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Kultur Perry Rhodan-Jubiläum: Ein Held mit Zukunft
Nachrichten Kultur Perry Rhodan-Jubiläum: Ein Held mit Zukunft
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10:00 09.02.2019
Erfolgsautor Andreas Eschbach hat Kindheit, Jugend und berufliche Anfänge Perry Rhodans in einen 850-Seiten-Roman gefasst – ein Prequel zur Saga, die dieser Tage ihr 3000. Heft feiert. Quelle: Arndt Drechsler/Pabel-Moewig Verlag
Hannover

Der Weltraum gehörte in Deutschland ab dem 13. September 1961 Perry Rhodan aus Manchester, Connecticut. Kaum hatte John F. Kennedy im Mai jenes Jahres den Flug zum Mond angekündigt, brachte der Moewig-Verlag auch schon seinen fiktiven amerikanischen Astronauten mit deutschen Wurzeln in die Heftromanregale der Bundesrepublik. Und prompt auf den Erdtrabanten.

Im ersten Heft, „Unternehmen Stardust“, glückte Rhodan die Mondlandung zwar erst 1971, dafür fand er dort – anders als der echte Mondmann Neil Armstrong, dessen fantastische Reise in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum feiert – das gestrandete Schiff außerirdischer Raumfahrer.

Von da an ging es bis zur Unendlichkeit, Unsterblichkeit (durch einen Zellaktivator), zu tausendundeiner Alienspezies und noch viel weiter. Bis heute schlägt die Science-Fiction-Fabel, von der am 14. Februar Band 3000 erscheint, hierzulande wöchentlich 60 000 Leser (laut Verlag sind 80 Prozent männlich, Durchschnittsalter 45, gehobene Bildung, überdurchschnittliches Einkommen) in den Bann.

„Abenteuer auf anderen Planeten machen einfach mehr her“

„Es ist die längste, fortlaufende Erzählung aller Zeiten“, weiß Rhodan-Fan An­dreas Eschbach (59), einer der großen europäischen Sci-Fi-Autoren („Das Jesus-Video“, „NSA“), der selbst eine Weile Luft- und Raumfahrttechnik studiert hat. Wollte er mal Astronaut werden? „Das war der Plan, als ich ins Gymnasium kam: ein Raumschiff bauen und auf einen anderen Planeten auswandern und zwar so schnell wie möglich. Die Technik war leider noch nicht so weit. Und jetzt sitzen wir hier.“

Was nicht so schlimm ist, denn man hat ja beim Hiersitzen durchaus was zu lesen. Eschbach hat Kindheit, Jugend und berufliche Anfänge Perry Rhodans in einen 850-Seiten-Roman gefasst – ein Prequel zur Saga sozusagen. Als Gastautor hatte er zuvor schon sechs der Hefte geschrieben („mehr als mancher feste Teamautor“). Das passt zusammen, denn der Autor ist selbst Leser seit Kindertagen.

Perry Rhodan hat bei mir mit Karl May konkurriert. Und ihn aus dem Feld geschlagen, weil Abenteuer auf anderen Planeten einfach mehr hermachen“, erinnert der Schriftsteller sich an die Zeit, nachdem ihm sein späterer bester Freund Heft Nummer 11, „Mutanten im Einsatz“, ausgeliehen hatte. „Ich habe erst mal nichts kapiert, war aber hin und weg. Und wollte mehr.“ Damit konnte der Freund zum Glück aufwarten: „Er tauschte die Dinger bei irgendjemandem gegen Kaninchenfutter ein.“

„Perry Rhodan – Das grösste Abenteuer“ von Andreas Eschbach Quelle: Verlag

Und jetzt bettet Eschbach das Kind, den Teenager, den jungen Piloten und Raumfahrer Rhodan ein in die tatsächliche Geschichte der Sechzigerjahre, in die Dekade von Beatles und Lyndon B. Johnson, und erzählt auch die Mondlandung unter Einbeziehung des Apollo-Programms neu.

Perry Rhodan, so erfährt man, hat als Kind am Schicksal seines schwarzen Freundes Leroy Washington den Rassismus in Amerika erlebt, war in Vietnam und bei den Studentenunruhen 1968 in Paris. Er sammelt Erfahrungen, die ihn in reiferen Jahren zu dem untadeligen, über 1000 Jahre verlässlich gewählten Großadministrator machen.

Zuvor war nur in drei der 3000 Romane auf Rhodans Kindheit Bezug genommen worden. „Ich hatte völlig freie Hand“, sagt Eschbach, der seine Erfindungen dennoch eng mit der Rhodan-Redaktion und den Exposé-Autoren abstimmte. „Mein Ziel war schon, dass man diesen Roman als kanonisch betrachten wird, dass er mit der Heftserie so kompatibel wie möglich ist.“

Zu nah an heutigen Politpopulisten?

