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Kultur Mondianos neues Buch „Schlafende Erinnerungen“
Nachrichten Kultur Mondianos neues Buch „Schlafende Erinnerungen“
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17:25 29.10.2018
Patrick Modiano. Quelle: imago stock&people
Potsdam

Lassen sich Träume kontrollieren? Kann man sie lenken, ihnen vorsätzlich eine andere Richtung geben? Als Schriftsteller ist das auf jeden Fall möglich. Seit 50 Jahren nun schon schreibt der Franzose Patrick Modiano an seiner Traumprosa. Mehr als 30 Bücher hat er veröffentlicht, es bis zum Literaturnobelpreis (2014) gebracht. Zusammengelesen ergeben alle seine Texte ein einziges großes Werk.

Eine erträumte Biografie

Auch mit „Schlafende Erinnerungen“, dem aktuellen, in Frankreich 2017 erschienenen Buch (Original: „Souvenirs Dormants“), das Elisabeth Edl gewohnt souverän ins Deutsche übersetzt hat, schreibt Patrick Modiano weiter an seiner erträumten Autobiografie. Auf das Wörtchen Roman auf dem Umschlag hat er diesmal bewusst verzichtet. Das spielt aber auch gar keine Rolle bei den Erinnerungen dieses „skeptischen Romantikers“, wie er in seiner Heimat oft genannt wird, in dessen schwebender Prosa sich Wirklichkeit und Fiktion ohnehin nicht auseinanderhalten lassen.

Als er anruft, nimmt niemand ab. Nie mehr.

Im neuen Buch sind es die Frauen seiner Jugend, denen er schreibend nachspürt. Dem Mädchen, vor deren Haus er mit 14 tagelang wartete. Am Telefon sagte sie, er solle sie nächste Woche noch mal anrufen. „Dann können wir uns verabreden. Es ist kompliziert … Ich wohne nicht bei meinem Vater … Ich werde Dir alles erklären.“ Doch als er wieder anruft, nimmt niemand ab. Nie mehr. Also treibt er sich vor ihrem Haus herum, in der Hoffnung, sie wieder zu sehen. Mit 19 ist es dann eine gewisse Geneviève Dalame, die er in einer okkultistischen Buchhandlung kennenlernt. „Sie geht neben ihrem Leben her.“ Nach den Séancen, die er mit ihr besucht, bringt er sie zurück in ihr Hotel. Eines Tages ist sie verschwunden. Sechs Jahre vergehen bis er sie zufällig auf der Straße wiedersieht mit ihrem kleinen Sohn an der Hand. Doch er schafft es nicht, sie nach ihrem plötzlichen Verschwinden zu fragen.

Was erzählt wird, ist Nebensache

Mehr als 50 Jahre später blättert Modianos Erzähler-Ich in seinen Notizheften. „Tausend und abertausend Doppelgänger von dir gehen die tausend Wege, die du an den Kreuzungen deines Lebens nicht genommen hast, und du selbst hast geglaubt, es gäbe nur einen einzigen.“ Fragmentarisch mutet so manches von Modianos Büchern an. Die collageartigen Erinnerungen im neuen aber, dem ersten, das er nach dem Nobelpreis geschrieben hat, sind noch diffuser. Eine Geschichte, die alles zusammenhält, wie noch in „Damit du dich im Viertel nicht verirrst“ (2014), gibt es diesmal nicht. Was er erzählt, wird zur Nebensache durch die Art, wie er erzählt. Diesem oszillierenden Ton kann man sich gar nicht entziehen. Sprache wird hier zum Ereignis.

Patrick Modiano: Schlafende Erinnerungen. Hanser, 112 Seiten, 16 Euro,

Von Welf Grombacher

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