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Oboist liebt Mozart, Wagner und Union Berlin

Konzert in MAZ-Druckerei Oboist liebt Mozart, Wagner und Union Berlin

Jan Böttcher ist Gründungsmitglied der Kammerakademie Potsdam. Sinfoniekonzerte ohne ihn sind fast undenkbar. Mal spielt er Franz Schubert oder Mendelssohn-Bartholdy, mal Beethoven oder Bach. Im MAZ-Gespräch verrät er seine musikalischen Vorlieben und outet sich als Fußball-Fan. Am Sonntag spielt er in der MAZ-Druckerei.

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Jan Böttcher mit seiner Oboe.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Links das Klavier, rechts das Schlagzeug, in der Mitte der Solo-Oboist der Kammerakademie Potsdam (KAP). Jan Böttcher sitzt auf der Bühne hinter zwei Notenständern, über die sich eine zwölfminütige Komposition von Arturo Fuentes erstreckt. Ehe die Aufführung am Donnerstag im Foyer des Nikolaisaals losgeht, steckt Böttcher das Rohr auf sein Instrument. Dann wölbt er die Lippen nach innen und bläst druckvoll durch zwei dünne Holzblättchen hindurch.

Dreimal in der Saison steht hier ausschließlich Neue Musik auf dem Programm. Die Reihe KAPmodern geht auf die Initiative einiger Kollegen von Jan Böttcher zurück, die sich nicht damit zufriedengeben wollen, nur immer wieder alte Stücke und Klassiker von Bach bis Strawinsky aufzuführen. Böttcher kann bei den vielen langen Tönen in „Space Factory III – From The Children Cycle“ eindrucksvoll demonstrieren, wie reich und dynamisch die Oboe auch in der tiefsten und höchsten Lage klingen kann. Die Oboe gilt als eines der schwierigsten Blasinstrumente.

Klassik live in der MAZ-Druckerei

Auf dem Programm steht zunächst ein kleines Trompetenkonzert von Jean Françaix, das Jan Böttcher als „leichtfüßig und heiter“ beschreibt. Danach werden die KAP-Musiker einige berühmte Songs aus George Gershwins „Porgy and Bess“ intonieren.

Krönender Abschluss des Konzertes ist die c-Moll-Serenade von Wolfgang Amadeus Mozart. Jan Böttcher liebt dieses „perfekte Stück“ besonders, das auch sehr anspruchsvoll ist.

Die Bläser der Kammerakademie Potsdam: Sonntag, 13. November, 11 Uhr. MAZ-Druckerei Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 24. Eintritt: 29 Euro (zzgl. Vorverkaufsgebühren,   inklusive Druckereiführung). Tickets auf www.ticke­teria.de, in allen Vorverkaufsstellen oder telefonisch unter 0331/2840284.

Persönliche Vorlieben für Komponisten oder Epochen sagen viel über das Naturell eines Menschen. Eigentlich liegt dem 47-Jährigen die Neue Musik gar nicht so sehr am Herzen. Böttcher macht sich auch recht wenig aus Händel oder Telemann. Seine Heroen heißen Mozart und vor allem Richard Wagner. Im letzten Sommer besuchte Böttcher privat die Bayreuther Festspiele. Doch der Hype dort irritierte ihn auch. „Für eine 50-Euro-Karte wurden mir 700 Euro geboten! Das ist eine Aufführung dort nie im Leben wert“, meint er.

Einem professionellen Orchestermusiker winken immer wieder neue Herausforderungen. Die Abwechslung liebt Böttcher auch an seinem Beruf. Am 13.  November wird er mit seinen Bläserkollegen in der MAZ-Druckerei ein Konzert geben. „Die Atmosphäre eines Raumes kann ein Konzerterlebnis für alle Beteiligten unvergesslich machen“, so Böttcher. Vor allem freut er sich, wenn auch Besucher kommen, die sonst nie einen Konzertsaal betreten.

Der gebürtige Köpenicker musste schließlich auch seine Schwellenangst in Richtung Fußballstadion überwinden. Vor vier Jahren besann sich der Musiker, der in der Potsdamer Jägervorstadt wohnt, auf seine Heimat Berliner Wuhlheide. Er wurde Fan des 1. FC Union. Wer nun denkt, ihn hätte vielleicht das alljährige Weihnachtslieder-Singen der Union-Fans beeindruckt, liegt falsch. Es ist wirklich der König Fußball in den Farben Weiß-Rot, für den Jan Böttcher schwärmt.

Er selbst fand ganz unverhofft den Weg zur klassischen Musik. Böttcher war schon 13 Jahre alt, da beeindruckte ihn das Klarinettenspiel eines Freundes so sehr, dass er sich in der Musikschule anmeldete. Der Freund arbeitet heute in einer Berliner Zeitungsdru­ckerei und musiziert wahrscheinlich gar nicht mehr. Gern erinnert sich Böttcher an den Musikunterricht an seiner DDR-EOS und die gemeinsamen Opernbesuche mit der Klasse. Nach seinem Armeedienst nahm er 1989 dann ein Studium an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ auf und wurde 1996 Solo-Oboist bei der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam. Vor 15 Jahren zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Kammerakademie Potsdam.

Die rechtliche Konstruktion der KAP bringt es mit sich, dass sich die Musiker als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) selbst organisieren müssen. Böttcher zählt derzeit zum dreiköpfigen Orchestervorstand. Jeder Musiker bringt seine Talente und Interessen ein und alle unterstützen sich gegenseitig.

So staunte Jan Böttcher auch nicht schlecht, was für aparte Stücke seine Kollegen im KAPmodern-Konzert noch so zu Gehör brachten. In „Charts Music“ setzt der Komponist Johannes Kreidler die Börsenkurse von Firmen wie Lehmann Brothers oder Heckler & Koch in notierte Musik um. Die Kurven werden an die Wand geworfen und ein Sextett spielt das heftige Auf und Ab vom Blatt.

Von Karim Saab

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