Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Neo Rauch und Rosa Loy präsentieren in Potsdam ihr Bayreuth-Bühnenbild
Nachrichten Kultur Neo Rauch und Rosa Loy präsentieren in Potsdam ihr Bayreuth-Bühnenbild
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 03.10.2018
Der Leipziger Maler Neo Rauch und seine Frau, die Künstlerin Rosa Loy, während der Diskussionsrunde zur Ausstellung "Rosa Loy & Neo Rauch – Lohengrin" in der Villa Schöningen in Potsdam am 30. September 2018. Quelle: mueller_m
Potsdam

„Für mich stand fest: keine Nackten, keine SS-Uniformen und keine Flüchtlinge auf der Bühne“, bekannte Neo Rauch am Sonntagnachmittag in Potsdam. Bevor die Ausstellung „Lohengrin“ in der Villa Schöningen am 3. Oktober für das Publikum öffnet, lud Hausherr Mathias Döpfner den Leipziger Maler und seine Frau Rosa Loy zu einem Gespräch. Mit im Podium saß auch der Dirigent Christian Thielemann, der die Oper von Richard Wagner im Festspielhaus Bayreuth dirigiert hat.

Döpfner bezeichnete sich selbst als „renitenten Wagnerianer“, der seit 14 Jahren zum Grünen Hügel pilgert. Erstmals in diesem Sommer habe er einen „einhelligen Applaus“ erlebt. Normalerweise machten die Bayreuther Festspiele durch Skandale von sich reden. Die „Lohengrin“-Inszenierung von Yuval Sharon mit dem Bühnenbild des Ehepaars Rauch/Loy habe auf ihn die ersten 20 Minuten recht „konventionell“ und „enttäuschend“ gewirkt, gestand Moderator Döpfner. „Bis mir deutlich geworden ist, dass das Bühnenbild mit den Konventionen des zeitgenössischen Regietheaters radikal bricht, das ja meist mit abstrakten Räumen und schiefen Ebenen aufwartet. Denn wo findet man heute noch gemalte Theaterkulissen?“, so Döpfner.

Neo Rauch erklärte seinen poetischen Ansatz: „Wir wollten uns ganz der Kunst widmen, dem Phänomen, das über die Sinne funktioniert.“ Und er sprach abwertend von jenen „Kunstschaffenden“, die journalistische oder tagespolitische Aussagen aufgreifen. „Das führt zu Propaganda“, so Rauch. Die Musik Richard Wagners, die allerdings in hochpolitischen Zeiten unmittelbar nach dem Scheitern der Revolution 1848 entstand, habe seinen „Seelengrund“ erreicht. „Ich habe mich ganz auf den Gefühlen der Musik treiben lassen“, meinte Rauch. „Wir haben das gemacht, wonach wir uns sehnen, wenn wir selbst in die Oper gehen.“ Seine Frau verriet jedoch, dass die beiden keine Operngänger seien, „weil wir als Bildende Künstler eigene Bilder im Kopf haben“. Das Paar lernte sich Mitte der 1980er Jahre während des Kunststudiums an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst kennen und schloss gestern auf den Tag genau vor 33 Jahren den Bund fürs Leben.

Die Dichte an Prominenz bei der Veranstaltung in dem Haus an der Glienicker Brücke war so groß, dass zum Beispiel der Schriftsteller Ferdinand von Schirach oder das Künstlerpaar Eva & Adele keinen Sitzplatz ergattern konnte. Das Gespräch wurde aber in ein Zelt unten in den Garten übertragen.

Die Diskutanten erörterten noch einzelne Aspekte der Bildsprache. Über das Blau als vorherrschende Farbe im Bühnenbild und als Code der Romantik konnte Christian Thielemann eine interessante Herleitung beisteuern. Beim Färben mit Indigo wären früher große Pausen nötig gewesen, davon kämen Wendungen wie „Blau machen“, „blau sein“ oder auch „blauer Montag“. Besondere Aufmerksamkeit kam dem Thron zu, den Neo Rauch auf der Bühne als gefallenes Element eines Umspannwerkes darstellt. Was wollte er mit diesem Symbol ausdrücken? Rauch sprach von „Energien“ und „Zivilisationen“, ohne wirklich eine Erklärung zu finden. Das freute den Musiker Christian Thielemann. „Ich soll auch manchmal erklären, warum ich ein Ritardando mache, kann das aber nicht.“

Von Karim Saab

Bisher unveröffentlichtes Material aus dem Privatstudio eines verstorbenen Musikgenies, Elektropop gegen starres, engstirniges, undifferenziertes Denken, und ein Youtuber, der Folk-Pop für besorgte Clowns ersinnt: die Musiktipps von Mathias Begalke.

30.09.2018

Franz Biberkopf, Kästners Emil und das kunstseidene Mädchen: Literarische Helden aus dem alten Berlin begleiten Leser seit Jahrzehnten. Und ihre Geschichten prägen unsere Vorstellung von der Glanzzeit dieser Stadt.

30.09.2018

Der moderne Mensch hat ein seltsames Verhältnis zur Hausarbeit. Er hat Vorlieben und Abneigungen, sie sind ein beliebtes Thema von belanglosen Gesprächen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

30.09.2018