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„Niente“ – das dritte Wanda-Album ist da

Neue CD der Kultband aus Wien „Niente“ – das dritte Wanda-Album ist da

„Das neue Album ist unser bislang bestes. Vermutlich ist es das Beste, das wir je machen werden“, sagt Sänder Marco Wanda. „Niente“ ist eine Platte zwischen Rock’n’Roll und einem Hauch Italo-Pop, betörend stimmig arrangiert.

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„Ich wusste mit zwölf, dass ich ein Star werde“, sagt Sänger Marco Wanda, der eigentlich Michael Marco Fitzthum heißt.

Quelle: Foto: dpa

Berlin. Marco Wanda trägt die braune Lederjacke, die er immer trägt, er sitzt im Hochhaus der Berliner Plattenfirma, vor ihm Saft und Kekse. „Ich habe das nicht hingestellt“, sagt er, es klingt entschuldigend, denn Saft und Kekse, das wirkt weit weg von der Musik, für die er steht. Es ist, als würde dich Mozart bei einer Dose Cola light empfangen.

Wanda, der so heißt wie seine Band, ist ein höflicher Mensch. Wenn er derbe wird, verschanzt er sich im Dialekt, der so österreichisch klingt, dass er im Norden Deutschland als geheimer Code durchgeht. „Ich wusste mit zwölf, dass ich ein Star werde“, sagt er, „es gab ja keine andere Möglichkeit. Ich war so anders als die anderen, mit gingen Lieder durch den Kopf, die waren besser als das Zeug im Radio.“ Ob er sich jetzt wohlfühle als Rockstar, zwei Platinplatten in Österreich, huldvolles Publikum, kultische Verehrung, 2015 von den Lesern des deutschen „Rolling Stone“ zur Band des Jahres gewählt? „Ja mei“, sagt er. Und sagt dann erstmal gar nichts. „Im Grunde bin ich eher ein Volksdichter.“

Er liest Rimbaud, findet Hemingway als Typen großartig („Wenn mir nichts mehr einfällt, werde ich mich auch erschießen“), er sagt, die besten Texte im Pop haben die Beatles geschrieben. Und singt „Strawberry Fields Forever“. „Nothing Is Real And Nothing To Get Hung About“, diese Zeile liebt er: „Nichts ist wahrhaftig und es gibt nichts, wofür man dich aufhängen würde“, übersetzt er. Behagliches Lachen.

Das Wanda-Album „Niente“ ist gerade erschienen, das dritte in knapp vier Jahren. „Die Leute sagen, drückt nicht so aufs Tempo, das geht nicht, das ist ungesund“, er hält kurz inne. „Aber die Beatles haben zwei Alben pro Jahr gemacht. Trotzdem sind sie gesund geblieben.“ Er könne, und nun fällt er wirklich in ein tiefes Österreichisch, jeden Monat ein neues Album rausbringen. So viele Ideen? „Meine Seele ist ein Rübenacker, überall wächst etwas.“

Die Hitparade interessiert ihn nicht, „nur aus einem autistischen Interesse heraus, weil es so leicht ist, mit Zahlen umzugehen.“ Klar will er Erfolg, dafür ist er angetreten. Aber Geld? „Ach, Geld“, er winkt ab. „Ich will die Miete zahlen, das genügt.“ Oder raus aus Wien? Er wird laut, „nein!“ ruft er. „Ich würde keinem empfehlen, rauszugehen. Wenn du aus der Provinz kommst, musst du eben in der Provinz groß werden.“ Er diktiert jetzt eine Weisheit: „Du darfst dich einer Scheißhauptstadt nicht vor die Füße werfen.“ Er redet von Berlin.

Er will nicht cool sein, „ich habe keine Zeit für sowas, ich will arbeiten.“ Cool sein, das sei eine verzweifelte Geste. Die Band arbeite professionell im Studio, kein Firlefanz, „wir tun das, was die Lieder von uns wollen.“ Auf der Bühne sei es dann Ekstase. „Wir nehmen uns für die Show nichts vor, wir werden vom Leben auf die Bretter gespült und wieder herunter“. Die Leute im Saal sollen eineinhalb Stunden zusammenstehen und genießen, sich nicht spalten lassen. „Wir schließen keinen aus, alle sollen kommen“, auch hier versteht er sich als „Anti-Politiker“.

In Wien gibt es eine zweite Band, die heiß gehandelt wird, sie heißt Bilderbuch und ist ein bisschen alberner als Wanda, etwas bemühter um das Image „Avantgarde“. „Das ist keine Konkurrenz, wir sind dreimal so erfolgreich wie die, wir verkaufen mehr Alben, es kommen mehr Leute zu unseren Konzerten.“ Ein bisschen Schmäh zeigt Marco Wanda jetzt, pumpt sich etwas auf. Doch dann der schnelle Dreh zur Demut: „Wir sind anders als die anderen Bands, wir sind im Moment mit nichts vergleichbar – wir zeigen Gefühle und haben Texte, in denen sich die Leute wirklich wiederfinden. Schön, dass so eine Musik Erfolg hat.“ Um den Erfolg freilich bemüht er sich nur beiläufig. Entscheiden, welcher Song die nächste Single wird? „Macht das Management, sowas ist uns egal.“

Lieber betont er: „Das neue Album ist unser bislang bestes. Vermutlich ist es das Beste, das wir je machen werden.“ Solche Sätze klingen bei ihm selbstverständlich, man käme nicht auf die Idee zu fragen: Warum? Denn es stimmt ja, „Niente“ ist eine Platte zwischen Rock’n’Roll und einem Hauch Italo-Pop, betörend stimmig arrangiert.

Er steht auf, gibt freundlich die Hand: „Entschuldigung, ich möchte gerne draußen eine rauchen.“ Marco Wanda lächelt, er lässt die Kekse liegen.

Von Lars Grote

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