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Kultur Nahrungsverschwendung treibt Klimawandel
Nachrichten Kultur Nahrungsverschwendung treibt Klimawandel
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05:50 16.04.2016
Viel zu viel Nahrung landet in der Tonne. Quelle: Fotolia
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Potsdam

Nicht erst seit sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) für die Änderung der Mindesthaltbarkeitsangaben auf Lebensmitteln einsetzt, ist das Wegwerfen und die Verschwendung von Nahrung ein Thema. Zahlreiche Studien haben schon auf die Diskrepanz zwischen Überfluss in der Welt einerseits und Hunger andererseits hingewiesen. Doch Verhaltensänderungen hier könnten nicht nur das Leben von Menschen auf der Erde retten oder zumindest erleichtern, die von Nahrungsmangel bedroht sind. Ein verantwortungsvollerer Umgang hätte auch weitreichende Folgen für den Erhalt des menschlichen Lebensraums insgesamt.

Das hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) nachgewiesen. Ein Zehntel der globalen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts allein auf die Verschwendung von Nahrungsmitteln zurückgehen, warnen die Wissenschaftler. Sie sind damit nicht allein. Untersuchungen der Umweltstiftung WWF oder aber der Verbraucherzentrale sind zumindest auf nationaler Ebene zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Ein Drittel der Nahrung findet nicht auf den Teller

Allein in Deutschland landen jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Derzeit findet ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion weltweit nicht den Weg auf unsere Teller. Die Vergeudung stinkt zum Himmel, mögen manche denken. Doch die geruchlose Duftnote der Treibhausgase wird sich noch drastisch ausweiten, wenn erst in Schwellenländern wie China oder Indien die Tische ähnlich gedeckt werden wie in den westlichen Ländern, Fleisch statt Gemüse und Getreide die Teller füllt, wachsender Wohlstand und ein sich ändernder Lebensstil das Bewusstsein ändert.

„1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden derzeit weltweit verschwendet,“ sagt der an der Studie beteiligte PIK-Wissenschaftler Jürgen Kropp. Sie landen auf dem Müll oder verkommen auf Halden und Feldern. Entweder haben Bauern ihre Produkte wegen dem Markt nicht genehmer Form, Größe oder Zustandes bereits aussortiert, oder der Handel hat die Ware aus ähnlichen Gründen nicht in die Verkaufsregale gelassen. Nicht zuletzt verschätzen sich Konsumenten in Mengen, stufen den Geschmack nicht richtig ein oder lassen sich von bewusst enge Limits setzenden Haltbarkeitsdaten täuschen. Die Folge: Lebensmittel verfaulen oder zerfallen und geben das während des Wachstums aufgenommene Kohlendioxid wieder ab.

Nicht nur das: Allein die in Deutschland nach der Lebensmittelherstellung weggeworfene Nahrungsmenge würde 275 000 Sattelschlepper mit entsprechenden Emissionen füllen. Hintereinander gestellt ergibt das die Strecke von Düsseldorf nach Lissabon und zurück. Neben dieser für den Transport verschleuderten Energie lasten auch Düngemittel und die nutzlos für die landwirtschaftliche Produktion umgewandelten Naturflächen auf dem Klima.

„Landwirtschaft ist einer der größten Treiber des Klimawandels, mit einem Anteil von 20 Prozent der gesamten Emissionen“, sagt Prajal Pradhan vom PIK, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat. Dieser Anteil dürfte drastisch zunehmen. Für die Studie haben die Forscher den Nahrungsmittelbedarf auf der Basis physiologischer Voraussetzungen des Menschen für vergangene und künftige Szenarien analysiert. Dabei wurde sowohl die demografische Entwicklung als auch die Nahrungsmittelnachfrage und –verfügbarkeit berechnet. Die Ergebnisse zeigen: Das Lebensmittelangebot ist in den vergangenen fünf Dekaden stark angestiegen, obwohl der eigentliche Nahrungsbedarf um satt zu werden pro Person im globalen Mittel fast konstant geblieben ist.

„Das drückt sich unter anderem dadurch aus, dass reichere Länder mehr Nahrung konsumieren als gesund ist, oder eben Lebensmittel verschwenden,“ so Pradhan. So könnten die mit Lebensmittelverlusten verbundenen Emissionen enorm ansteigen – von heute 0,5

Fleisch verbraucht mehr Ressourcen

Der Grad der Verschwendung hängt auch damit zusammen, welche Nahrungsmittel produzierte werden – wenn etwa in Schwellenländern der Tierkonsum zunimmt. „Für die Produktion einer Kalorie Fleisch muss man bis zu acht Kalorien Getreide einsetzen“, so Kropp. Um einen Menschen mit Fleisch zu ernähren wird fünfmal soviel Boden gebraucht wie wenn Obst, Gemüse und Getreide genutzt werden. Das bedeute, „je prominenter der westliche Lebensstiel wird, desto mehr Emissionen wird es auf der Produktionsseite geben“, so Kropp. Es gehe nicht darum, Fleischkonsum zu brandmarken, aber das Übermaß habe Folgen – „auf die eigene Gesundheit und auf das Klima“.

Wie die Versorgung klüger und Konsumenten vom umsichtigeren Umgang mit Nahrungsmitteln überzeugt werden können, darüber sagt die Studie nichts. „Aber die Vermeidung von Nahrungsverlusten könnte ein Hebel sein, der mehrfach greift: bei der Minderung der landwirtschaftlichen Folgen für Klima und Umwelt, für die Schonung von Ressourcen in der Produktion, und zur Verbesserung regionaler und globaler Lebensmittelsicherheit,“ so Kropp.

Von Gerald Dietz

Seit sechzehn Jahren ist Thomas Krüger Präsident der Bundeszentrale, die in ihrem Lokaljournalisten-Programm seit langem schon die regionalen Medien fördert. Im MAZ-Interview spricht er darüber, welche Fehler Journalisten gemacht haben und wie sie damit umgehen sollten.

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