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Kultur Paisley Park – Wo Prince noch lebt
Nachrichten Kultur Paisley Park – Wo Prince noch lebt
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15:08 19.03.2018
Das Atrium in Paisley Park. Quelle: Paisley Park/NPG Records
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Chanhassen

Es ist so eine Sache mit Weihestätten – ganz besonders mit denen von Politikern und Popgrößen. Meist umfloren den Besucher wahlweise Pomp oder Pathos. Den schlechten oder schlichten Geschmack der Idole und Staatenlenker bewundern Herden sich drängelnder und schubsender Anbeter – immer auf der Jagd nach dem besten Foto.

Paisley Park ist anders. An der Einfahrt zum Gelände steht ein Wachhäuschen, die Durchfahrt ist nur möglich, wenn der Name des Besuchers auf einer Liste steht. Fotos und Tonaufnahmen sind strikt verboten. Im Entrée-Bereich werden Smartphones und Apple Watches eingesammelt und verwahrt. Prince hatte rechtzeitig verfügt, dass die Menschen sein 6038 Quadratmeter großes Anwesen persönlich erfahren sollten, nicht durch den Filter einer Linse oder eines Mikrofons. In der Mitte der 1980er-Jahre ließ Prince sein Wohn- und Arbeitsrefugium nach seinen Wünschen errichten – damals noch auf freiem Farmland. Nach dem plötzlichen Tod des Musikers am 21. April 2016 wurde Paisley Park von Princes Familie zu einer Stiftung umgewidmet, die seitdem dessen Erbe verwaltet.

Zwischen Industriepark und Bauhaus-Architektur

Das Gebäude wirkt von außen eher unscheinbar – wie eine Mischung aus Industriepark und Bauhaus-Architektur. Die Fassade besteht aus großen, weißen Kacheln. Hat man die Eingangsprozedur durchlaufen, begrüßt einen eine Frau, die die Besuchergruppe für die kommenden 90 Minuten durch Paisley Park führen wird. Der erste Eindruck: ein lichtdurchflutetes Atrium, die Wände bis hinauf zu den Oberlichtern mit frühlingshaftem Himmelblau, Schäfchenwolken und den Prince-typischen Friedenstauben bemalt. Das klingt kitschiger, als es ist. Im ersten Stock sind drei Seiten des Atriums von einer Brüstung eingefasst, dieser Privatbereich ist tabu.

In einen Vorsprung an der Stirnwand ist ein kleines Fenster eingelassen. Die Führerin bittet die kleine Besucher-Gruppe, kurz innezuhalten. Sie zeigt auf den Vorsprung und erzählt: „Hinter diesem Fenster ruht die Asche von Prince.“ Seine Urne ist ein exaktes Modell von Paisley Park, selbst ein Flügel ist darin enthalten. „Bitte erweisen Sie Prince einen Moment des Stille.“ Da stehen wir nun, gänzlich unvorbereitet auf einen solch intimen Moment. Bei Bedarf werden auch Taschentücher bereitgehalten. Etwas unwirklich wirkt die Szenerie, aber auch spannend – so als sei man Gast auf einer fremden Beerdigung. Der gesenkte Blick geht verstohlen in Richtung Urne, schweift dann nach rechts Richtung Balustrade, wo ein großer Bauer steht. In die andächtige Stille dringt die Stimme unseres Guides. „In dem Käfig sitzen Princes Tauben, sie haben ihn früher mit ihrem Gesang beim Musizieren begleitet. Auch heute singen sie noch.“ Die fast mystische Stimmung weicht langsam, die eigentliche Führung beginnt.

Auf dem Schreibtisch von Prince stapeln sich die Bücher

Rund um das Atrium, das bis auf ein paar Sofas und überlebensgroße Prince-Porträts leer ist, liegen die Räume, die dem Musikgenie am liebsten waren. Eine geschmackvoll-praktisch eingerichtete Küche, in der Prince seine Gäste auch schon mal selbst bewirtete, und sein kleines, in dunklem Holz gehaltenes Arbeitszimmer. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Bücher über das alte Rom und die großen Weltreligionen, über Architektur und Reisen. Es wirkt, als hätte Prince, der an einer versehentlichen Überdosis Schmerzmittel starb, gerade noch in ihnen geblättert. Die Auswahl zeigt, wie vielseitig interessiert der Mann war, der die Musik des ausgehenden 20. Jahrhunderts wie kaum ein anderer beeinflusste.

