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Nachrichten Kultur So wehren sich Brandenburger Theater gegen die AfD
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17:16 14.01.2019
Stein des Anstoßes: Das Stück „KRG“ des Jugendtheaters Piccolo in Cottbus. Quelle: Foto: Matthias Heine
Potsdam

Wenn das Theater die Justiz beschäftigte, ging es früher häufig um die Verletzung religiöser Gefühle. Mittlerweile haben Staatsanwälte und Richter immer wieder Inszenierungen zu prüfen, weil Rechtspopulisten Anstoß nehmen. Gegen das im Herbst 2015 uraufgeführte Stück „Fear“ von Falk Richter an der Berliner Schaubühne klagte unter anderem erfolglos die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, da Fotos von ihr verwendet wurden. Im westfälischen Paderborn zeigte der AfD-Kreisverband das Theater wegen Verleumdung und Volksverhetzung an. Die Lokalpolitiker nahmen an einer Grafik im Spielzeit-Heft Anstoß. Darin waren unter anderem Wahlergebnisse der NSDAP und der AfD gegenübergestellt. Die Staatsanwaltschaft nahm keine Ermittlungen auf, da es hierfür keine rechtlichen Voraussetzungen gab.

Klagen vor Gericht, Anfragen in den Parlamenten

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, beobachtet zunehmend Angriffe von rechts auf die Kunstfreiheit. „Verbal geschieht das auf eine aggressive, giftige Art. Im Grunde wird alles, was nicht AfD ist, als linksversifft bezeichnet. Außerdem gibt es den Weg über Gerichte und Kleine und Große Anfragen in den Parlamenten“, sagt der Intendant des Deutschen Theaters Berlin. An seinem eigenen Haus wurde 2018 die Performance „Global Gala“ von Anhängern der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ gestört.

AfD stellt die Kulturförderung in Brandenburg infrage

In Brandenburg hat die AfD im vergangenen Jahr angekündigt, die Kulturförderung im Land generell zu hinterfragen. Einen ersten Anlauf machte sie im November mit einer Kleinen Anfrage im Landtag, in der sie wissen wollte, aus welchem Grund das Cottbuser Piccolo-Theater vom Kulturministerium gefördert werde. Anlass war das Stück „KRG – Eine Heimatbetrachtung“ des Jugendtheaters, das die Ängste und den Unmut von Bürgern gegenüber Migranten thematisiert. Seitdem bangen auch in Brandenburg Kulturschaffende um die Freiheit der Kunst. „Die Anfrage der AfD war legitim, aber man denkt schon: Nachtigall, ich hör dir trapsen“, sagt Matthias Heine vom Piccolo-Theater.

„Multi-Kulti“ ist ein Schimpfwort

„Kultur lebt von unterschiedlichen Einflüssen, das erst macht sie lebendig“, sagt Manuela Lück, die als Bildungsreferentin der SPD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt arbeitet und die AfD-Kulturpolitik analysiert hat. Die Partei vertrete einen ausschließenden Kulturbegriff, der das Eigene mit Begriffen wie „Heimat“, „Identität“ und „deutsche Leitkultur“ überhöhe, sagt sie. Fremdes werde als „Multi-Kulti“ beschimpft. In ihrem Grundsatzprogramm bezeichnet die AfD die „Ideologie des Multikulturalismus“ als „ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit“.

Kürzung der Förderung verlangt

Der kulturpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Marc Jongen, wirft den Theatern vor, sich immer wieder „an den zwölf Jahren des Dritten Reichs“ abzuarbeiten. „So reduziert sich Theater zur antifaschistischen Erziehungsanstalt und beraubt sich selbst seiner künstlerisch-darstellerischen Vielfalt“, so Jongen. Er spricht davon, dass das politische Theater manipulativ auf das Publikum einwirke und missliebigen Konservativen „Schauprozesse“ mache. Deshalb stelle die AfD Anträge auf Kürzung von Subventionen.

Anzeige gegen Hamburger Kulturfabrik

Die künstlerische Leiterin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, Amelie Deuflhard, wurde von der AfD unter anderem wegen Schlepperei und eines Verstoßes gegen das Ausländergesetz angezeigt, weil Ende 2014 auf dem Gelände ein künstlerischer Aktionsraum für Flüchtlinge entstand. Ein Verfahren sei nie eingeleitet worden, sagt Deuflhard. Die AfD wende sich gegen die Kunst, weil dies Aufmerksamkeit erzeugt, glaubt die Theatermacherin. Auch die Schließung von Kampnagel, wo viele geflüchtete Künstler aktiv sind, werde immer wieder gefordert.

500 Einrichtungen haben die Erklärung der Vielen unterzeichnet

Deuflhard ist Koordinatorin der Bewegung „Die Vielen“ für Hamburg. Inzwischen haben bundesweit rund 500 Kulturinstitutionen die „Erklärung der Vielen“ verabschiedet. „Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es darin. Bisher wurden Erklärungen für Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Dresden veröffentlicht.

Brandenburg zieht am 1. Februar nach

In Brandenburg ist eine ähnliche Erklärung geplant. Unter Federführung von Bettina Jahnke, der Intendantin des Potsdamer Hans-Otto-Theaters, haben sich Kultureinrichtungen aus dem ganzen Land zusammengetan. Insgesamt stellen sich bislang mehr als 30 Institutionen hinter die Erklärung, die am 1. Februar in Cottbus verabschiedet wird. Neben dem Piccolo-Theater sind das Staatstheater Cottbus, die Bühnen in Brandenburg/Havel, Senftenberg und Schwedt, das Museum Barberini, das Landesmuseum und das Potsdam-Museum, das Einstein-Forum und die Filmfördergesellschaft Medienboard Berlin-Brandenburg dabei.

Von Christina Sticht und Mathias Richter

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