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Ostdeutsche Kunst in Frankfurt (Oder)

Kunst Ostdeutsche Kunst in Frankfurt (Oder)

Der Titel irritiert. „Herz, Haus, Messer, Kreuz“ klingt ziemlich Dada. Doch Dada fehlt. Zahlreiche andere Stilrichtungen sind allerdings vertreten – in der neue Ausstellung des Museums Junge Kunst in Frankfurt (Oder). Ausstellungsmacher Armin Hauer ist eine Schau gelungen, die überraschende Korrespondenzen zwischen Künstlergenerationen und Stilen aufweist.

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„Künstlerin bei der Arbeit“ von Erika Stürmer-Alex aus dem Jahr 1982.

Quelle: Foto: MJK/Winfried Mausolf

Frankfurt (Oder). Der Besucher erhält seine Lektion gleich am Eingang. Das Bild zeigt eine Farbpalette mit Strichen, Kreuzen, Kreisen, Fläche – sozusagen der Grundbaukasten der Bildenden Kunst, aus dem Figuren, Gesichter, Interpretationen der Realität geschaffen werden. „Künstlerin bei der Arbeit“ heißt das Werk von Erika Stürmer-Alex (78), das die Ausstellung des Museums Junge Kunst im Rathaus von Frankfurt (Oder) eröffnet. Die Zeichen auf der Palette der Künstlerin aus Lietzen (Märkisch-Oderland) stehen gewissermaßen Pate für die Schau, die einen in dem Renaissance-Gewölbe erwartet.

Museum Junge Kunst

Das Frankfurter Museum Junge Kunst beherbergt eine der größten Sammlungen in Brandenburg mit Gemälden aus der Zeit der DDR.

Im Depot des Museums lagern rund 11 000 Kunstwerke, die über einen Zeitraum von etwa 100 Jahren entstanden sind. Rund 80 Prozent davon stammen aus der DDR. Der Rest wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen oder entstand erst nach dem Fall der Mauer.

Die Schau „Herz, Haus, Messer, Kreuz. Kunst-Zeichen aus der Sammlung“ zeigt 100 Werke von 37 Künstlern aus vier Generationen.

Die Ausstellung wird am Sonntag eröffnet und geht bis zum 11. September. Rathaushalle, Am Marktplatz 1, Frankfurt (Oder). Geöffnet: Di-So, 11-17 Uhr. Eintritt: 3,50 Euro.

Große Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass sie jenseits ihres Entstehungskontextes in der Lage ist, den Betrachter zu ergreifen. Sie ist zwar nie ohne den Zeitgeist, der sie umgibt, zu verstehen, aber ihre Kraft zieht sie aus Grundlegenderem. Genau das will die Frankfurter Schau „Herz, Haus, Messer, Kreuz“ zeigen. Ein etwas sperriger Titel, den sich Kurator Armin Hauer ausgesucht hat. Aber er ist überzeugt, dass die einfachen Symbole wie Herz, Haus, Messer oder Kreuz, die in den Werken häufig anzutreffen sind, einen Teil ihrer Magie ausmachen. „Wir wollen ein Kunstgespräch über Zeichen, Symbole und Archetypen entfachen“, sagt Hauer. Über solch reduzierte Elemente der Kunstsprache sollen die einzelnen Werke miteinander ins Gespräch gebracht werden.

100 Arbeiten zeigt das Museum Junge Kunst

Insgesamt 100 Arbeiten von 37 Künstlern aus vier Generationen hat Hauer dafür aus dem riesigen Frankfurter Depot geholt, in dem rund 11 000 Kunstwerke lagern. Etwa 80 Prozent davon sind in der DDR entstanden. Und so ist die Zeichensprache hin und wieder auch eine Geheimsprache. Der Preis, den der Künstler dafür zahlen muss ist, dass nicht jeder seine Botschaft versteht.

Mit diesem Problem setzt sich zum Beispiel Gil Schlesinger auseinander, der 1982 mit Mischtechnik Zeichen auf Holzplatten malte, – wilde Buchstaben, Signets wie Hammer und Sichel, Figürliches mit erotischen Anspielungen – deren Sinn ganz offensichtlich nur noch im Privaten liegen.

Werke von Neo Rauch und A.R. Penck

Ganz anders wiederum der Altmeister A. R. Penck, der ein eigenes Zeichen- und Symbolsystem aus Piktogrammen entworfen hat, mit dem er versuchte, existenzielle wie politische Fragen zu thematisieren. Oder der längst zum Superstar avancierte Neo Rauch. „Sog“ heißt seine ausgestellte, kreisförmige Arbeit, die sich aus Fragmenten und Splittern menschlicher Körper, Schriftzeichen und Gebrauchsgegenständen zusammensetzt.

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Zeichen, Symbole,. Archetypen oder, wie es im Titel der Ausstellung heißt „Herz, Haus, Messer, Kreuz“ sind die verbindenden Elemente der Werke unterschiedlichster Künstler und unterschiedlichster Stile, die das Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) zeigt.

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Die Stärke der Ausstellung ist, dass sie mit ganz unterschiedlichen Stilen und Ideologien experimentiert. Marxistisch inspirierte Künstler wie Carlfriedrich Claus, der sich mit dem Wechselverhältnis von Bewusstseinsströmen und Sprache beschäftigte, oder Veit Hofmann, der sich in seinem „Bekenntnis zu Karl Marx“ mit der Ikonografie von Menschenmassen auseinandersetzte, stehen etwa den christlich motivierten Arbeiten von Hans Seidel oder einer streng konstruktivistischen Plastik von Hermann Glöckner gegenüber. Kommunismus, Christentum, die platonische Idee – die großen Utopien der Geschichte sollen offenbar in einen Dialog treten.

Die Kunstwerke sprechen miteinander

Nicht immer gelingen solche Gesprächsangebote. Aber vielleicht müssen Werke und Betrachter nur lange genug im Frankfurter Rathaus beieinander verharren. Kurator Hauer ist jedenfalls überzeugt, dass es zwischen den einzelnen Werken funkt. „Ich glaube, dass die Kunstwerke sowieso miteinander in Kontakt treten, sobald wir den Raum verlassen“, sagt er mit einen Augenzwinkern.

Von Mathias Richter

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