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Partner-wechsel-dich-Spiel im Q-Hof

Premiere von Woody Allens „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ Partner-wechsel-dich-Spiel im Q-Hof

Andrew Hobbs, ein Wall-Street-Banker und Hobby-Erfinder, und seine Ehefrau Adrian erwarten auf ihrem Landhaus Gäste. Unter den Anwesenden entspinnt sich schnell ein Partner-wechsel-dich-Spiel mit allerlei Missverständnissen. Das Stück „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ erzählt zudem über Verführung, verpasste Chancen und enttäuschte Erwartungen

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Singen gemeinsam (v.l.): Andrew, Leopold, Adrian, Dulcy, Ariel und Maxwell. Waldgeist Puck (vorne) begleitet das Ensemble an der Gitarre.

Quelle: Constanze Henning

Potsdam. Ein undefinierbares Scheppern erfüllt die Szenerie. „Andrew, ist alles ok?“, ruft Adrian ihrem Gatten besorgt zu. „Ja, nichts schlimmes. Aber mein fliegendes Fahrrad funktioniert!“, kommt es erfreut zurück. Wir sind mittendrin im Leben von Adrian und Andrew Hobbs, einem der drei Paare, um die sich Woody Allens „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ dreht. Das Stück feierte am Donnerstag Premiere in Potsdam.

Andrew Hobbs, ein Wall-Street-Banker und Hobby-Erfinder, und seine Ehefrau Adrian erwarten zum Wochenende auf ihrem Landhaus Gäste: Eingeladen sind Andrews Freund, der Arzt Maxwell Jordan und seine aktuelle Liebschaft, die Krankenschwester Dulcy. Außerdem Adrians Cousin, Leopold Sturgis, angesehener Philosoph und Schöngeist mit seiner Verlobten Ariel.

Noch bevor die Gäste eintreffen, erfährt der Zuschauer, dass Andrew (Jörg Vogel) und Adrian (Gislén Engelmann) an Eheproblemen zu knabbern haben. Was fehlt ist – der Titel des Stücks lässt’s vermuten – der Beischlaf. Ein halbes Jahr leben die beiden nun schon abstinent. Dabei scheinen sie sonst ein so eingespieltes Team, das wahre Zuneigung füreinander empfindet. Jörg Vogel und Gislén Engelmann spielen das Ehepaar Hobbs so überzeugend, man wünscht ihnen vom ersten Moment an, dass ihre Ehe nicht am fehlenden Liebesspiel zerbricht.

Der selbstbewusste Arzt Maxwell kommt mit Pornobrille á la Atze Schröder daher. Er und seine viel zu junge Begleitung Dulcy – Andrew fragt bei ihrer Ankunft spöttisch: „Und wann wird sie zwölf?“ – scheinen alles zu haben, nur keine Probleme im Bett. Während Maxwell alias Reiner Gabriel mit durchgedrücktem Kreuz über die Bühne schreitet, geht Barbara Fressner als Dulcy unter: Mit ihrer stets zu knappen und zu durchsichtigen Kleidung hat sie es schwer, sich zwischen den zivilisierten Erwachsenen zu behaupten. Wenn sie so mit ihren Pippi-Langstrumpf-Zöpfen trotzig über die Bühne trampelt, ist man geneigt, ihr links und rechts eine Ohrfeige zu verpassen. Aus ihr kann doch so viel mehr werden als das naive Sexsymbol einer Krankenschwester!

Seit über 15 Jahren als freies Theater erfolgreich

Der Originalfilm „Eine Sommernachts-Sexkomödie“ von und mit Woody Allen wurde 1982 in den USA gedreht.

Die Potsdamer Schauspielgruppe Poetenpack feierte im vergangenen Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Seit 2006 ist das Theater mit seinen Inszenierungen regelmäßig in ganz Deutschland auf Tour.

Im Zentrum des Repertoires stehen Klassiker-Inszenierungen, besonders Shakespeare und Kleist. Diese werden u.a. ergänzt durch Stücke zur deutsch-jüdischen Geschichte und Künstlerporträts.

Das Poetenpack zeigt etwa 100 Aufführungen pro Jahr.

Die dritte Facette einer Liebesbeziehung verkörpern Leopold und Ariel. Kühl und distanziert – Willi Händler und Nadine Rosemann spielen ein wunderbar versnobtes Paar, dass sich allenfalls flüchtig auf die Wange küsst.

Im Laufe der Geschichte entspinnt sich ein Partner-wechsel-dich-Spiel mit allerlei Missverständnissen. Das Stück erzählt über die zahlreichen Spielarten der Liebe, über verpasste Chancen und enttäuschte Erwartungen. Dabei wird an Doppeldeutigkeiten nicht gespart, die Dialoge sind auf den Punkt und entlocken dem Publikum Lacher, die von Herzen kommen. Beim Ende des Stückes hätte Regisseur Andreas Hueck allerdings gerne noch mal den Rotstift ansetzen dürfen. Bis auch die letzte Wirrung aufgelöst wurde und jeder beim Partner seiner Wahl angekommen ist, dauert es.

Erwähnung finden muss indes unbedingt die Rolle des Waldgeistes Puck (Arne Assmann), inspiriert von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Er sorgt mit Gitarre, Saxofon, Akkordeon und anderen Instrumenten für die Vertonung der Szenen. In Erinnerung bleibt vor allem das Fluggeräusch eines nicht vorhandenen Badminton-Balls, das mit Hilfe einer Querflöte imitiert wird.

Das Bühnenbild überzeugt durch Schlichtheit, hat aber alles, was für das Stück vonnöten ist. Die drei großen goldenen Quadrate erinnern an altertümliche Bilderrahmen und sind sowohl Lichtung im Wald als auch Anwesen von Andrew und Adrian. Aus dem mittleren Quadrat ragt ein schiefstehender weißer Holztisch heraus, der im Laufe der Geschichte immer mehr zum Symbol für den Schiefstand der einzelnen Liebesbeziehungen gerät: Auf den ersten Blick erfüllt er seinen Zweck, beim genaueren Hinsehen aber erkennt man, dass ihn jede Belastung auf eine harte Probe stellt.

Nächste Aufführungen: 18. Juli, 23. bis 25. Juli und 30. Juli bis 1. August, 20 Uhr, sowie am 26. Juli um 17 Uhr. Karten unter 0331/9791291. Q-Hof, Lennéstraße 37, Potsdam.

Von Josephine Mühln

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