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Kultur Wie Brandenburgs öffentliche Gebäude aufgewertet werden
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18:13 10.01.2019
2,30 Meter misst dieses Rotkäppchen auf dem Campus der Potsdamer Universität in Griebnitzsee. Es ist nur eines von dreien. Quelle: Maro Niemann
Potsdam

Es ist kein drolliger Gartenzwerg, es ist Rotkäppchen, die hier den Zeigefinger erhebt. Tausende Studenten auf dem Griebnitzsee-Campus der Universität Potsdam passieren täglich eine der überlebensgroßen Mädchenfiguren. Doch warum wurde die in Porzellan-Optik bemalte Bronze gleich dreimal aufgestellt? Und warum gibt es keinen bösen Wolf?

Kunst darf irritieren. Das internationale Künstlerteam „Inges Idee“ hat sich 2011 bei seinem „Kunst am Bau“-Projekt „Rotkäppchen“ etwas gedacht. Es möchte auf unterhaltsame, ironische und dekorative Weise der Geschichtsvergessenheit vorbeugen. Denn in dem Gebäudekomplex aus den 1930er Jahren, wo heute Jura und Sozialwissenschaften gelehrt werden, residierte früher das Deutsche Rote Kreuz, das in den Nazi-Jahren humane Grundsätze elementar verletzt hat.

„Höhere Instanzen“ heißt diese Installation von 100 Kranich-Sihouetten aus Edelstahlblech von Roland Fuhrmann aus Berlin im Justizzentlrum Potsdam. Quelle: Niemann

„Kunst am Bau“ muss keine Denkanstöße geben und auch keinen Sinn stiften. „Kunst am Bau“ soll einen Ort unverwechselbar machen. Der Begriff gilt ohne Abstriche auch für kunsthandwerklich gestaltete Treppengeländer, farbige Glasfenster oder abstrakte Skulpturen in einem Foyer. Schon seit den 1920er Jahren gibt es in Deutschland die Tradition, dass der Staat mit gutem Beispiel vorangeht. Als Bauherr hat er sich verpflichtet, 0,5 bis ein Prozent der Baukosten für Kunstwerke auszugeben, die mit der Architektur untrennbar verbunden sind. Das erleichtert den Künstlern das soziale Auskommen, im Gegenzug kann sich die Baukultur mit einem Sahnehäubchen schmücken. Kunst trifft hier endlich auch einmal auf Menschen, die in ihrem Leben nie ins Museum gehen.

Ein nicht offener Wettbewerb

Vor elf Tagen trat in Brandenburg eine neue Richtlinie in Kraft. Mit ihr verbindet Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (Die Linke) die Hoffnung, dass die hier lebenden Kreativen öfter zum Zuge kommen. „Kunst am Bau“-Projekte werden bei Neu-, Um- und Erweiterungsbauten auch weiterhin vom Land ausgeschrieben. Doch das Regelverfahren sei „ein nicht offener, beschränkter Wettbewerb“, der es erlaubt, Künstler gezielt aufzufordern, Ideen zu entwickeln. Trochowski kann sich auch vorstellen, dass „Künstler aus dem benachbarten Polen“ infrage kommen. Für die eingereichten Entwürfe bekommen die Bewerber dann immerhin ein kleines Honorar. Am Ende ist es aber eine Jury aus Kunstwissenschaftlern und Nutzern der Immobilie, die darüber entscheiden, welche Arbeit verwirklicht wird.

Brandenburg baut auch für den Bund

Derzeit laufen „Kunst am Bau“-Wettbewerbe für weitere Uni-Gebäude in Potsdam, und Cottbus. Geplant sind Ausschreibungen für die Amtsgerichte in Königs Wusterhausen und Eberswalde sowie für den Neubau der Potsdamer Synagoge. Weil das Land auch für den Bund baut, erklärt Trochowski, würden zudem für den Umbau des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam und den Neubau der Regionalzentrale des Deutschen Wetterdienstes in Michendorf Kunst-Wettbewerbe vorbereitet. Die Linken-Politikerin kann der Kunst gerade dann etwas abgewinnen, wenn sie zum Diskutieren anregt. „Das ist ein großer Gewinn in unserer Zeit, die mit Urteilen immer schnell dabei ist“, sagte sie gestern in Potsdam bei einer Pressekonferenz.

Transparentes Verfahren

Petra Schmidt Dreyblatt freut sich über die transparenten Bedingungen und spricht von „einer neuen Qualität der Zusammenarbeit“. Die Geschäftsführerin des Brandenburgischen Verbandes bildender Künstler hofft ebenfalls, dass durch die Kunst am Bau „der kontroverse Diskurs um zeitgenössische Kunst verstärkt wird“. In der Staatskanzlei merkte sie gestern aber auch kritisch an, dass bisher die Landkreise und Kommunen keine vergleichbare Selbstverpflichtung eingegangen sind.

Kunst am Bau: Der Münchner Künstler Christian Wichmann komponierte 2010 für das Treppenhaus der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) 65 farbige Glasscheiben und nannte sein Werk „Balance“. Quelle: Maro Niemann

Norbert John ist im Land für die praktische Umsetzungen und die Einhaltung der Kosten zuständig. Der Praktiker hat sich die Intention der Künstler zu eigen gemacht. Mit Feingefühl erläutert er etwa die Gestaltung der Glasfenster im Treppenhaus der Staatsanwalt Frankfurt (Oder). „Die Farbstreifen halten sich in der Waage, die kräftigen Farben sind dünner“, erläutert der Geschäftsführer die Komposition mit dem Titel „Balance“.

Von Karim Saab

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