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15:10 20.02.2017
Eckhard Böttger, „Ewig unterwegs“, 2009, Öl auf Leinwand. Das Bild hängt in Frankfurt (Oder), doch zählt zur Cottbusser Sammlung. Quelle: Lars Grote
Frankfurt (Oder)

Die Welt ist bunt, die Farben blühen, und nirgendwo die penetrante Macht der Schwerkraft. Wenn sich etwas in den Weg stellt, nimmt man einen Pinsel, räumt den Ärger aus dem Weg, verbirgt ihn hinter einem roten, blauen, gelben Klecks – das Leben kann so einfach sein, weil auf dem Bild von Eckhard Böttger die Physik nicht weiter ins Gewicht fällt. Die Menschen dort sind schwarz, sie fliegen. Falls sie aber doch mal Bodenhaftung brauchen, dann auf sehr langen, stelzenhaften Beinen. Alles strebt zum Himmel. Mühen der Ebene? Nein, lieber nicht.

Das Bild heißt „Ewig unterwegs“, es ist mannshoch, Eckhard Böttger hat es mit Öl auf Leinwand gemalt. Böttger kam 1954 im brandenburgischen Klingmühl zur Welt (heutiger Landkreis Elbe-Elster) und starb 2010 in Lübben, ein Jahr nach Fertigstellung des Gemäldes. Sein sinnlich und doch drohend komponiertes Wimmelbild hängt in der Rathaushalle von Frankfurt (Oder), dort, wo für gewöhnlich das Museum Junge Kunst ein nicht ganz leicht zu strukturierendes Gewölbe füllt – ein Fundus von 11 000 Werken macht die stets hochwertige, couragierte Arbeit möglich. Vor allem ostdeutsche Malerei, Grafik und Plastik zählen zum Bestand des Museums, das 1964 gegründet wurde.

Nun aber zeigt der Nachbar seine Kunst in Frankfurt, in der Rathaushalle und im Packhof. Der Nachbar, das ist in diesem Fall das Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus. Im Gegenzug zeigen die Frankfurter einen Querschnitt ihrer Sammlung im Dieselkraftwerk. Nein, die Frankfurter und Cottbusser nennen es nicht „Querschnitt“, sondern „Schlaglichter“, so der Titel der wechselseitigen Ausstellungen.

Zwei Kunstsammlungen

In Vorbereitung auf die Fusion der zwei märkischen Häuser in Frankfurt (Oder) und Cottbus zum neuen Brandenburgischen Landesmuseum im Juni werden unter dem Titel „Schlaglichter“ beim jeweils künftigen Partner hochwertige Bilder, Plastiken, Plakate und Fotos gezeigt.

Das Museum Junge Kunst in Frankfurt zeigt Werke der Cottbusser Sammlung. Packhof, C.-Ph.-E.-Bach-Straße 11 und Rathaushalle, Marktplatz 1. Di-So, 11-17 Uhr. Bis 17. April.

Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zeigt Werke der Frankfurter Sammlung. Uferstraße/Am Amtsteich 15, Di-So 10-19 Uhr. Bis 17. April.

Nachbarn sind sich nicht immer grün, vor allem dann, wenn sie auf konkurrierende Talente setzen. Die Cottbusser Sammlung zeigte ihre Stärke beim Dresdner Expressionismus, zu Zeiten der DDR verlegte sie sich auf Plakatkunst und vor allem Fotografie: Namen wie Sibylle Bergemann, Roger Melis und Ute Mahler ragen heraus. In der Summe verfügen Frankfurt und Cottbus über beachtliche Stärken, die je eine ausgeprägte Handschrift vorweisen. Alles in bester, fruchtbarster Ordnung also. Wenn nicht die Häuser zum 1. Juni fusionieren müssten.

Auch diese Fusion, der Zusammenschluss unter einem Stiftungsdach, ist – nach offizieller Sprachregelung – kein Problem. Niemand begehrt auf, doch leise Bedenken werden vorgetragen, gerade in Frankfurt, wo sie fürchten, untergebuttert zu werden. Diese Sorge rührt auch daher, dass in Cottbus das größere, spektakulärere Haus steht, eben das umgebaute Dieselkraftwerk – unterteilt in parzellenartige Räume, die einen grundlegend anderen Reiz bieten als die luftige, zuweilen zugige Weite der Frankfurter Rathaushalle.

Es gibt mehr Geld, dennoch sei es eine „Vernunftehe“

Es gibt noch kein Konzept für die Fusion, Ulrike Kremeier, Direktorin des Cottbusser Dieselkraftwerks, arbeitet daran. Im März soll es vorliegen. Die Direktorin Kremeier gibt den Ton vor, das beunruhigt den Frankfurter Kulturausschuss. Frankfurt sieht sich bei der Ausarbeitung des Planes nicht auf Augenhöhe. Kremeier, die vor fünf Jahren in Cottbus begann und vorher in Brest gearbeitet hat, in einer der größten Kunsthallen Frankreichs, sagt: „In beiden Museen wird es weiterhin unterschiedliche Ausstellungen geben, die Fusion ist kein Sparmodell. Im Gegenteil, es gibt eine finanzielle Aufstockung.“ Trotzdem gehe um eine „Vernunftehe“. Denn die Vorgabe des Kulturministeriums lautet, mit dem neuen Brandenburgischen Landesmuseum an den Standorten Frankfurt und Cottbus organisatorisch und finanziell effizienter zu arbeiten.

Im Frankfurter Museum Junge Kunst wurde 2014 nach dem Abgang von Brigitte Rieger-Jähner die Stelle der Direktorin nicht neu besetzt, nun arbeitet zudem alleine Cottbus am Konzept der Fusion. Für Frankfurt zwei negative Nachrichten. Der städtische Kulturdezernent Markus Derling (CDU) sagt zwar: „Zwei gleichberechtigte Partner können durch die Fusion ihre Stärken auch wirklich stärken und ihre Chancen beidseitig nutzen.“ Doch bislang ist nicht einmal klar, wer dem fusionierten Landesmuseum vorsteht. Absehbar läuft es auf Ulrike Kremeier hinaus. Ihre Einschätzungen sind machtbewusst: „Frankfurt fehlt ein repräsentatives Museumsgebäude, Rathaushalle und Packhof sind prekäre Orte für Ausstellungen. Wir brauchen museale Bedingungen in Frankfurt.“ Wenn sie Direktorin werde, würde sie dem Dezernenten Derling mit dieser Forderung „auf die Nerven gehen.“

Womöglich braucht das bescheidene Frankfurt diesen forschen Ton von Kremeier, um seine hervorragende Arbeit mit mehr Verve zu präsentieren. Das Bild „Ewig unterwegs“ von Eckhard Böttger jedenfalls, das nun in Frankfurts Rathaushalle hängt, zählt zur Cottbusser Sammlung. Es erzählt von Höhenluft. Und von großen Sprüngen. Auch von offensiver Farbigkeit. Das Gemälde liest sich wie eine Visitenkarte der forschen Cottbusserin Kremeier, die in Frankfurt vielleicht bald maßgeblich entscheiden wird.

Von Lars Grote

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