Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Partisanen als Heilige

Komponisten-Würdigung Partisanen als Heilige

Als Volkslieder ging seine Songs um die Welt. Berühmt wurde Mikis Theodorakis durch die Filmmusik zu „Alexis Sorbas“. Am 29. Juli feierte der griechische Komponist seinen 90. Geburtstag. Dieses Jubiläum nahmen die Brandenburgischen Sommerkonzerte im Dom der Stadt Brandenburg zum Anlass einer musikalischen Würdigung.

Voriger Artikel
Tim Mälzer und Jorge González als Fallschirmspringer
Nächster Artikel
Til Schweigers Nachwuchs dreht in Werder

Mikis Theodorakis

Quelle: DPA

Brandenburg/Havel. Seine Songs gingen als Volkslieder um die Welt; berühmt wurde er durch die Filmmusik zu „Alexis Sorbas“. Am 29. Juli dieses Jahres feierte der griechische Komponist Mikis Theodorakis seinen 90. Geburtstag. Dieses Jubiläum begingen die Brandenburgischen Sommerkonzerte am Sonntag im Dom der Stadt Brandenburg. Dort sang der Dresdener Chor „Vocal Concert“, der allerdings mit Verspätung startete. Die undurchschaubare Nummerierung der Reihen sorgte für eine langwierige Sitzplatzsuche.

Der erste Teil bot, als Einstimmung auf Theodorakis, mehrere geistliche Chorsätze des 16. bis 20. Jahrhunderts. Von einem kontrapunktisch verschlungenen „Kyrie“ des Renaissance-Komponisten Antonio Scandello bis zu den warmen Harmonien von Mendelssohns „Deutscher Liturgie“. Von Tschaikowskis „Chrisostomus-Liturgie“ mit ihrer byzantinischen Klangpracht bis zu einer mystisch raunenden Messe des Schweizer Komponisten Frank Martin.

Diese vielfältige, auch mal sechs- oder achtstimmige Abfolge sang das Vocal Concert unter seinem Leiter Peter Kopp stilssicher, klar und präzise sowie mit klanglicher Wärme. Laien und Profisänger vereinten sich zu einer ausgewogenen Balance. Merkwürdigerweise war der Chor unter der Orgel platziert, so dass das Publikum mit dem Rücken zum Altar saß.

Nach der Pause folgte Theodorakis’ „Liturgie Nr. 2“, die den Untertitel „gewidmet den Kindern, getötet in Kriegen“ trägt. Die Widmung zeigt an, dass sich der 1925 auf der Insel Chios geborene Komponist zeitlebens als Widerstandskämpfer verstand: ob gegen deutsche oder italienische Nazis, britische Besatzer, die griechische Militärdiktatur oder aber sowjetische Stalinisten. Mehrfach erduldete er Haft und Folter.

In der DDR kam es nach einem mehrjährigen Verbot seiner Werke in den Siebzigern zu einer wahren Theodorakis-Euphorie. So wurde die „Liturgie“ 1982 vom Kreuzchor uraufgeführt; vor einer Versammlung von Politfunktionären, die angesichts der Verschmelzung von christlicher Moral und linkem Idealismus einigermaßen irritiert waren.

Theodorakis vertonte hier Texte des ihm politisch gleichgesinnten Lyrikers Tasos Livaditis, die einfühlsam ins Deutsche übersetzt wurden. Partisanen gehen hier als Heilige durch; Che Guevara wird verehrt und Anne Frank beweint. Es ist ein großes Versäumnis der Veranstalter, die metaphernreichen Verse nicht im Programmheft abzudrucken.

Chorleiter Peter Kopp war als 16-jähriger Kruzianer selbst an der Uraufführung und der anschließenden Eterna-Plattenproduktion beteiligt. Seither hat ihn das eindringliche Werk nicht losgelassen.

Theodorakis’ 90. Geburtstag wurde nun zum Anlass für die Wiederaufführung. Mit dem Vocal Concert fand Kopp das richtige Ensemble, um die 14 Klagegesänge zu meistern. Die vielfältigen, drei- bis zehnstimmigen Gesänge stellen für jeden Chor eine Herausforderung dar.

Einflüsse byzantinischer Kirchenmusik treffen hier auf Synagogengesang. Verzwirbelte Koloraturen stehen neben jazzigen Grooves, abgeklärte Choräle neben Agitprop-Sprechgesang. Das Vocal Concert bot eine mustergültige Interpretation dieses kontrastreichen, bei aller Strenge stets leidenschaftlichen Stücks.

Den Abschluss macht das „Morgengebet“, in dem die fünf Kontinente friedlich miteinander tanzen – eine Utopie, von der sich Theodorakis inzwischen verabschiedet hat. Anlässlich seines Geburtstages meinte er: „Die größte Enttäuschung meines Lebens besteht darin, dass ich aus ihm scheiden werde, ohne Griechenland so zu erleben, wie ich es mir erträume.“

Von Antje Rößler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?