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11:17 27.02.2018
Sonnenaufgang über dem Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten. Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth
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Potsdam

Was kriegt das Kind für einen Namen, es ist ja jetzt schon 28 Jahre alt ... Keinen aus der Welt der Pferdehöfe, Comics oder Star-Wars-Filme. Das steht dem Kind nicht mehr. So ein süßer Modename passt in eine Wiege, wo der Name und das Baby langsam zueinanderfinden und zusammenwachsen. Wir aber sprechen hier von einer späten Taufe.

Es geht um Brandenburg, geboren 1990, die Regierung möchte einen Slogan, der diesem Land ein wenig Rouge auf seine Wangen legt. Er braucht Anmut, er soll klingen wie „Guten Morgen, du Schöne“, doch dieses Kompliment gehört schon Maxie Wander, die es auf eines ihrer Bücher schrieb. Brandenburg braucht einen Namen, der es ins rechte Licht rückt, denn mit Licht kennt sich die Mark ja aus – der Sonnenuntergang im Land kann herrlich sein.

Es darf knistern

Es soll ein Name/Motto/Titel sein, der bei den Leuten Freude weckt: Hey Brandenburg, wie konnte ich dich bisher übersehen, gibst du mir deine Nummer? Ja, es darf knistern. Es soll nach Blumenwiese riechen, auch ein wenig nach Chanel.

Der neue Slogan ist gefunden. „Brandenburg. Es kann so einfach sein.“ Entwickelt hat ihn die Werbeagentur Scholz & Friends, er wurde aus allen Brandenburg-Attributen destilliert, die auf einen kreativen Bürotisch passen. Hört man den Wolf in diesem Slogan heulen, die Havel plätschern, den Raps wachsen?

So spottet das Netz über die neue Landes-Werbekampagne

Zunächst klingt dieser Spruch nach Therapie. Komm runter, mach halblang, hol erstmal die Angel raus. Brandenburg zielt damit auf seine Mitbewerber – oder sagen wir: Klassenkameraden. In Deutschland gibt es 16 Bundesländer, Brandenburg ist eines der schönsten, doch diese Attraktivität gilt oft nur als Gerücht, als ein nicht greifbares Versprechen. Vielleicht, weil Brandenburg nicht in der Raucherecke steht, wo die Kerle posieren, die wie Ganoven wirken und das als Form von Erotik verstehen. Die Raucher, die Ganoven, das sind die lauten Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg, wo sie Neurosen unter Tattoos tarnen und noch ein Bier trinken, wenn sie nichts zu sagen haben.

„Es kann so einfach sein“ ist nur die halbe Wahrheit

Brandenburg kann schweigen. Es hat die Souveränität, mitunter auch dem Wind das Wort zu überlassen. Doch wenn Brandenburg zu sprechen anfängt, ist es in der Lage, auf Französisch zu philosophieren. Voltaire war gerne zu Besuch bei Friedrich dem Großen. Dieser Geist steckt dem Land im Erbgut. „Es kann so einfach sein“ ist also nur die halbe Wahrheit. Was hier geschieht, darf gerne auch mit Spiegelstrichen, Nebensätzen und dialektischen Wendungen garniert werden.

Schlägt sich der Satz „Es kann so einfach sein“ am Ende unter Wert? Der Westen tritt anders auf, gerade in Baden-Württemberg, wo sie uns erzählen: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Und dann scheitern sie daran, in Stuttgart einen Bahnhof transparent zu konzipieren und zu bauen. Kraftmeierei kann auf die Füße fallen. Weil sie in Brandenburg ein ähnliches Problem mit dem Flughafen haben, geht das Motto „Es kann so einfach sein“ fast schon als Feinsinn durch. Getränkt mit Ironie.

Die Städter führen ein Leben, das vom Unfrieden befeuert wird

Wie wäre das bei einer Partnerbörse, wenn man 28 ist und sich dort interessant macht? Erst mal definieren, wem man gefallen will. Wer anspringt auf die eigenen Reize. Brandenburg, auch wenn das einige nicht gerne hören, ist der ideale Partner für Berlin und alle großen Städte, wo es keinen Reiher und Schilf am Ufer gibt. In Berlin-Mitte, wo Meinungen, Entscheidungen und Burn-outs gedeihen, sind die Leute ganz versessen auf das Einfache. Die Läden heißen dort „Vom Einfachen das Gute“ (ein Wurst- und Käsegeschäft) und „Zeit für Brot“. Die Städter führen ein Leben, das vom Unfrieden befeuert wird. Auto gegen Fahrrad, Linke gegen Rechte, Frühaufsteher gegen Nachteulen. Es ist ein Abnutzungskampf. Wer diesen Leuten das Brandenburger Mantra ins Ohr raunt, „Es kann so einfach sein“, der erntet Freudentränen. Wer ihnen dazu eine frisch gefangene Forelle aus dem Fluss von nebenan serviert, der wird vom Fleck weg geheiratet.

In diesem Sinne dürfen Brandenburger sicher sein, dass sie mit ihrer neuen Visitenkarte nicht ungeküsst bleiben.

Von Lars Grote

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