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Kultur Nackte Körper, privat und provokativ
Nachrichten Kultur Nackte Körper, privat und provokativ
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17:07 30.11.2018
Klassiker aus dem fotografischen Werk von Helmut Newton. Quelle: Detlev Scheerbarth
Berlin

„Nudes“ – Akte, ein kurzer Titel für die aktuelle Ausstellung der Helmut Newton-Stiftung in Berlin. Aber sind dort, in dem ehemaligen Offizierskasino hinterm Bahnhof Zoo, nicht immer Fotos von mehr oder weniger bekleideten Menschen, vornehmlich weiblichen, zu sehen? Nach Aussage von Kurator Matthias Harder ist dies die erste reine Ausstellung von Aktfotos in der 14-jährigen Geschichte des Museums. Sie wird mit den Arbeiten dreier Künstler bestritten, Saul Leiter, David Lynch und Helmut Newton selbst

Drei der großen Räume im ersten Stock bespielt die Stiftung aus eigenen Beständen. Mehr als 80 ikonografische Werke Newtons aus allen Schaffensphasen sind mal wieder im großformatigen Original zu studieren. Die sorgfältig inszenierten erotischen Fantasien haben in den 70er Jahren provoziert, inzwischen sind sie Themen von Bestsellerliteratur. Lasziv gerauchte Zigaretten und naturbelassener Haarwuchs steht für den Stil der Zeit. Dabei sind die abgebildeten Frauen nie Objekte des Fotografen, sie sind Mitspielerinnen auf Augenhöhe, strahlen Kraft und Selbstbewusstsein aus.

Saul Leiter, David Lynch und Helmut Newton in einer gemeinsamen Schau. Die MAZ zeigt eine Auswahl der ausgestellten Aufnahmen.

Doch beschränkt sich das Museum nicht darauf, nur den Nachlass des großen Meisters der erotischen Fotografie zu verwalten. Regelmäßig wird eine Auswahl aus dem Fundus mit den Arbeiten anderer Künstler konfrontiert. Dabei ist Kurator Harder sehr wählerisch. „Der Stil Helmut Newtons wird immer noch kopiert, aber wir wollen keine Epigonen ausstellen“. Ein bekannter Name allein genügt nicht, die künstlerische Handschrift muss für eine eigene Position stehen.

Der amerikanische Fotograf Saul Leiter ist in Deutschland bisher überwiegend Insidern bekannt. In den 60er und 70er Jahren war er ein wichtiger Lieferant internationaler Modezeitschriften, wie Vogue, Elle und Harper’s Bazaar. Das verbindet ihn mit Helmut Newton, auch wenn keine persönliche Begegnung überliefert ist. Leiter wurde 1923 in Pittsburgh, USA, geboren und besuchte nach der Schule ein Rabbiner-College. Mit 23 Jahren zog er nach New York, widmete sich der Malerei und der Fotografie. Ab 1958 machte er sich einen Namen als Modefotograf. Unabhängig davon ist er auch für fein beobachtete Straßenfotos bekannt.

Saul Leiters kleinformatigen Arbeiten im Museum für Fotografie Quelle: Detlev Scheerbarth

Die in Berlin gezeigten Bilder von Frauen sind privater Natur. Freundinnen und Geliebte standen, saßen oder lagen ihm in seiner Wohnung im East Village Modell. Die intimen Szenen entwickelte Leiter im eigenen Labor, die schwarz-weißen Abzüge sind oft nicht größer als eine Postkarte. Sie waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und wurden erst nach dem Tod Leiters im Jahr 2013 publiziert und ausgestellt. Zu sehen ist auch eine Auswahl der „Painted Nudes“, die farbig übermalten Fotografien waren eine spezielle Leidenschaft des Fotografen und Malers.

“Painted Nudes“, von Saul Leiter übermalte Fotos Quelle: Detlev Scheerbarth

Einen bekannten Namen hat der dritte Künstler der Schau, wenn auch nicht unbedingt als Fotograf. David Lynch, geboren 1946, wird verehrt als Regisseur von Kinofilmen wie „Blue Velvet“ und der Fernsehserie „Twin Peaks“. Im vorigen Jahr landete ein großformatiger Bildband auf dem Schreibtisch von Mathias Harder, „Nudes“ von David Lynch. Die eng gefassten Ausschnitte zeigen Körperdetails als Landschaften, ungewöhnliche Perspektiven, plastisch beleuchtet. Die riesigen Formaten sind in Berlin im größte Raum der Ausstellung gehängt. Plakativ, manchmal grell, steht die moderne Bildsprache in reizvollem Kontrast zu den beiden anderen Vertretern einer älteren Fotografengeneration. Einzig die spiegelnden Glasflächen der Rahmung beeinträchtigen ein wenig den Kunstgenuss.

Saul Leiter, David Lynch, Helmut Newton - Nudes. Museum für Fotografie, Berlin-Charlottenburg, 1. Dez. 2018 bis 19. Mai 2019

Von Detlev Scheerbarth

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