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Peter Berndt zeigt Alleen-Gemälde in Rathenow

Ausstellung Peter Berndt zeigt Alleen-Gemälde in Rathenow

Der Berliner Künstler Peter Berndt (79) malt Alleen, seit dem Mauerfall vor allem in Brandenburg. Nun ist eine Auswahl von 44 Gemälden im Kulturzentrum Rathenow zu sehen. Berndt komponiert die Landschaften, das heißt, er hält sich nicht an jede originale Verästelung der Bäume – stets malt er sie aus Sicht des Autofahrers. Und verrät, warum die Alleen sein Lebensthema sind.

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Stets zeigt Peter Berndt die märkischen Alleen aus der Autoperspektive - es geht ihm nicht um die Naturstudien, sondern um die Darstellung von Geschwindigkeit.

Quelle: Lars Grote

Rathenow. Peter Berndt legt seine Stirn in Falten, wenn man ihm mit Kiefern kommt. Er murmelt, und es wirkt, als beiße er nervös auf einem Kaugummi – der sonst so aufgeräumte Mann klingt nun, als brauche er gleich eine Pille gegen Kopfschmerz. Berndt, 79 Jahre alt, ist Maler, eigentlich sind ihm die Bäume allesamt ans Herz gewachsen, denn er nimmt seine Motive so, wie Gott sie schuf. Doch dann befreit sich dieses Murmeln und das Unwohlsein in einem Satz, den er mit einem Seufzer unterlegt: „Die Kiefer hat ja nichts zu bieten außer ihrem rötlich angehauchten Stamm.“

Berndt liebt die Brandenburger Bäume, weil sie Wirkung zeigen. „Sie stehen allesamt zu ebener Erde, das macht sie imposant. Gucken Sie nach Bayern, dort sehen sie wie Zwerge aus, weil immerzu ein Berg daneben thront“, urteilt der Maler. Es sei nur ein Gerücht, dass Brandenburg geprägt sei von der Kiefer, glaubt er, und zeigt mit ruhiger Hand auf seine Bilder, mannshoch, in Mischtechnik gehalten, zumeist mit Öl gemalt. Wie zum Beweis zählt er die Arten auf, die dort zu sehen sind: Linde, Kastanie, Eiche, Ahorn. Grün in allen Schattierungen. Berndt, komplett in Schwarz, sein Kopf ist kahl, steht wie ein Kontrapunkt daneben. So ruhig, als gebe er den Bildern eine Wurzel.

Wie eine Achterbahn, die gleich ins Tal hinunterjagt

Peter Berndt ist ein Chronist der märkischen Bäume, er malt sie aus der Sicht des Autofahrers, nun stellt er 44 der Gemälde im Kulturzentrum von Rathenow (Havelland) aus. „Das sind keine Naturstudien, es geht mir darum, die Geschwindigkeit zu zeigen.“ Das Laub auf seinen Bildern ist verwischt, die Fahrbahn hat die Anmutung von einer Achterbahn, die gleich ins Tal hinunterjagt.

Unterwegs macht Berndt sich keine Skizzen. Wenn ihm eine Allee gefällt, dann fährt er acht Mal hin und her in seinem Auto mit dem Schiebedach, bis er sich die Konturen eingeprägt hat. „In den Gärten an der Straße habe ich den Ruf des Wahnsinnigen. Die Leute denken: Da kommt er wieder, und gleich kommt er nochmal.“

Man hat ihm mal die Alleen von Rügen empfohlen, dort würden alte, würdevolle Bäume stehen. Berndt kam zurück, „ganz ohne Aufzeichnungen“. Die Bäume waren dicht, gezeichnet vom Wind, „sie formten einen Tunnel, kein Licht kam durch die Kronen.“ Das habe ihn nicht interessiert. Licht sei die Grundlage für jede Wirkung.

Den Straßenrand ins Zentrum rücken

Unter dem Titel „Wege übers Land“ zeigt der Maler Peter Berndt seine Gemälde von märkischen Alleen und Wasserlandschaften im Kulturzentrum Rathenow. Märkischer Platz 3, Di bis So 11-17 Uhr. Bis 12. Juni.

Peter Berndt wurde 1937 in Neugersdorf/Oberlausitz geboren. Er schloss das Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin als Meisterschüler ab. Bis 2002 lehrte er dort als Dozent.

Ein Aufenthalt mit Stipendium in der römischen Künstlervilla Massimo 1963 prägte seinen Stil, er suchte für seine Bilder die Perspektive des Autofahrers und malte den Straßenrand, zunächst vor allem Tankstellen oder junge Frauen.

Das Genre des Straßenrandes baute er in Deutschland zur Alleen-Malerei aus. Nach dem Mauerfall zog es ihn aus West-Berlin hinaus nach Brandenburg, wo er stetig nach Motiven sucht.

Oft wird er gefragt: Welche Straße hast du gemalt, wo liegt die? Peter Berndt kann das nur schwer beantworten. Denn er komponiert die Eindrücke, hält sich an die Charakteristik der Alleen, nicht haarklein an Verästelungen.

Verlässlich folgt dann eine zweite Frage: Warum malst du schon seit Jahrzehnten Bäume, ist das Motiv nicht irgendwann erschöpft? Berndt antwortet mit den Worten des großen Malers Matisse: „Fünf verschiedene Baumformen kann jeder malen. Hundert kriegt kaum jemand hin. Aber die wissenschaftliche Pflanzenkunde, das Herbarium, kennt 20 000 Baumschnitte.“ Wenn man die vier Jahreszeiten nehme und bedenke, dann wiederum zu jeder Stunde anderes Licht auf diesen Bäumen liege, komme man auf eine hübsche Summe an Motiven, die für diverse Menschenleben reicht.

Sein Freund Peter Becker hat ihm ein Gedicht geschrieben: „Ein Maler unterwegs auf den Straßen. / Er fährt und fährt, so lange, bis er meint die Bäume / am Straßenrand bewegen sich, fahren mit. / Richtig. Zuhause, vor der Leinwand stehend, sieht er, / dass ihm die Bäume gefolgt sind.“

Das Zuhause von Peter Berndt liegt am Berliner Kaiserdamm, „Autos stehen dort dicht an dich“, sagt er. Im Grunde sind Berndts Bilder also eine Form der Selbstbefreiung.

Von Lars Grote

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