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Kultur Nur der Finne könnte das Finale noch verhindern
Nachrichten Kultur Nur der Finne könnte das Finale noch verhindern
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02:15 25.06.2017
Die Potsdamer Vokalistinnen haben 2015 im Petersdom gesungen, er liegt im Vatikan, der Chor hat einen Gottesdienst begleitet. Quelle: Vokalistinnen
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Potsdam

Die 18 Damen üben jetzt den Namen dieses Finnen, unhandliche Zahl an Silben, er hinterließ ein Klangbild, das der Hitparade fremd bleibt: Einojuhani Rautavaara. Diesen Komponisten singt man nicht so einfach weg, das Harenberg-Musiklexikon nennt Rautavaara, der vor einem Jahr verstarb, „eine komplexe und widersprüchliche Erscheinung“. Die Zwölftonmusik verband er mit Dreiklängen.

Schwenken wir auf Gabriele Tschache, eine Dame hinter großer Apfelschorle, nichts an ihr scheint widersprüchlich – ihre Freundlichkeit wirkt wie aus einem Guss. Sie leitet die 18 Damen der Potsdamer Vokalistinnen im Alter von 30 bis 45 Jahren. Eigentlich singen 21 Frauen im Chor, doch es gibt Schwangerschaften.

Der Chor verhandelt jetzt das Lied „Der Brief“ von Rautavaara, Frau Tschache, 71 Jahre, holt die Noten aus der Tasche – ein leises Stöhnen ist zu hören, für einige Sekunden hat man das Gefühl, sie spricht von einer Handwerksarbeit, nicht von einem Stück Musik. „Sehen Sie sich diesen Text an: Es ist sehr heiß, in den Ritzen der Mauern zirpen die Grillen.“ Gabriele Tschache übertreibt ein wenig, tut, als sei sie kurzatmig, und rezitiert die Zeilen. Will sagen: Der Text ist nicht besonders flüssig, man beißt sich durch. Man muss als Chor die Stimmen drechseln, denn freier Lauf führt ins Fiasko. „Keine leichte Tonart, immer wieder ungewohnte Sprünge ins E-Dur.“

Es bleibt dabei, Rautavaara ist das Maß der Dinge. Das Lied wurde für den Bundeschorwettbewerb als Referenz benannt. Nur wer die Arbeit filigran zuwege bringt, ist zugelassen.

Brandenburger Wettbewerb in Finsterwalde

Der Landeschorwettbewerb und das Chorfest Brandenburg finden am kommenden Samstag von 10 bis 18 Uhr in Finsterwalde statt.

Während das Chorfest im gesamten Stadtgebiet durchgeführt wird, beginnt der Wettbewerb um 10.30 Uhr im Oberstufenzentrum Elbe-Elster in der Friedrich-Engels-Str. 31.

Sechs Chöre aus den Kategorien Gemischter Chor, Frauenchor sowie Jazz werden sich an diesem Tag dem Wettbewerb im Land stellen.

Der Finsterwalder Chorwettbewerb ist ein Auswahlverfahren für den 10. Deutschen Chorwettbewerb, der im Jahre 2018 in Freiburg im Breisgau stattfinden wird. Die Chöre, die daran teilnehmen möchten, werden von einer Jury ausgewählt.

Gabriele Tschache hat gute Nachrichten: „Letzte Woche hat es bei uns gefunkt!“ Das Lied läuft, an letzten Kleinigkeiten wird gefeilt, damit das Stück nicht unfreiwillig ins Moll rutscht.

Zunächst aber muss sich der Chor am Wochenende beim Landeschorwettbewerb beweisen. In Finsterwalde (Elbe- Elster) stellen sich die Vokalistinnen der Konkurrenz. Dort treffen sie auf weitere Frauenchöre, doch auf keinen, der Ambitionen angemeldet hat, nächsten Jahr in Freiburg auf Bundesebene anzutreten.

Das wird kein Singen gegen die Gegner, sondern gegen das Lied des Finnen. Sie brauchen eine Mindestpunktzahl der Jury, um nach Freiburg zu kommen. Ob es gelingt? Gabriele Tschache lächelt ein Lächeln, das nicht zu deuten ist.

Sie hat Chorleitung studiert, den Potsdamer Frauenchor kennt sie, seit die Sängerinnen Mädchen waren. 2001 gab sie die Leitung ab, nach 29 Jahren an der Singakademie. Im Jahr darauf ist ihr Mann 70 geworden, der Chor kam abermals zusammen, um ihm ein Ständchen zu singen: „Puttin’ On The Ritz“.

Man blieb zusammen und probt nun alle 14 Tage. Privat. „Wir sind ein gehobener Chor“, sagt Kati Engel, Sopran, Mitglied seit 1988. Damals war sie elf. Dank Engels Engagement sangen die Potsdamerinnen vor zwei Jahren im Vatikan, Petersdom. „Geistliche Musik ist unsere Stärke, dort finden wir zum vollen Klang“, glaubt Gabriele Tschache.

Doch auch das Weltliche kommt nicht zu kurz. Im vergangenen Jahr haben die Vokalistinnen mit einem Benefiz-Konzert Geld für Flüchtlinge und deren Deutschkurse gesammelt. Der Chor trifft den Ton. Auf und neben der Bühne.

Von Lars Grote

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