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Piotr Beczała über einen "ziemlich großen Schritt"

Musik Piotr Beczała über einen "ziemlich großen Schritt"

Dresden erlebt das Opernereignis des Jahres: Wagners "Lohengrin" in Starbesetzung. An der Seite von Anna Netrebko fliegen dem polnischen Tenor Piotr Beczała die Herzen des Publikums zu.

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Der polnische Tenor Piotr Beczała wurde in Dresden umjubelt.

Quelle: Sebastian Kahnert

Dresden. Der polnische Tenor Piotr Beczała will nach seinem umjubelten Rollendebüt in Richard Wagners "Lohengrin" sein Repertoire Schritt für Schritt weiterentwickeln.

"Für mich geht es nicht um einen Fachwechsel, sondern um eine Facherweiterung. Das ist für mich das Schlüsselwort", sagte der 49-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Dresden.

In den vergangenen Tagen gab er an der Semperoper inmitten eines Starensembles sein Wagner-Rollendebüt. Der "Lohengrin" sei für seine Karriere ein "ziemlich großer Schritt nach vorn", sagte der Sänger.

Weitere Wagner-Partien schwebten ihm erst einmal nicht vor. Der Stolzing in den "Meistersingern" oder der Erik im "Fliegenden Holländer" seien für ihn zwar machbar. Allerdings finde er die Figuren nicht so interessant wie den Lohengrin: "Es gibt eine große Palette an Rollen - warum soll man sich mit welchen quälen, die man nicht mag?" Er sei froh und glücklich, dass er sich um Angebote keine Sorgen machen müsse. "Am meisten mag ich Rollen, die auf der Grundlage großartiger Literatur entstanden wie Charles Gounods "Faust"."

Beczała, der als einer der weltbesten Tenöre gilt, plädiert für eine bedachtsame Karriereplanung. Er habe genau beobachtet, wie viele seiner Kollegen durch ein falsches Vorgehen ihre Stimme ruinierten: "Man muss eine klare Vorstellung haben, in welche Richtung es gehen soll. Das kann man nicht allein von Angeboten oder vom Spaßfaktor abhängig machen." Er plane jetzt bereits die Saison 2020/2021 und müsse dabei bedenken, wohin sich seine Stimme entwickle. "Durch falsche Projekte kann die Stimme an Qualität einbüßen. Deshalb muss man verantwortungsbewusst entscheiden."

Piotr Beczała vergleicht das Singen mit Hochleistungssport. Nicht zuletzt der Wechsel vom lyrischen ins dramatische Fach brauche seine Zeit: "Man gewöhnt sich an die neue Spannung im Körper, an die neuen Belastungen. Das ist wie bei einem Bodybuilder." Bei diesem wachse die Muskelmasse auch nicht innerhalb eines halben Jahres - es sei denn, er verwende Anabolika. "Aber auf natürliche Weise kann man das nur durch mühsame, gezielte Übungen machen. So ist das auch mit der Stimme." Wer das nicht berücksichtige, könne leicht scheitern: "Von zehn Fachwechseln gehen neun in die Hose."

Beim Rollendebüt im "Lohengrin" hätten ihn anfangs durchaus Zweifel beschlichen, bekennt Beczała. Doch Dirigent Christian Thielemann habe sie ausgeräumt. Nicht zuletzt sei die Besetzung mit Anna Netrebko das Argument gewesen, den Lohengrin gerade in Dresden zu singen: "Ich bin mit ihr seit vielen Jahren befreundet. Es geht nicht nur darum, dass die Stimmen zusammenpassen. Auch die Atmosphäre ist wichtig."

Beczała räumt ein, nach der ersten von insgesamt vier Dresdner Vorstellungen eine große Erleichterung gespürt zu haben: "Schon nach dem ersten Akt war der Applaus ungewöhnlich groß. Die Leute waren begeistert. Da habe ich zu Anna auf der Bühne gesagt: So, jetzt können wir eigentlich aufhören. Besser kann es gar nicht werden." Am Sonntag steht die letzte Vorstellung auf dem Programm.

dpa

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