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Plattner über den Wertverlust seiner Bilder

Gastbeitrag zum Kulturschutzgesetz Plattner über den Wertverlust seiner Bilder

Mäzen und Unternehmer Hasso Plattner meldet sich in der Auseinandersetzung um das geplante Kulturschutzgesetz von Kulturstaatsministerin Monika Grütter (CDU) in einem Gastbeitrag zu Wort. Plattner hat gewarnt, seine Bilder namhafter Expressionisten und Impressionisten nicht an das Potsdamer Museum Barberini zu geben, sollte das Gesetz in Kraft treten.

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Kunstsammler Hasso Plattner.

Quelle: DPA

Potsdam. In der Auseinandersetzung um das geplante „Kulturschutzgesetz“ von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) meldet sich Mäzen Hasso Plattner jetzt in einem Gastbeitrag in der MAZ zu Wort. Vorausgegangen war eine Warnung des 71-jährigen Software-Milliardärs und Kunstsammlers, seine Bilder nicht an das Potsdamer Museum Barberini zu geben, sollte das Gesetz in Kraft treten.

Plattner und andere Sammler fürchten, dass bei einem Eintrag ihrer Werke ins Verzeichnis für nationales Kulturgut, Käufer im Ausland wegbleiben und die Preise sinken. Plattner besitzt unter anderem Werke des Impressionismus, die er in den USA deponiert hat.

Hintergrund des umstrittenen Gesetzes ist, Ein- und Ausfuhren so zu regulieren, dass Kunst nicht für reine Profitzwecke missbraucht werden kann. Plattner schreibt:

„Das Ministerium verweist auf Grenzwerte (mehr als 50 Jahre alt, mehr als 150 000 Euro Wert). Kein Bild der Sammlung Plattner, das einmal nach Potsdam kommen soll, liegt unterhalb dieser Schwelle. Auch eine angekündigte Erhöhung der Schwelle würde nicht helfen.

Alle Bilder sind auf dem internationalen Kunstmarkt erworben worden. Die Sammlung wird in meine Stiftung übertragen werden und diese hat die Verpflichtung, das Vermögen zu wahren und die Erlöse dem Stiftungszweck zuzuführen. Ein Wertverlust von mehreren Hundert Millionen ist in der Stiftung nicht zu verantworten.

Die Bilder der Sammlung wären in Deutschland einmalig und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht als nationales Kulturgut eingestuft werden. Nach Aussage der Ministerin soll ,...jedes bedeutsame Werk eines Künstlers von internationalem Rang auf die Liste, das dauerhaft in Deutschland verwahrt worden ist...’

Die Sammlung umfasst bedeutende Werke solcher Künstler: u.a. Monet, Renoir, Pissarro, Caillebotte, Sisley, Derain, Vlaminck, Dufy, Kandinsky, Nolde, Munch, Schmidt-Rottluf, Ernst, Winter, Marini, Francis, Tamayo. Viele der Bilder kommen aus bekannten Museen und Sammlungen. Alle Bilder wären ein Import nach Deutschland und damit eine Bereicherung des Kulturguts in diesem Land. Sollten alle diese Bilder nicht als nationales Kulturgut eingeschätzt werden, weiß ich nicht, was das Gesetz eigentlich soll. Alle Bilder von 1870 und später wären damit kein nationales Kulturgut mehr. Und was ist mit einem Bild von Munch, dem Österreich über 50 Jahre lang die Restitution versagt hat? Kein nationales Kulturgut?

Das Ministerium verweist auf die EU-Richtlinie zur Ausfuhr von Kulturgütern. Die Entscheidung, welche Bilder nicht aus der EU ausgeführt werden dürfen, liegt aber genau wieder bei dem jeweiligen Land.

Aus der Vita

Hasso Plattner (71) gründete 1972 das Software-Unternehmen SAP, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er heute ist.

Seit dem Rückzug aus dem Tagesgeschäft der SAP engagiert sich Plattner als Mäzen. Er spendete erhebliche Summen für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses. Im Palais Barberini will der Kunstsammler ein Museum einrichten, in dem Werke des Impressionismus, Expressionismus und DDR-Moderne ihren Platz finden sollen.

Die EU-Richtlinie und das geplante Gesetz machen für Bilder keinen Sinn, insbesondere wenn man annimmt, dass Deutschland als reiches Land ein Kulturgut-Importeur ist. Alle Länder, auch die USA, haben ähnliche Gesetze, aber schauen Sie sich einmal an, was dort geschützt wird. Einmal mehr zeigen die USA, was ein freies Land ausmacht. Es ist nicht verwunderlich, dass die Engländer über den Verbleib in der EU abstimmen wollen. Sollte das Undenkbare geschehen und Großbritannien die EU verlassen, werden andere wie die Skandinavier folgen. Eine immer größer werdende Bürokratie schafft Verdruss in allen Ländern der EU. Aber das ist ein anderes Thema.

Für die geplante Ausstellung der Sammlung Plattner und Freunde müssen nach dem neuen Gesetz Einfuhrgenehmigungen eingeholt werden. Dann kann das Land Brandenburg ja die Eignung zum nationalen Kulturgut überprüfen. Nach der Ausstellung gehen die Bilder wieder in die USA. Ob sie dort für immer bleiben, hängt von dieser Einschätzung ab. Aber was sagte die Ministerin ,... die Einschätzung kann sich (im Laufe der Zeit) ändern’.“

Von Hasso Plattner

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