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00:30 14.11.2015
Respekt einflößende Figuren: Armagh Rhymers. Quelle: IFF
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Berlin

Einen besonderen Fokus setzen die Veranstalter des Irish Folk Festivals in diesem Jahr. Waren sonst Künstler aus allen Ecken und Enden dabei, konzentrieren sich Petr Pandula und seine rührige Mannschaft aus Reutlingen diesmal auf den Nordostzipfel der Insel – Nordirland.

Die Grafschaften der historischen irischen Provinz Ulster rücken meist in die Schlagzeilen, wenn es um politische Ränke der Region geht. Der Nordirlandkonflikt, die so genannten Troubles, hatten binnen 30 Jahren rund 3600 Menschen das Leben gekostet. Als Ministerpräsident Robinson im September „beiseite getreten“ war, sahen Beobachter Nordirland in der Krise. Dabei hatte sich die Lage seit dem Karfreitagsabkommen 1998 nach und nach entspannt.

Diese Aufbruchstimmung fand auch ihre künstlerischen Entsprechung – was das Festival nun unter dem Motto „Northern Lights“ unter Beweis stellt. Beispielsweise mit einer Band wie den Rapparees. Diese fünf Nordlichter stammen aus der Hauptstadt Belfast. Bereit und in der Lage, die Tradition mit instrumentaler Finesse hochzuhalten und dennoch, wie weiland die Pogues, frech und punkig frischen Wind in die Szene zu blasen. Die lässigen Lads haben den Groove, mit außergewöhnlicher Kraft gestalten die Rapparees ihre Balladen und sie halten die Augen offen, beziehen Gypsy-Swing und jazzige Passagen mit ein. Doch geht es um Trinkerfreude, dann heißt es bei ihnen: Jungs bringt die Flasche raus, ich trink sie trocken.

Trocken bleibt sicher auch kein Auge, wenn Gráinne Holland anhebt zu singen. Konsequent und ausschließlich singt die Schöne aus Belfast auf Gälisch. Ihre strikte Hinwendung zum Keltischen geht indes über den Aspekt der Sprachpflege weit hinaus. Sie ist pure Anmut, tiefes Empfinden, das ganz tief in ihren Song wurzelt. Einzigartig.

Beseelte Geschichten vermag auch Barry Kerr, der aus der Grafschaft Armagh stammt, vorzutragen. Selbst die Rapparees coverten Stücke des Multi-Instrumentalisten, der neben der Gitarre auch Dudelsack und Flöten beherrscht. Einen neuen Meister gilt es zu entdecken, den manche in der Nähe seine „keltischen Cousins“ Dick Gaughan aus Schottland verorten. Nicht zu Unrecht.

Den Abend runden schließlich die Armagh Rhymers ab. Vermummte, übermenschlich große, etwas gruselige Gestalten, die eine Art Volkstheater aufführen. Die Darsteller gehen um in kunstvollen Weidenmasken. Mit Schellen, Rasseln und dergleichen. Musik und Tanz, die zwei Jahrtausende zurückwandern und sich mystischem und spirituellem Erleben ganz weit öffnen.

Termine: 12. 11.: Berlin, Passionskirche, 20 Uhr; 15. 11.: Schwedt, Uckermärkische Bühnen, 18 Uhr.

Von Ralf Thürsam

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