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Nareh Arghamanians furiose Ravel-Interpretation

Konzert im Nikolaisaal Nareh Arghamanians furiose Ravel-Interpretation

Die 25-jährige Pianistin Nareh Arghamanian prescht am Sonnabend mit Verve durch Ravels Klavierkonzert. Doch der Auftritt der Armenierin war nicht das einzige Glanzstück des 4. Sinfoniekonzerts im Potsdamer Nikolaisaal.

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Die 25-jährige Armenierin Nareh Arghamanian.

Quelle: www.marcoborggreve.com

Potsdam. Wie eine Zirkusmanege darf man sich Ravels Klavierkonzert vorstellen: Jazzrhythmen, Melodien von Mozartscher Anmut und die temperamentvolle spanische Folklore tänzeln durcheinander – ganz im Geist der turbulenten Goldenen Zwanziger. Die Pianistin Nareh Arghamanian trug dazu ein Kleidchen aus feuerroter Spitze, das an ein Zirkuskostüm denken ließ.

Bislang wurde die 25-jährige Armenierin vor allem für ihre einfühlsamen Interpretationen der russischen Virtuosenliteratur gelobt. In Potsdam begab sie sich in Gesellschaft des Staatsorchesters aus Frankfurt unter Howard Griffiths auf französisches Terrain. Den schwierigen Klavierpart von Ravels Konzert meisterte sie mit virtuoser Bravour. Ihr Spiel vereinte makellose Technik und eine klare, nuancierte Artikulation; andererseits brachte sie mit dem Temperament einer Tastenlöwin die motorische Wucht des Stücks zur Geltung, indem sie energische Akzente und grelle Akkordballungen setzte.

Den langsamen Mittelsatz hätte man sich allerdings inniger und sanfter gewünscht. Auch das Orchester, das stets in feiner Abstimmung mit der Pianistin musizierte, trat hier zu forsch auf. Das Finale raste schließlich wie eine Achterbahn dahin; mit jaulenden Bläsern und jazzigen Klavierrhythmen. Das hellauf begeisterte Publikum entlockte Nareh Arghamanian zwei Zugaben.

Von Ravels Vorbild Debussy stammen die entzückenden Klavierstücke „Children’s Corner“, mit denen der Komponist das Spielzeug seiner dreijährigen Tochter Chouchou porträtierte. Das Frankfurter Orchester spielte den Zyklus am Samstag in der Orchestervariante eines Debussy-Schülers, die allerdings den Witz der Urfassung zuweilen vermissen ließ. Der Seitenhieb gegen Wagner ging beispielsweise unter; man vernahm nur leise das freche Gelächter, mit dem der „Neger-Hampelmann“ zum verballhornten Tristan-Akkord tanzt.

Nach der Pause ging es um die sagenhafte, ebenso schöne wie kluge Königin von Saba, deren amouröse Begegnung mit König Salomo die Bibel erzählt. Mehrere Komponisten haben sich für die außergewöhnliche Dame interessiert. So schildert Händel in seinem Oratorium „Solomon“ den Einzug der Königin und ihrer goldbepackten Karawane durch prächtigen Trompetenglanz. Das Orchester spielte das Stück straff und fröhlich im Stehen; und Dirigent Griffiths nutzte die Gelegenheit zu einem launigen Weihnachtsgruß ins Publikum.

In Ottorino Respighis Ballettmusik „Königin von Saba“, die 1931 entstand, wurde man mit orientalisch taumelnden Melodien und psychodelischen Rhythmen in die schwüle Atmosphäre eines Harems entführt. Griffiths ließ das Orchester verschwenderisch glänzen; mit goldenem Harfenklang, silbrig schimmernder Celesta und vielfältigem Schlagwerk. Beim wirbelnden „Orgiastischen Tanz“ stimmten die Blechbläser von der Empore in den turbulenten Taumel ein.

Von Antje Rößler

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