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Neun Deutschlandpremieren

Potsdamer Tanztage Neun Deutschlandpremieren

Zum 25. Mal finden in diesem Jahr die Potsdamer Tanztage statt. Von den zwölf Gastspielen, die bis zum 7. Juni im Festival-Kalender stehen, sind neun das erste Mal in Deutschland zu sehen. Die Künstler kommen aus Israel und Kanada, aus Brasilien und Schweden, aus Belgien und Polen. Ein Vorbericht.

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Mit der Faszination für Kraft und Erotik: Daniel Lévellé Danses „Solitudes Duo“ aus Kanada.

Quelle: Fotos: PR/DPA

Potsdam. Auch tagsüber, nicht nur am Abend macht in diesen Tagen in Potsdam das Kultur-Areal am Tiefen See der Sprachregelung „Erlebnisquartier“ alle Ehre. Ständig treffen Eleven mit Rucksäcken ein, die sich für einen der zahlreichen Workshops angemeldet haben, die im Umfeld der 25. Tanztage angeboten werden. Die Anfänger und auch Fortgeschrittenen kommen aus allen Teilen der Republik, aber auch aus Nachbarländern wie Frankreich, Belgien oder Polen, denn das Potsdamer Festival genießt den Ruf, lauschig und intensiv zu sein. Die Jugendlichen dürfen erstmals neben der Fabrik ihre mitgebrachten Zelte aufschlagen.

„Als wir dafür eine Genehmigung bekommen wollten, rannten wir im Potsdamer Rathaus zunächst keine offene Türen ein“, erzählt Laurent Dubost, der seit 2001 bei den Veranstaltern von der Tanzfabrik mitwirkt. „Doch dann konnten wir nachweisen, dass mitten in Paris neben dem Opernhaus ebenfalls Tanz-Camps stattfinden“, so der gebürtige Franzose. Für die nächsten zwei Wochen wird neben dem Gebäude am Havelufer zudem eine offene, überdachte Tanzfläche aufgebaut, die das Festival im Gelände sichtbarer macht. Für die Eröffnungsveranstaltung bewegt sich die Karawane aber in den Nikolaisaal ins Herz der Stadt. Das eigene Theater in der Fabrik fasst nur 200 Plätze und es wäre schade, wenn die beiden Gastspiele einer israelischen Compagnie am Mittwoch und am Donnerstag nicht von mehr Zuschauern gesehen werden können. Die Choreografin Sharon Eyal und der Techno-DJ Gai Behar stehen für ein Ballett auf der Höhe der Ravekultur. Mitreißende Beats setzen bei den sechs Tänzern extreme körperliche Bewegungen frei.

Festivalleiter Sven Till

Sven Till (51) hat in Potsdam vor 25 Jahren die Tanztage mit ins Leben gerufen. Die Fabrik als Zentrum für zeitgenössischen Tanz befand sich damals noch in der Gründungsphase und hatte ihr Domizil im Potsdamer Holländerviertel. 2005 bezog die Fabrik dann in das renovierte Haus auf dem Kulturstandort Schiffbauergasse.


Der Idealismus der Gründergeneration wurde nicht belohnt. „Nach 25 Jahren spiegelt sich die Nachhaltigkeit unserer Arbeit nicht in den Förderstrukturen nieder“, klagt Sven Till.

Während es in Westdeutschland vergleichbaren Initiativen der freien Szene in den 1980er Jahren gelang, in den Genuss institutioneller Förderung zu kommen, muss die Potsdamer Fabrik Jahr für Jahr erneut Projektanträge stellen. „Die Qualität unserer Arbeit wird anerkannt, aber wir können unseren zehn Mitarbeitern nur Löhne 30 bis 40 Prozent unter Tarif zahlen.“

Das Verhältnis der Menschen zu ihren Körpern ist stets starken Veränderungen unterworfen. Die Bewegungen spiegeln das soziale und kulturelle Miteinander. In früheren Jahrhunderten bedeutete Bühnentanz vor allem Ballett. Mehrere Generationen und Jugendkulturen haben aber inzwischen ganz neue Ausdrucksformen entwickelt. Und so ist es jedes Jahr aufs Neue wieder spannend, wie der Zeitgeist auf die einzelnen zeitgenössischen Produktionen einwirkt.

Vom 27. Mai bis zum 7. Juni werden in Potsdam zwölf Stücke gezeigt. Darunter sind neun Deutschland-Premieren, viele mit einem innovativen Konzept. Der Belgier Benjamin Verdonck lässt am 28. und 29. Mai die Objekte einer menschenlosen Wanderbühne poetische Bewegungen vollführen. Bluemouth aus Kanada lädt am 29. und 30. Mai zu einem freudvollen „Dance Marathon“ ein, bei dem die Besucher eingebunden, aber nicht vorgeführt werden. Der kanadische Choreograf Daniel Léveillé Danse konzentriert sich am 3. Juni auf das Faszinosum kraftvoller, schöner, nackter Körper. Und der Belgier Jan Martens arrangiert die Verausgabung fanatischer Sportler zu einer hypnotisierenden Gruppenshow (5. und 6. Juni). An die Freitags- und Samstags-Vorstellungen schließen sich Konzerte mit interessanten Livebands an. Wer im Besitz einer Eintrittskarte ist, muss dafür nicht noch einmal Eintritt zahlen. Das Publikum, das zu zwei Dritteln aus Potsdam und Umgebung kommt, wird sicherlich die Gelegenheit nutzen und selbst das Tanzbein schwingen. Schließlich gibt es den 25. Geburtstag der Potsdamer Tanztage zu feiern! Anders als beim benachbarten Waschhaus ist es den Organisatoren gelungen, stets eine ausgeglichene Bilanz vorzulegen.

Das Programm der Potsdamer Tanztage unter www.fabrikpotsdam.de

Von Karim Saab

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