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Original-Manuskript von Franz Kafka in Berlin

Ausstellung Original-Manuskript von Franz Kafka in Berlin

„Jemand musste Josef K. verläumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“, lautet der vielleicht genialste erste Satz der Weltliteratur. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt bis Ende August die 171 Seiten des Romanfragmentes „Der Prozess“ von Kafka. Ursprünglich lautete sein erster Satz anders.

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Seite 17 des Manuskriptes „Der Prozess“

Quelle: DLA-Marbach

Berlin. Der Martin-Gropius-Bau, der ab Freitag die Ausstellung „Franz Kafka. Der ganze Prozess“ zeigt, macht mit der Galionsfigur der deutschsprachigen Weltliteraten einen ziemlich kurzen Prozess. In einer trapezförmigen Vitrinen-Sonderanfertigung liegen im Schiemannsaal unter spärlichem Kunstlicht die 171 Originalmanuskriptblätter des bahnbrechenden Romanfragmentes aus. Das Exponat ist eine Leihgabe des Deutschen Literaturarchivs Marbach, das den Autografen 1988 für 3,5 Millionen Euro ersteigert hat.

In einem Kabinett daneben sind einige Kafka-Fotos in großen Passepartouts an die Wand gehängt und eine Sammlung aktueller Übersetzungen des Buchs ausgestellt. Hinter Glas steht eine Schreibmaschine, wie sie Kafka als Briefeschreiber verwendet haben könnte. „Der Process“, die Geschichte über den Prokuristen einer Bank, der schuldlos in die Mühlen der Justiz gerät, verfasste Kafka aber in gut leserlicher Handschrift mit feiner Feder und blauschwarzer Tinte.

Wenn man bedenkt, dass es allein 10 000 Sekundärwerke über Kafkas Prozess geben soll, dass der Stoff von Theaterleuten, Filmemachern, Comiczeichnern und Bildenden Künstlern bis heute gern aufgegriffen wird, dass die Entstehungs- und Editionsgeschichte wie auch die politische Rezeption unbedingt der Rede wert sind, erscheint die Ausstellung äußerst knapp bemessen. In einem dritten Raum läuft drei Mal täglich eine „Prozess“-Verfilmung von Orson Welles von 1962, in der visionär von einem Computer die Rede ist, einer Rechenmaschine, die persönliche Daten und Fragen der Schuld verarbeitet.

Wer um den Rang des Schlüsselwerkes der Moderne weiß, geht vor der auratischen Erstniederschrift Kafkas natürlich in die Knie. „Jemand musste Josef K. verläumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“, lautet der vielleicht genialste erste Satz der Weltliteratur. Doch die Perfektion war auch bei Kafka das Ergebnis intensiven Ringens. Die letzten Worte des Satzes lauteten, wie zu sehen ist, zunächst anders: „… war er eines Morgens gefangen.“

In der Fachöffentlichkeit ist das längst bekannt, neben historisch-kritischen Ausgaben wurde auch die faksimilierte Handschrift ediert. Der in Berlin präsentierte Urtext soll auch den Ort seiner Inspiration atmen. Im nicht mehr existierenden „Hotel Askanischer Hof“ neben dem Gropiusbau fand nämlich am 12. Juli 1914 Kafkas Entlobung mit Felice Bauer statt. Bei dieser Aussprache fühlt sich der damals 31-Jährige grundlos angeklagt und machte sich daraufhin Luft, indem er in einem ungeordneten, fieberhaften Schaffensrausch das albtraumhafte Motiv aufgriff und ausschmückte.

In der ausgestellten Fotosammlung des Verlegers Klaus Wagenbach kann der aufmerksame Besucher fingerhutgroß auch einen vergnügten Kafka entdecken. Mit feschem Sommerhut auf dem Kopf besuchte er mit drei Kollegen am 7. September 1913 den Prater in Wien. Auf der Momentaufnahme ist Kafka der einzige, der in die Kamera lacht.

„Franz Kafka. Der ganze Prozess“. Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Berlin-Kreuzberg. Bis 28. August, Mi-Mo 10 bis 19 Uhr.

Von Karim Saab

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