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Kultur „Null“ von Herbert Fritsch an der Schaubühne
Nachrichten Kultur „Null“ von Herbert Fritsch an der Schaubühne
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18:05 25.03.2018
Lauter Nullen (v. l.): Jule Böwe, Bernardo A. Porras, Ingo Günther, Florian Anderer, Carol Schuler, Bastian Reiber, Axel Wandtke, Ruth Rosenfeld. Quelle: Thomas Aurin
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Berlin

Seit Schauspieler Herbert Fritsch auch Regie führt und Bühnenbilder kreiert, ist der sinnfreie Aberwitz und der höhere Blödsinn ins deutsche Theater eingezogen: „Murmel Murmel“, „der die mann“ und „Pfusch“ heißen seine Bühnen­attentate auf den guten Theater­geschmack. Nach Castorfs erzwungenem Aus ist Fritsch von der Volksbühne an die Berliner Schaubühne umgezogen. Weil er dort wieder bei null anfängt, widmet er jetzt gleich einen ganzen Abend der zwischen dem Positiven und Negativen eingeklemmten Zahl: „Null“ heißt die Inszenierung, die Fritsch am Sonnabend an der Schaubühne zur Uraufführung brachte.

Die Null als Seelenzustand

Die Null interessiert den Bühnen-Berserker nicht als mathematisches Phänomen, sondern als Metapher für verwirrte Seelenzustände, als Bild für eine Wunde, die es zu heilen, eine Leerstelle, die es zu füllen, eine Utopie, die es zu erreichen gilt. Die Null irritiert, weil sie ein Nichts markiert, wo auch ein Etwas stehen könnte, sie fasziniert, weil sie etwas offenlässt, ohne zu sagen, wie man das Offene füllen könnte.

Alles ist auf Anfang zurückgestellt

Also schickt Fritsch eine neun-köpfige Schauspieltruppe auf die von grauen Betonwänden umstellte leere Spielfläche. Sie kommen aus dem Nichts und müssen alles neu erlernen: Bewegung, Sprache, Musik, Tanz, alles scheint für die in scheußliche Kostüme gesteckten und mit grotesken Perücken und grellen Sonnenbrillen verunzierten Darsteller völliges Neuland.

Sie proben, wie es ist, nach rechts und nach links zu gehen, zu hüpfen, hinzufallen und wieder aufzustehen. Sie krächzen zusammenhangslose Worte und Gemeinplätze, lallen unfertige Melodie-Fetzen, sie zwängen sich in Sicherheitsgurte, haken sich damit in Gummiseile ein, die von der Decke hängen, und können so fröhlich in der Luft schweben und glucksend herumtollen.

Sie turnen an einer Gymnastikstange, und sie versuchen – in einer Art Endlosschleife – aus Blasinstrumenten nicht nur Wind, sondern richtige Töne hervorzuzaubern und dem Nichts und der Null mit einem schauderhaft-fröhlichen Lied zu trotzen: Das kann man saukomisch finden oder auch einfach nur albern und blöd.

Die Figuren sind anonym

Es gibt keine Rollen und keine Charaktere. Wie anonym die Figuren sind, zeigt sich nach der Pause: Dann haben alle Mitglieder des Kuriositäten-Kabinetts ihre Kostüme untereinander ausgetauscht. Unterm Bühnenhimmel hängt dann auch eine riesige Hand aus Plastik, sie hat magische Kräfte und fährt unter heftigem Quietschen bedrohlich auf die Nullen-Darsteller nieder, schiebt sie auf der Spielfläche hin und her, degradiert sie zu Figuren in einem Spiel, das sie selbst nicht verstehen. Und dann, kurz vor Schluss, fährt ein Gabelstapler über die Bühne, hievt mal eine Null aus dem Nichts in die Höhe, rettet mal alle Nullen vor der Riesenhand und kurvt, laut hupend, ein paar Runden, dreht Kreise und Nullen: ach wie herrlich sinnlos und von allen Gedanken befreit kann doch eine sich im Dauer-Klamauk erschöpfende Theater-Masche sein, die bei Herbert Fritsch allmählich zu einer sich selbst nur noch wiederholenden Bühnen-Marotte mutiert ist.

Nächste Vorstellungen: 26. März, 1., 2., 27. bis 30. April

Von Frank Dietschreit

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