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Kultur Nachhilfeunterricht zur Geschichte der Ukraine
Nachrichten Kultur Nachhilfeunterricht zur Geschichte der Ukraine
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00:30 31.05.2015
Demonstrant auf dem Maidan-Platz in Kiew. Quelle: EPA
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Potsdam

Produkt der imperialen Machtpolitik Russlands oder verspäteter Bestandteil einer samtenen Revolution, wie sie sich in ganz Osteuropa ereignete und den Zusammenbruch der Sowjetunion einleitete? Die Kontroversen um die richtige Deutung der Geschichte der Ukraine wird seit mehr als einem Jahr mit Waffengewalt ausgetragen. Die anfängliche Euphorie der Kiewer Maidan-Bewegung vom Winter 2014 ist längst in Verzweiflung an Europa umgeschlagen. An einem Europa, in dem sich die Stimmen mehren, die Verständnis für Wladimir Putins Aggression gegen den kleinen Nachbarn äußern, der in den vergangenen Jahrhunderten vergeblich um seine nationale Existenz kämpfte.

Die kleine Geschichte der Ukraine, die Christiane Schubert und der Ex-DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin gerade vorgelegt haben, kommt zur rechten Zeit. „Dreizack und Roter Stern“ lautete der Titel des leicht verdaulich geschriebenen Bändchens, das durchaus geeignet ist, den Stammtischpolitikern jeglicher Couleur etwas Nachhilfeunterricht zu erteilen. Schubert und Templin zeichnen in knappen Strichen die Geschichte der Ukraine von den ersten ostslawischen Stämmen der „Rus“ bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion nach. Sie zeigen, dass diese Region, fast immer von benachbarten Mächten beherrscht war, um sich dann auf die jüngste Geschichte des Landes seit 1990 zu konzentrieren.

Meist war die Ukraine geteilt. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte der westliche Teil mal zu Habsburg mal zu Polen, der Osten zu Russland. Putins „Neurussland“, das er nach der Annexion der Krim ausrief, beruft sich auf Katharina II., die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Siedler und Kolonisten auf die Halbinsel und die angrenzende Region holte und ihr diesen Namen gab. Die nationalen Befreiungsbewegungen kämpften meist in unterschiedlichen Machtbereichen für die Geburt eines eigenen Staates. So etwa die Kulturvereinigung „Hromada“, die sich vor dem Ersten Weltkrieg für eine demokratische slawische Föderation als Vorstufe einer europäischen Völkergemeinschaft einsetzte. Auf diese Tradition wiederum kann sich die Euromaidan-Bewegung berufen.

In den Weltkriegen gerieten die Nationalbewegungen zwischen die Fronten, im zweiten Weltkrieg wurden sie mal von Deutschland mal von der Sowjetunion instrumentalisiert oder gegeneinander ausgespielt. Die Geschichte des nationalen Widerstands der Ukraine ist insofern politisch durchaus ambivalent. Und sie eignet sich damit hervorragend für die Ausbeutung durch eine interessengeleitete Geschichtspolitik, sei es seitens Russlands, sei es seitens ukrainischen Politiker nach der orangenen Revolution von 2004. So werden beim konservativen Revolutionshelden Viktor Juschtschenko die Widerstandskämpfer gegen Stalin zu Helden, beim Kleptokraten Viktor Janukowitsch zu Faschisten.

Das Verdienst des Buches ist es, etwas Übersicht in dieses komplexe Konglomerat geschichtspolitischer Interessen zu bringen. Ein Manko: Schubert und Templin verzichten zu Gunsten der Lesbarkeit auf historische Quellenbelege. So muss der Leser den Autoren so manch steile These einfach glauben. Das fällt denjenigen leichter, die wie die Autoren politisch klar auf Seiten der Euromaidan-Bewegung stehen, erschwert aber die stichhaltige Argumentation gegenüber sogenannten Russlandverstehern.

Info: Christiane Schubert und Wolfgang Templin: Dreizack und Roter Stern. Geschichtspolitik und historisches Gedächtnis in der Ukraine. Metropol, 224 Seiten, 19,90 Euro.

Von Mathias Richter

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