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Opernregisseur Harry Kupfer wird 80

Musiktheater Opernregisseur Harry Kupfer wird 80

Drei Regiegrößen prägten die späten Jahrzehnte der – zunehmend auch international ausstrahlenden – DDR-Musikbühnen. Während Ruth Berghaus den Part der verrätselten Exzentrikerin und Joachim Herz den des scharfblickenden Analytikers ausfüllten, war Harry Kupfer, der am Mittwoch 80 Jahre alt wird, für das Feld der einfühlsamen Seelenschau zuständig.

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Kupfer inszenierte 1988 Wagners „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth. 1994 feierte „Siegfried“, gesungen von Siegfried Jerusalem, in der Staatsoper Unter den Linden Premiere.

Quelle: dpa

Potsdam. Er war opernversessen von Jugend an, er bleibt es, und die Kondition hält auch noch. In der anlaufenden Spielzeit produziert Harry Kupfer in Frankfurt am Main einen „Iwan Sussanin“, vergangenes Jahr hat er den Salzburger Festspielen einen „Rosenkavalier“ geliefert: kein Umsturz, keine Vergewaltigung des Stückes, sondern ein neugierig-kritisches Sich-Einlassen – was in der heutigen Zeit selbst ernannter Regie-Kleinkönige, die vom Film oder sonst woher kommen, nicht mehr so selbstverständlich ist. Bei Kupfer, der am Mittwoch 80 Jahre alt wird, war das nie anders. Über die Stationen Stralsund, Karl-Marx-Stadt, Weimar und Dresden wuchs er in sein Handwerk und war schließlich 21 Jahre lang, bis 2002, künstlerischer Leiter an Berlins Komischer Oper.

Drei Regiegrößen prägten die späten Jahrzehnte der – zunehmend auch international ausstrahlenden – DDR-Musikbühnen. Während Ruth Berghaus den Part der verrätselten Exzentrikerin und Joachim Herz den des scharfblickenden Analytikers ausfüllten, war Kupfer, dessen Berliner Regiereich von der Komischen auch auf die Staatsoper übergriff, für das Feld der einfühlsamen Seelenschau zuständig.

Regisseur Harry Kupfer

Regisseur Harry Kupfer.

Quelle: Sascha Radke

Gewiss: Auch bei ihm gab es Zeitachsen-Verschiebungen und später dann, im Trend des medialen Zeitalters, Videogeflimmer; irgendwann hatten sich, kaum verwunderlich bei bis heute mehr als 175 Inszenierungen, gewisse Standards herausgebildet – dumpf funktionierende Chormassen, oft in Lack und Leder, missbrauchte oder wenigstens missverstandene weibliche Protagonistinnen im zarten Hemdchen, verträumt und im Tiefsten unanrührbar.

Aber welche Feinarbeit innerhalb solcher selbstgestellten Formeln, welche Kraft einer einzelnen Geste oder Körperdrehung! Und wenn er sich einer Oper mehrfach annahm – wie zum Beispiel Wagners „Parsifal“ an Berlins Staatsoper im Abstand von 15 Jahren –, dann erlebte man staunend, wie eine gleiche „Grundphilosophie“ und wiedererkennbare Regie-Handschrift dennoch gänzlich verschiedene Bildwelten hervorbrachte.

Das Geheimnis dessen war und ist, dass Kupfer der Musik nicht nur vertraut, sondern sie auch unverrückbar im Zentrum seiner Bemühungen lässt – wieder eine Qualität, die man erst seit wenigen Jahrzehnten, aber nun umso mehr betonen muss. Die Tönungen seiner Charaktere und ihrer Entwicklung können verschiedene Abstufungen annehmen, aber sie basieren immer auf dem Notentext.

Voller Terminkalender

Harry Alfred Robert Kupfer , geboren am 12. August, gilt als stilprägender deutsch-deutscher Opernregisseur. Obwohl hochmusikalisch hatte er eine schwache Stimme und studierte zunächst Theaterwissenschaft in Leipzig.

Mit 23 Jahren gab er sein Regiedebüt mit Antonin Dvoraks „Rusalka“ in Halle/Saale.

Lange galt Kupfer als „Opernkönig von Berlin“, wie die „Zeit“ schrieb. Als er 2002 nach 21 Jahren als Chefregisseur der Komischen Oper abtrat, hatte das Haus 37 Kupfer-Inszenierungen im Repertoire.

Der Terminkalender ist voll: Im Sommer 2016 soll sein umjubelter Salzburger „Rosenkavalier“ an der Mailänder Scala Premiere feiern – mit dem Star-Dirigenten Zubin Mehta.

So war der Regisseur stets besonders dort zu Hause, wo die Partitur Ambivalenzen und Schwebungen zulässt. Mozart oder Wagner forderten ihn nachhaltiger als beispielsweise die italienische Belcanto-Bühne.

Dabei blieb sein Künstlerherz weit genug, um sich gelegentlich auch einmal eines Musicals anzunehmen. 1992 inszenierte er „Elisabeth“ im Theater an der Wien. Wobei er generell als einer der ersten versuchte, den Darstellertypen, die Libretto und Notentext vorgeben, möglichst auch optisch zu entsprechen; in den 70er oder 80er Jahren war das, anders als heute, noch keineswegs allgemein gängig.

So etwas vollzog und vollzieht sich in oft beglückend erwärmenden und anrührenden, aber zumindest handwerklich immer sorgfältigst ausgearbeiteten Inszenierungen, ohne Crash und Krawall, also in einer für ihn ziemlich typischen Weise: revolutionär durch Evolution. Ein wenig von dieser ruhigen Souveränität würde vielen aktuellen Versuchen jüngerer Kollegen ziemlich gut tun.

Von Gerald Felber

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