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Plüschtiere in Öl

Malerei Plüschtiere in Öl

Es geht um kuschelige Teddys, und eigentlich doch um viel mehr. Christoph Löffler malt seit 15 Jahren Tierchen aus der Kinderzeit: Schäfchen, Schweinchen, Bärchen. Er malt sie im Stil der Renaissance. Nun sind sie in der Potsdamer „Galerie Kunst-Kontor“ zu sehen. Einige der Tiere wirken liebenswert, andere machen beinahe Angst.

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Nur süß, oder steckt doch mehr dahinter? Christoph Löffler nennt dieses Bild „Norbert“. Es ist in Öl gemalt und kostet 7500 Euro.

Quelle: Klaus D. Fahlbusch

Potsdam. Christoph Löffler schaut aus runden Brillengläsern auf die Welt, sein Mund deutet durchweg ein amüsiertes Lächeln an und einen wärmenden Gedanken. Löffler malt Kuscheltiere, auf seinen Ölbildern rutschen sie unversehens ins Charakterfach. Steckt in den Kulleraugen von dem süßen Schaf etwas Dämonisches? Hat der aufgeweckte Teddy Lust, mir in den Finger zu beißen? Ist das putzige Schweinchen eine Draufgängerin, das sich nicht zweimal bitten lässt, wenn man zum Tango ruft?

Zunächst mal eine andere Frage an den Maler: Ist so ein Plüschtier eigentlich tot? „Nein, für mich lebt es“, sagt er. „Naja“, er präzisiert, „wenn ich beim Trödler bin, dann gibt es dort schon Kuscheltiere, die haben keine Ausstrahlung, die leben dann am Ende eben doch nicht mehr. Jedenfalls für mich.“

Seit 15 Jahren malt Löffler diese Tiere, Fratzen, Teddys, immer mit großem Ernst und einer Technik, wie sie in der Renaissance zur Blüte trieb. Mit Wasserfarbe untermalen, Schicht für Schicht in Öl die Kuscheltiere setzen. So wirkt es plastischer und farblich intensiver. Jedes Härchen malt er einzeln – „ich bin ein geduldiger Mensch. Die Feinarbeit entspricht meinem Charakter.“

„So welche musset och geben ...!“

Christoph Löffler wurde 1966 in Jena geboren, er absolvierte in Neubrandenburg eine Töpferlehre. Löffler studierte von 1996 bis 2001 Malerei an der Kunsthochschule Berlin.

Kuscheltiere malt er seit 15 Jahren, zu den Sammlern der Bilder zählt die Moderatorin Inka Bause

Die Ausstellung „So welche musset och geben ...!“ von Christoph Löffler ist bis 19. Dezember in der Potsdamer „Galerie Kunst-Kontor“ zu sehen, Di und Mi 15-19 Uhr, Do 15-20 Uhr, Sa 13-18 Uhr. Bertinistraße 16b, Potsdam. 0331/581 73 66.

Er ist 49 Jahre alt, warum das Spielzeug? Christoph Löffler räumt schnell den Verdacht aus, in seiner Kindheit gebe es etwas Versäumtes nachzuholen. „Mir ging es gut als Kind“, sagt er, Löffler malt auch nicht die eigenen Kuscheltiere, sondern fremde, die er auf dem Flohmarkt und beim Trödler findet. „Es muss eine Verbindung geben zwischen diesem Tier und mir, dann greife ich zu.“ Welche Verbindung? „Es ist eine Art von Schwingung.“

Seine Tochter ist elf, sein Sohn Mitte 20. Als er damals mit den Teddys anfing, war die Tochter noch nicht da, sein Sohn war schon zu alt für solche Niedlichkeiten. Der Maler Löffler wird nun ernst, und will das mal grundsätzlich klären, warum er diese Tiere liebt: „Wenn du einen Menschen malst, tauchst du tief in ihn hinein und bist verpflichtet, sein Wesen zu treffen. Wenn du ein Kuscheltier malst, legst du mehr von deinem eigenen Wesen in das Bild. Die Deutungsmöglichkeit ist größer und die Arbeit unbefangener. Es wird psychologischer, weil man über das Motiv hinausgeht.“

Energie atmen die Bilder dann, wenn die reine Putzigkeit überwunden wird. „Man steht vor den Gemälden wie vor einem Spiegel, am Ende sieht man sich selbst.“

Friederike Sehmsdorf, in deren „Galerie Kunst-Kontor“ am Potsdamer Jungfernsee die Bilder von Löffler derzeit hängen, weiß einiges über das Echo des Publikums: „Leute, die mit den Bildern umgehend warm werden, haben meist einen englischen Humor. Viele Betrachter aber sind ernste oder regimekritische Kunst gewohnt, die unterschätzen die Bilder zunächst. Manchmal kommen sie zu mir und sagen: Also, damit kann ich leider gar nichts anfangen. Dann rufen sie am nächsten Tag an und erzählen, die Bilder gingen ihnen nicht aus dem Kopf, sie müssten eines haben!“ Die Preise reichen von 700 bis 7500 Euro.

Am teuersten ist Norbert, 87x110 Zentimeter groß, ein Schwein mit starkem Stich ins Pinke. Sein Blick ist leer wie der von einem Fisch. Man kann das auch ganz anders deuten. Denn immer schleust der Maler Löffler in die fotografisch feinen Bilder unmerkliche Übertreibungen, die zu grundverschiedenen Interpretationen führen. Am Ende zeigen diese Bärchen, Schweinchen, Schäfchen, wie sehr wir uns bei unserer Weltendeutung auf Klischees verlassen.

Friederike Sehmsdorf, die Galeristen, sagt: „Seit vier Jahren gehen die Verkäufe der Bilder stark nach oben. Die jungen Leute, die das früher schon cool fanden, haben jetzt das Geld, Kunst zu erwerben. Sie sehen eine fantastische Handwerklichkeit in den Gemälden und sind persönlich angefasst von den Motiven.“ Inka Bause, die Sängerin, Moderatorin und Schauspielerin, sammelt Löfflers Bilder, sie hat schon fünf. Bause weiß, in diesen Tierchen schlummert – auf den zweiten Blick – ein Schweinehund, der in uns steckt.

Von Lars Grote

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