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Patti Smith predigt gegen Trump

Konzert in der Zitadelle Spandau Patti Smith predigt gegen Trump

Patti Smith gilt als Vordenkerin des Punk. Das Konzert in der Zitadelle Spandau gerät aber zum andächtigen Folk-Abend. Die 70-jährige Protestsängerin rezitiert Gedichte, appelliert an die kreative Kraft ihrer Fans und erwähnt eine gewisse „unqualifizierte Person“. Ein Schelm, der dabei an US-Präsident Donald Trump denkt.

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Die Haare weiß, die Hände nach vorne gestreckt, wirkt Patti Smith eher weise als wild.

Quelle: dpa (Archiv)

Berlin. Patti Smith wirkt wie ein liebes Schlossgespenst. Die Haare weiß, die Hände nach vorne gestreckt. Eben noch, sagt die US-Sängerin, habe sie von einem Aussichtspunkt in der Zitadelle Spandau aus beobachtet, wie die tausenden Besucher von weit her auf die Burg geströmt seien. Das mache sie stolz. Sagt’s und bedankt sich bei „meinem geliebten Berlin“.

Einst überforderte der über Nacht erworbene Heldenstatus Patti Smith. Mehr als 40 Jahre ist das her, ihr Debütalbum „Horses“ gilt bis heute als eines der besten Alben der Rockgeschichte. Die junge durch die Gassen der Welt streunende Lyrikerin war plötzlich zum Rockstar mutiert, jeder wollte was von ihr.

Hohepriesterin und Gallionsfigur

Beim Konzert am Dienstagabend kann sie gut damit umgehen, Gallionsfigur zu sein. Die Hand, die damals zu harten Drogen griff, schiebt sich heute die Lesebrille auf die Nase und rezitiert Gedichte. Sie wirkt eher weise als wild, predigt Liebe, Frieden und Freiheit und spricht mit ihrer brüchig schönen Stimme im Stil einer Hohepriesterin: „Fühl deinen kreativen Geist.“

Die Vordenkerin des Punk frönt längst lieber dem Folk. Ihre Band schrammelt eine reduzierte Version des epischen Beatles-Werks „A Day In The Life“ und entkitscht anlässlich des 40. Todestags von Elvis Presley seinen Schmachtfetzen „Can’t Help Falling In Love“. Auch sonst brilliert Smith darin, sich fremde Stücke anzueignen. Das von den mehr als 7000 Fans euphorisch mitgesungene „Gloria“ stammt zum Beispiel eigentlich von Van Morrison. „Mothers Of The Dissappeared“ von U2 verliert in der Smith-Version den schwülstig hymnischen Klang des Originals. Es ist eine bittere Anklage und dreht sich um den Kampf lateinamerikanischer Mütter, deren Kinder während der Militärdiktatur verschwunden sind.

Protestsong gegen „unqualifizierte Person“

Politisches spielt auch sonst eine wesentliche Rolle an diesem lauen Spandauer Sommerabend. Neben „Because The Night“ gibt Smith mit „People Have The Power“ auch ihren zweiten ganz großen Hit zum besten. In der Ansage zu dem Protestsong spricht sie vom Frust, jeden Tag in den USA aufzuwachen und die Nachrichten zu hören. Sie schafft es, Donald Trump eine mitzugeben, ohne ihn namentlich zu nennen. Diese gewisse „unqualifizierte Person“ sei unerträglich. Dann verabschiedet sich Smith mit dem Protestsong von ihrer Gemeinde. Alt- und Neu-Hippies, Feministinnen und Feministen, Punks im Geiste und in echt – sie alle recken ihre Fäuste in die Luft.

Von Maurice Wojach

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