Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Pik-Forscher warnen vor Anstieg des Meeresspiegels

Gefahren des Klimawandels Pik-Forscher warnen vor Anstieg des Meeresspiegels

Der Potsdamer Wissenschaftler Anders Levermann hat am Institut für Klimafolgenforschung (Pik) den möglichen Anstieg des Meeresspiegels durch die globale Erwärmung genauer nachgerechnet. Er und seine Mitstreiter kommen zum Schluss, dass wir viel energischer den CO 2-Ausstoß bremsen müssten, wenn wir Städte wie Hamburg schützen wollen.

Voriger Artikel
Potsdamer Startup hat Erfolg mit Analysedienst
Nächster Artikel
Schiller erobert mit "Future" die Spitze der Charts

Könnte in 100 Jahren zumindest in Teilen überflutet werden: Die Hansestadt Hamburg.

Quelle: dpa

Potsdam. „Beunruhigt, aber nicht erschrocken“, nennt Anders Levermann, Forschungsbereichsleiter für Anpassung am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Wissenschaftler an der New Yorker Columbia-Universität seine derzeitige Verfassung. Seit Jahren befasst er sich mit dem Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des Klimawandels. Die Ergebnisse seiner zusammen mit Matthias Mengel, Katja Frieler, Alexander Robinson, Ben Marzeion und Ricarda Winkelmann erstellten Studie haben ihn daher  nicht vollkommen überrascht.

Überrascht hat ihn aber die Folgerichtigkeit, mit der früherer Vermutungen bestätigt wurden. Überrascht hat ihn auch, wie gut sich die parallel laufende Untersuchung seines Pik-Kollegen Stefan Rahmstorf über die Geschichte des Meeresspiegels ins Bild fügt. Demnach wird immer sicherer: Der Meeresspiegel wird weltweit um wahrscheinlich 50 bis 130 Zentimeter bis Ende des Jahrhunderts ansteigen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht entschlossen gesenkt wird.

Alle Faktoren des Meeresspiegelanstiegs einzeln berechnet

„Wir haben in unserer Studie die bekannte Methode für den Gesamtanstieg des Meeresspiegels erstmals auf die einzelnen Komponenten angewandt“, sagt Levermann der MAZ. Einbezogen hat Levermann das Schmelzen der grönländischen Eisfläche sowie der nördlichen Eisberge, die antarktische Eisschmelze und das Schmelzen südlicher Eisberge, schließlich die Ausdehnung erwärmter Ozeane und nicht zuletzt die Gletscherschmelze. Die neue Methode vereint frühere Studien. Levermanns Befund: Auch wenn die Nationen dem Pariser Klimaabkommen von 2015 folgen, steigt der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 im globalen Durchschnitt um mindestens 20, wenn nicht gar um 60 Zentimeter.

Was sich harmlos anhört, kann lokal dramatisch sein. „In der Nordsee zum Beispiel sind die Folgen besonders stark“, sagt Levermann. Dort steige der Meeresspiegel derzeit doppelt so schnell wie im globalen Mittel, weil sich das Land wegen der letzten Eiszeit ein wenig senkt. Für die Hansestadt Hamburg könnte das folgenschwer sein.

Teile von Hamburg müssen vielleicht aufgegeben werden

„Nach meinen Informationen rechnet der Küstenschutz derzeit damit, dass die Deiche noch um etwa 80 Zentimeter erhöht werden könnten“, sagt Levermann. Steige der Meeresspiegel etwa wegen mangelndem Klimaschutz doch stärker, könnte es sein, dass Teile von Hamburg langfristig aufgegeben werden müssen. Schlimmer noch treffe es Entwicklungsländer wie Bangladesh, für die Anpassung eine größere Herausforderung ist: „Dort gibt es schon jetzt fast jedes Jahr Überschwemmungen.“

Wenn die Politik das Schlimmste verhindern wolle, müssten demnach die CO 2-Begrenzungen, die die Nationen laut dem Pariser Abkommen bis zum Jahr 2030 erreichen wollen, eigentlich schon innerhalb der nächsten fünf Jahre erreicht werden. Levermann betont, dass es sich dabei nicht um eine Forderung, sondern um die Warnung von Klimaforschern vor möglichen Entwicklungen handele. „Der Anstieg des Meeresspiegels ist eher eine Gefahr für Dinge, als für Menschen“, betont Levermann. Natürlich könnten die Küstenbewohner dem Wasser ausweichen. Aber alte Kulturstädte wie Hamburg oder Wismar würden ihren Charakter verlieren, gingen Teile von ihnen ans Meer verloren.

Dass der menschgemachte Klimawandel eine Ursache für den Anstieg des Meeresspiegels ist, das zeigt auch eine von Levermanns Pik-Kollegen Stefan Rahmstorf begleitete Untersuchung. In den vergangenen 3000 Jahren ist der Meeresspiegel nie schneller gestiegen als im letzten Jahrhundert. „Unsere Studie ist für den Meeresspiegel so etwas wie die berühmte ‚Hockeyschläger-Kurve‘ für die globale Temperatur“, sagt Rahmstorf. Letztere Kurve zeigte, dass die globale Mitteltemperatur plötzlich in die Höhe schoss – parallel zum CO 2-Ausstoß durch die menschliche Industrie.

 

Von Rüdiger Braun

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?