Ist die Figur Perry Rhodan, die unbeirrt der eigenen Nase folgt, nicht den selbstherrlichen Politpopulisten unserer Zeit allzu nahe? Und klingen die Namen von Herrschaftssystemen wie „Dritte Macht“ und „Galaktisches Imperium“ nicht zu alleinherrscherisch und martialisch in demokratischen Ohren?

„Mit dem Blick von heute lesen sich die ersten Hefte in politischer Hinsicht oft grauslich“, räumt Eschbach ein. „Das ,Solare Imperium’, das über tausend Jahre lang existiert hat, war ganz klar ein Militärstaat, in dem es vor allem darum ging, noch mehr und noch größere Raumschiffe mit noch größeren Waffen zu bauen.“

Und dennoch ist die zentrale Figur für ihn kein bisschen Krieger. „Rhodan ist eher eine Figur wie Old Shatterhand. Für Rhodan wie für Shatterhand ist es von zentraler Bedeutung, moralisch einwandfrei zu handeln, und zwar wichtiger, als Erfolg zu haben. Das ist der Glanz, der diese Figuren auszeichnet.“

Heft 3000 ist ein Neubeginn

Und ist der Alleskönner, der in Eschbachs Buch schon „Liebling der Lehrer, Idol der Mitschüler“ war, in diesem, seinem Glanz nicht auch zuweilen langweilig wie Superman? „Die Gefahr besteht“, sagt Eschbach. „Es war auch eins der Ziele in meinem Roman, ihn zumindest ein wenig realistischer zu zeichnen – als einen Menschen der Fehler hat.

Dass er zeitlebens ein schrecklicher Vater war, ist beispielsweise nicht zu bestreiten. Sein Umfeld sieht das auch, aber er selbst nicht so richtig. Auch das bricht, so glaube ich, das makellose Bild des Supermanns.“

Das in der nächsten Woche erscheinende Heft 3000 ist ein Neubeginn, eröffnet den„Mythos“-Zyklus, spielt Ende des sechsten Jahrtausends. Nach langer Reise kehrt Perry Rhodan in die Milchstraße zurück. Die Erde gilt inzwischen als eine Erfindung, ein Planet, den es nie gegeben hat. „Der neue Handlungszyklus soll es auch neuen Lesern ermöglichen, in das Rhodan-Universum einzusteigen“, erklärt Chefredakteur Klaus N. Frick.

„Wir würden eine gut gemachte Fernsehserie begrüßen“

Warum gibt es von Perry Rhodan, der unter anderem auch in China, Japan und Brasilien erscheint, und immerhin fünf Jahre länger in der Popkultur unterwegs ist als Captain Kirk und Mister Spock sowie stolze 16 Jahre länger als Luke Skywalker und Han Solo, keine Filmtrilogien? Ein schreckliches C-Movie von 1967 ist die ganze Kino-Ausbeute.

„Möglicherweise gibt es im deutschsprachigen Raum nicht den Partner für eine solche Verfilmung“, sagt Frick, „zuletzt sprach unsere Geschäftsführung mit Produzenten aus den USA.“ Wo Rhodan freilich so wenig bekannt ist wie Old Shatterhand. Und wie wäre ein Platz im sogenannten Qualitätsfernsehen? „Wir würden eine gut gemachte Fernsehserie begrüßen, die ,Perry Rhodan’ für das große Publikum umsetzt. Bisher sind entsprechende Versuche – über die ich leider nichts sagen kann – aber nicht weit genug gediehen.“

„Erzählerisch ist diese riesige Geschichte derzeit in Hochform“: Science Fiction-Autor Andreas Eschbach hat einen Roman über die prägenden Jahre des Kult-Raumfahrers Perry Rhodan geschrieben. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Die Zukunft gehört Rhodan auch weiterhin, Band 4000 ist für Frick vorstellbar: „Ob wir allerdings in 20 Jahren noch gedruckt erscheinen oder nur noch digital veröffentlichen, kann ich nicht sagen.“ Auch Eschbach ist optimistisch: „Erzählerisch ist diese riesige Geschichte derzeit in Hochform. So fantasievoll und wagemutig war sie schon lange nicht mehr, wenn überhaupt je.“

Hat Eschbach als Kind mal davon geträumt, wie es wäre, Perry Rhodan zu sein. „Kann sein“, sagt er, „aber viel lieber wäre ich Commander McLane gewesen.“ Jener McLane war Chef auf dem schnellen Raumkreuzer Orion, der 1966 in der deutschen TV-Serie „Raumpatrouille“ mit eingebauten Bügeleisen gesteuert wurde. „,Raumpatrouille’ kam vor allem anderen, und dieser viel zu kurzen Serie gehört mein Herz bis heute.“

Was er von alldem, was heute noch Sci-Fi ist, am liebsten erleben würde, wäre ganz klar der Kontakt mit Außerirdischen: „Theoretisch könnte es ja jeden Tag so weit sein, nicht wahr?“

Von Matthias Halbig

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