Bilder steht in der Tradition der klassischen Moderne.

Burri sei aber immer ein Einzelgänger geblieben, sagt Hortolani. Dennoch wurde der Documenta- und Biennale-Teilnehmer zum Fixpunkt für einige heute weltberühmte Künstler. Robert Rauschenberg und Cy Twombly besuchten ihn in seinem Atelier. Lucio Fontana besaß ein Riss-Bild Burris und erlangte selbst Ruhm, indem er Bildoberflächen traktierte und sie einschnitt. Heute wird Burri als Vorreiter der Arte Povera gesehen, die ebenso wie er mit alltäglichen Materialien arbeitete.

An Burris Bilder-Serien lässt sich auch der Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg ablesen. Arbeitete er zunächst mit Säcken aus Hilfslieferungen, so kommen später die Materialien der boomenden Industrie - Furnier und Plastikfolie - hinzu. So seien Burris Bilder auch eine "Signatur der Zeit", sagt Hortolani.

dpa

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