Hier, in Studio A in Paisley Park, entstanden unter anderen Klassiker wie Lovesexy, Batman, Diamonds & Pearls, The Gold Experience, The Black Album und Sign O’ The Times. Quelle: Paisley Park/NPG Records

Weiter geht die Tour durch Studios und Flure, alles prallvoll mit Erinnerungen von und an Prince, das meiste von ihm selbst arrangiert. Etwa der lange Korridor zwischen zwei Studios, deren Wand mit einer Fotocollage bedeckt ist. Auf der linken Seite sind all jene zu sehen, die Prince musikalisch beeinflusst hat, auf der anderen grüßen Granden wie Jimi Hendrix und Joni Mitchell – Künstler, die wiederum Prince inspiriert haben. Es gibt auch post mortem angelegte Themenräume, einen etwa zu „Purple Rain“, dem Oscar-gekrönten Erfolgs-Dreiklang aus Song, Album und Film. Hier sind Devotionalien wie Kostüme und das Originalmotorrad zu sehen, das Prince im Video fuhr.

Räume, in denen das Genie des Künstlers zu spüren ist

Doch am authentischsten sind die Arbeits- und Aufenthaltsräume, in denen das Genie des Künstlers nach wie vor auf eigentümliche Art zu spüren ist. Als sei seine Arbeit nur kurz unterbrochen worden, scheint sie für die Ewigkeit eingefroren. In Studio B steht ein Tischtennistisch. Hier hat Prince sich während der Aufnahmen-Sessions oft bei einer Partie entspannt. „Spielt doch eine Runde“, sagt die Führerin – und zaghaft entwickelt sich ein reges Spielchen, eine Art Prince-Gedächtnisturnier, über dessen mangelnde Qualität der Meister gewiss geschmunzelt hätte. Doch genau diese Kombination aus ausgelassenem Pingpong-Spiel und der Befangenheit gegenüber dem Genius Loci hinterlässt jenen Eindruck, der Paisley Park heraushebt aus all den Gedenkorten.

Hier gibt es keine distanzlose, laute Fankultur, hier herrschen Stille und Staunen angesichts eines so gigantischen künstlerischen Nachlasses. Eine besonders schöne materielle Erinnerung gibt es dann doch noch, zumindest für Besucher der 100 Dollar teuren VIP-Tour: ein Foto im Studio, das die Mitarbeiter der Paisley-Park-Stiftung vor einem großen Prince-Porträt im Studio machen, gespeichert auf einem Paisley-Park-USB-Stick. Es liegt nicht nur an der Größe des Künstlerbildes, dass der Besucher zu schrumpfen scheint angesichts der Größe des zu Lebzeiten nur 1,60 Meter großen Riesen.

Gegenüber Prince schrumpft der Autor des Textes. Quelle: Paisley Park/NPG Records

Letzte Station der Paisley-Park-Tour ist der Prince-eigene Nachtclub NPG. Hierhin lud er gern Gäste ein und überraschte sie mit Spontankonzerten und Gaststars. Bei striktem Alkohol-, Nikotin- und Kaffee-Verbot wurde der Musik gehuldigt. Wer Glück hatte, wurde von Prince in der angrenzenden Profiküche schon mal bekocht. Die Führerin erzählt von jener legendären Nacht, als Madonna nach ihrem Konzert in Minneapolis vorbeischaute. Sie setzte sich an den Rand der Bühne, die mit ihren Plüschsofas eher einer Kuschelecke aus einer 1980er-Jahre-Disco ähnelt, und lauschte dem Maestro, der ihr ein Ständchen brachte. NPG ist übrigens auch heute noch ein lebendiger Musikort. So veranstaltete Justin Timberlake hier im Februar 2018 die Releaseparty für sein neues Album „Man of the Woods“.

Paisley Park, das macht dieser Besuch deutlich, ist äußerst lebendig – und mit ihm die Musik von Prince.

Derzeit sind Teile von Paisley Park auch in Europa zu sehen. Im Amsterdamer Beurs van Berlage läuft die Ausstellung „My Name Is Prince“ bis zum 8. Juni. Tickets unter www.mynameisprince.amsterdam; www.officialpaisleypark.com

Von Daniel Killy/RND

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