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Das Geheimnis der Spökenkiekerin

Peter J. Fabichs Buch „Krullhaar oder Clauerts Testament“ Das Geheimnis der Spökenkiekerin

Eigentlich sollte nach dem fünften Buch über Hans Clauert, den märkischen Eulenspiegel aus Trebbin, im vergangenen Jahr Schluss sein. Doch dieser Schelm hat den Berliner Autor Peter J. Fabich angeregt, noch einen amüsanten Band zu schreiben. In „Krullhaar oder Clauerts Testament“ geht’s um dessen Stiefsohn und das Geheimnis der Spökenkiekerin Wiebke Brandt.

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Figur des märkischen Eulenspiegels Hans Clauert auf dem Marktplatz von Trebbin.

Quelle: Margit Hahn

Potsdam. Man braucht wirklich nicht alles zu glauben, was da geschrieben steht. Aber es ist wunderbar ersonnen. Der um 1506 in Trebbin (Teltow-Fläming) geborene und während der Pest anno 1566 dort gestorbene Hans Clauert - dies wiederum ist historisch verbürgt – hat den Berliner Autor und Maler Peter J. Fabich, der schon als Schulkind von diesem Schelm gehört hatte, nun doch noch mal zu einem Buch animiert. Dabei wollte er es im vergangenen Jahr mit seinem fünften Band über den märkischen Eulenspiegel belassen.

Wenn da dessen Vermächtnis nicht gewesen wäre. Nun ja – natürlich auch ein fiktives. Was macht’s! Fabich, der mit seinem Freund Jürgen Bieberstein 1993 in Glau, unweit Trebbins, das Künstlerhaus „Rollwenzelei“ gegründet hatte, drängte es nun jedenfalls, „Krullhaar oder Clauerts Testament“ zu verfassen. Sein letzter Wille und der seiner Frau Margret waren ihm heilig sozusagen.

In der Lektüre zumindest hat Clauert, von Beruf Vogelsteller und Büchsenmacher, sein Testament in seinem 60. Lebensjahr den Hauptmann Eustachius von Schlieben auf dessen Zossener Schloss niederschreiben und siegeln lassen, wie wir erfahren. Und darin Stiefsohn Gumprecht Krullhaar, den er nie kennengelernt hatte, Haus und Hof in Trebbin vermacht. Obendrein ein hübsches Sümmchen Goldstücke, exakt 851 Joachimsthaler, die er da gleich für ihn hinterlegte. Ob das einst wirklich so gewesen ist?

Überhaupt: dieser Gumprecht Krullhaar! Leiblicher Sohn von Margret. Gezeugt von ihrem ersten Gatten Johann Brederich, dem ein Hengst dermaßen mit den Hufen an den Kopf geschlagen hatte, dass er mit gespaltenem Schädel „nich mehr uffstand“. 1531 hatte Krullhaar in Reesdorf das Licht der Welt erblickt und war dann bald verschollen. Spökenkiekerin Wiebke Brandt wusste von diesem Kind. Sie war mit Clauerts einstigem Weggenossen Fabian Tauerbier und dem blinden Korbflechter Tobias Lerch – für Fans dieser Buch-Reihe längst alte Bekannte – vor der „6. ägyptischen Plage“, wie die Pest auch genannt wurde, aus Trebbin nach Berlin geflüchtet. Sie hatte geschworen, ihr Geheimnis, auch das der ersten Ehe Margrets, nicht zu verraten. Jahrzehntelang schleppte sie es mit sich herum. „So stumm wie der Riesenstein bei Grubo“, einem Naturdenkmal im Fläming.

Gumprecht Krullhaar war als Baby von einer Frau gerettet worden, als im Oktober 1532 Reesdorf von einer wilden Horde Sachsen und Thüringer überfallen wurde. Er wuchs im Kloster Marienwerder bei Hannover auf, studierte an der Wittenberger Universität Leucorea, heiratete eine Gewürzhändlerin und wurde ein „famoser Kaufmann“, der es zu was brachte.

Als Krullhaar auf seiner Tour nach Berlin und Beelitz, wo er nicht bloß Gewürze, sondern zudem geheime Stärkungsdrogen verkaufte, auch nach Zossen ritt, sah er dort von Schlieben auf dem Totenbett liegen. Dieser konnte gerade noch auf die Pergamentrolle mit dem Testament und den prallen Geldbeutel – Krullhaars Erbe – zeigen. Dann entschlief er mit einem tiefen Seufzer. All die Jahre hatte er das aufbewahrt.

Krullhaar inspizierte das inzwischen heruntergekommene Clauertsche Gehöft. Er wurde dort Zeuge einer Bluttat. Schließlich verunglückte er beim „Eisbeinlaufen“, wie das seinerzeit hieß, auf der gefrorenen Elbe in Wittenberg. Also auf Schlittschuhkufen.

Die von Fabich erdachte Handlung spielt 1568, also zwei Jahre nach Clauerts Tod. Es war die Zeit der Renaissance. Die Kultur blühte auf. Das einfache Volk hatte aber auch ein Dasein voller Entbehrungen. Im Namen der Religion gab’s so manche Gräuel. Fabich verwebt die Geschehnisse in märkischen Gefilden bestens, es gibt Rückblenden. Er erzählt mit großer Leichtigkeit. Mal ist seine Sprache grob, dann wieder witzig. Und zuweilen poetisch. So schreibt er von „wunderlichen weißen Baumgespinsten“, die eine winterliche Landstraße säumen. „Keine Klöpplerin hätte es verstanden, sie schöner zu fertigen.“ Er verwendet alte Wörter wie „frug“ oder Schöpfungen wie „berlicke-berlocke“. Und flämingsche Mundart, so „Wäer do? Oder „Kukulor’n“ für Kienäpfel. Es ist vergnüglich, sein Buch zu lesen. Auch wer die Bände davor nicht kennt, steigt mühelos in die Geschichte ein.

Info: Peter J. Fabich: Krullhaar oder Clauerts Testament. Eine märkische Legende. Rollwenzel, 130 Seiten, 22 Euro.

Von Angelika Stürmer

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