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Kultur Neo Rauch und Rosa Loy zeigen ihre Bayreuther Kulisse in Potsdam
Nachrichten Kultur Neo Rauch und Rosa Loy zeigen ihre Bayreuther Kulisse in Potsdam
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01:15 30.09.2018
Für Wagners Oper „Lohengrin“, die in diesem Sommer in Bayreuth zu sehen war, hat Neo Rauch die Kostüme der männlichen Figuren und seine Partnerin Rosa Loy jene für die weiblichen Figuren entworfen. Hier werden sie in der Villa Schöningen von Ute Born, Chefmaskenbildnerin am Hans-Otto-Theater, hergerichtet. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Fontane hatte sich über die „Hunderte von Havelschwänen“ an der Glienicker Brücke beklagt – diesen ausdrücklichen Unmut kannte man sonst nicht bei dem Mann, der die Frauen so innig verstand und gerne plaudernd durchs Leben und seine Briefe schweifte.

Heute gibt es nur noch selten Schwäne an der Brücke, die Potsdam mit Berlin verbindet. Gerade watschelt ein Schwanenpaar verächtlich an einem Angler vorbei, schon sind sie abgetaucht. Wer verlässlich einen Schwan sehen möchte, muss hinauf in die Villa Schöningen, wenige Meter neben der Brücke, dem Potsdamer Ausstellungshaus von Rang. Das sich nun in ein Opernhaus verwandelt hat. Ohne Musik. Was Leute, denen Richard Wagners Pomp auf den Magen schlägt, begrüßen werden.

In diesem Sommer feierte die neue „Lohengrin“-Inszenierung in Bayreuth Premiere, es ging um Glanz in der Musik, aber natürlich auch beim oftmals prominenten Publikum. Doch auch die Kulissen sorgten für Aufsehen, denn sie stammten vom berühmten Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy. Nun kommen die Werke nach Potsdam.

Das Bühnenbild von WagnersLohengrin“ wird in der Villa gezeigt, geschaffen hat es das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy für die Premiere der Bayreuther Festspielen im Juli dieses Jahres. Gerade Rauch zählt weltweit zu den führenden Künstlern, wenn man den Preisen des Marktes glaubt. In der Villa Schöningen sind sie stolz, dass diese erste Bühnenarbeit des Paares exklusiv in Potsdam zu sehen ist. Sie ist durchweg in Indigoblau gehalten, ein Lagunengefühl weht durch das Haus. Nur das Brautgemach gibt sich Orange. Der Schwan indessen fliegt vor blauem Hintergrund, seine Skulptur ist geformt wie ein Blitz, sie wurde nach Neo Rauchs Knetmodell von einem Kfz-Zulieferbetrieb gefertigt. Eher als schneidige Silhouette, nicht zwingend als anatomisch gesichertes Tierporträt.

Der „Lohengrin“, diese historisch zusammengewürfelte Oper mit diversen Orten, Ideen aus unterschiedlichen Epochen und einem nahezu wahllosem Griff in die Kiste der Mythen, feierte 1850 in Weimar Premiere – der Zeit, in der die ersten Bewohner in die Villa Schöningen einzogen. Nicht nur diese Parallele weist den Potsdamer Prunkbau als gute Heimat für die Lohengrin-Schau aus: In der Loggia des Hauses findet man Delfter Kacheln aus den Niederlanden, entstanden im 17. Jahrhundert, das passt zu jener Zeit und Gegend, die sich auf der Opern-Bühne in niederländischen Trachten niederschlagen. Zu den blauen Kostümen trägt zumindest der Chor Turnschuhe, präziser: Chucks, diese Marke, die man in den Metropolen der Welt derzeit als Ausweis der stilistischen Informiertheit anzieht. Radikale Gegensätze treffen aufeinander.

Blick auf Havelschwäne

Auch die Arbeiten von Rauch und Loy sind eklektizistisch, zusammengetragen aus unterschiedlichen Zeiten und Stilistiken, was nicht nur an den Chucks und den Spitzenkragen der Kostüme zu erkennen ist, die an Bilder des niederländischen Malers Frans Hals erinnern. Rauch malt Elektrizität und Strommasten – Symbole und Metaphern mithin, die zu Wagners Zeiten keine Rolle spielten. Die Gemälde von Rauch und Loy wurden gefertigt, als vom Auftrag für den „Lohengrin“ noch keine Rede war. Das Werk schien zu ahnen, wofür es später noch gebraucht würde.

Auch das „Preußische Arkadien“, von dem man in Potsdam spricht, ist am Ende ja eine künstliche, zusammengewürfelte Kulisse. Man sieht sie aus den Fenstern der Villa Schöningen, wenn man nicht gerade seinen Blick auf Havelschwäne fokussiert. Schloss Glienicke, Schloss Babelsberg, die Gärten, die Fontänen – in diesem Panorama finden Zeiten zueinander, deren Harmonie künstlich ist. Wie in Wagners Oper.

Traumhaft oder museal?

Auch Neo Rauch, 58 Jahre, gilt ja als Maler, der versiert durch die Epochen surft. Sein Grundton wirkt expressionistisch, doch er verarbeitet Motive der Pop-Art, gerne auch surreal, und bedient sich beim nüchternen Ton der Neuen Sachlichkeit. Dennoch hat er mit seiner Partnerin Rosa Loy zu Temperament bei dieser Bühnenarbeit gefunden. Das Indigoblau durchflutet die Räume, als hätte sich die Havel Bahn gebrochen.

Die Resonanz auf diese märchenhafte Bayreuther Bühne war nach der Premiere im Hochsommer geteilt. Die Rede bei den Kritikern war von „traumhaft schön“ bis „Theatermuseum von vor 50 Jahren“. Ohne Musik kommt dieses Blau nun konkurrenzlos zum Tragen, es entfaltet einen Sog, der betrunken macht. Wer von diesen Entwürfen für die Bühne, die im Original aus 1000 Quadratmetern Stoff besteht, nicht in Bann gezogen wird, dem muss der Missmut von Fontane unterstellt werden, als er auf die Havelschwäne schimpfte.

INFO Lohengrin von Neo Rauch und Rosa Loy. Villa Schöningen, Berliner Straße 86, Potsdam. 3.10. bis 13.1.19. Do-So 12-18 Uhr.

Von Lars Grote

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