Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Sprühregen

Navigation:
Die Lehre vom luftleeren Raum

Rezension Die Lehre vom luftleeren Raum

„Das wollen wir doch einmal auf einen Versuch ankommen lassen“, antwortete der Wissenschaftler Otto von Guericke allen, die ein Vakuum für unmöglich hielten. Mit seinen Magdeburger Versuchen wurde er schließlich als der deutsche Galilei gehandelt. Der Nuthetaler Klaus Liebers hat ein Buch über den Physiker und Erfinder geschrieben.

Bergholz-Rehbrücke 52.35 13.1
Google Map of 52.35,13.1
Bergholz-Rehbrücke Mehr Infos
Nächster Artikel
Krautrock-Pionier Dieter Moebius gestorben

Auch mehrere Pferdestärken schafften es nicht, Otto von Guerickes „Magdeburger Halbkugeln“ auseinanderzuziehen.

Quelle: akg

Bergholz-Rehbrücke. Wir schreiben das Jahr 1654. Der Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke wurde zum Reichstag nach Regensburg gesandt. Sein Hang zum Experimentieren blieb auch auf jenem politischen Parkett nicht lange verborgen – reifte in von Guericke doch schon seit langer Zeit die Idee zu Forschungen über den luftleeren Raum und die Existenz eines Vakuums. Immer mehr Teilnehmer des Reichstages wünschten seine Versuche dazu zu sehen.

Als Auftakt wählte Guericke ein Experiment, bei dem er in einer luftleeren Glaskugel einen kleinen Springbrunnen hervorzauberte. Auf einem Tisch hatte der Erfinder einen Bottich mit Wasser aufgebaut, darin stand auf einem Dreifuß eine Glaskugel – lediglich ihr Mündungsstück ragte ins Wasser. Guericke tauchte seine Hand ins Wasser, griff nach dem Hahn am Mündungsstück der Kugel und öffnete diesen. Sofort sprang das Wasser mit großer Wucht ins Innere der Kugel empor und brodelte wie siedendes Wasser.

Der Autor Klaus Liebers

Der Autor Klaus Liebers.

Quelle: Josephine Mühln

Über 300 Jahre nach dieser kleinen Vorführung, hat Klaus Liebers aus Bergholz-Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark) dem einstigen Magdeburger Bürgermeister und Wissenschaftler ein Buch gewidmet: „Otto von Guericke und das Abenteuer Vakuum“. Guericke hat in seinen Augen eine Würdigung verdient: „Er musste viele Misserfolge einstecken und andere Forscher hätten danach vielleicht aufgegeben, von Guericke aber war von seiner Idee überzeugt und hat sie bis zur letzten Konsequenz verfolgt.“

Klaus Liebers war schon immer ein Fan von Otto von Guericke, sagt er. Der 78-Jährige habe viele Experimente des Erfinders an der Universität Potsdam – wo er lange Jahre als Professor tätig war – nachgebaut und an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt. So habe er viel über von Guericke gelernt und sei letztendlich auf die Idee gekommen, ein Buch über den Erfinder zu verfassen.

Zurückgekehrt von seiner Reise nach Regensburg steigerte sich Guericke in einen Rausch neuer Experimente mit den sogenannten Magdeburger Halbkugeln. Am berühmtesten wurde sein Versuch mit 16 Pferden: Guericke legte zwei Halbkugelschalen aus Kupfer so aneinander, dass sie eine Kugel bildeten. Zwischen den Kugelschalen diente ein mit Wachs und Terpentin getränkter Lederstreifen als Dichtung. Anschließend entzog er dem so entstandenen Hohlraum die Luft. Der Luftdruck, der nun nur von außen auf die Kugel wirkte, drückte diese so stark zusammen, dass sie sich selbst mit 16 Pferden nicht mehr auseinanderziehen ließ

„Das Buch ist nur möglich geworden durch die Unterstützung der Otto-von-Guericke-Stiftung in Magdeburg“, sagt der ehemalige Professor. „Das ist eine wahre Fundgrube im Bezug auf originale Schriften von Guericke.“ Die größte Herausforderung beim Verfassen des Buches sei gewesen, „kein reines Fachbuch zu schreiben, sondern eine Erzählung, die dem Leser das Gefühl gibt, als Augenzeuge mitten im Geschehen zu sein.“

Zum Autor des Buches

Klaus Liebers wurde 1937 im sächsischen Chemnitz geboren.

Er studierte Mathematik und Physik in Potsdam und war in diesen Fächern später auch als Lehrer tätig.

Liebers schrieb mehr als 150 Bücher als Alleinautor, Mitautor oder Mitherausgeber für den naturwissenschaftlichen Unterricht und war außerdem Lektor aller Texte für das 2008 eröffnete Ozeaneum in Stralsund.

Gut anderthalb Jahre habe das Schreiben des Buches über von Guericke gedauert, sagt Liebers.

Lesetipp: Klaus Liebers: Otto von Guericke und das Abenteuer Vakuum. epubli Verlag Berlin, 184 Seiten, 11,90 Euro.

Das ist dem Pensionär gelungen. Der Leser ist stets an von Guerickes Seite, begleitet ihn auf seinen Reisen durch Deutschland und ist dabei, wenn er Rückschläge in Kauf nehmen oder sich mit Zweiflern auseinandersetzen muss. Illustriert werden die einzelnen Episoden durch 30 Kupferstiche – ebenfalls aus dem Fundus der von-Guericke-Stiftung. Sie sorgen dafür, dass die detailreichen Ausführungen zu den Experimenten auch für Laien verständlicher werden.

Man muss für die Lektüre des Buches zwar keine ausgewachsene Physik-Leidenschaft nachweisen, trotzdem sollte man naturwissenschaftlichen Experimenten nicht mit gänzlichem Desinteresse begegnen.

Klaus Liebers hat die Veröffentlichung des Buches im Übrigen selbst finanziert. 250 Exemplare hat er für die Erstauflage drucken lassen. Der Vorteil dieser selbstständigen Veröffentlichung sei, dass man „von heute auf morgen loslegen“ könne, ohne jemanden zu fragen. „Der Nachteil ist, dass man nach dem Druck auch selbstständig für sein Werk werben muss“, sagt Liebers. Und das sei ja eigentlich nicht mehr die Aufgabe des Autors. „Ich habe gelernt, dass ein Buch nicht fertig ist, wenn es gedruckt wurde, sondern erst dann, wenn es verkauft ist.“

Von Josephine Mühln

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?