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Pointierte Miniaturen

Der ostdeutsche Science-Fiction-Autor Helmut Routschek alias Alexander Kröger legt seine Biografie vor Pointierte Miniaturen

Der modernen utopischen Literatur würde etwas fehlen ohne Helmut Routschek (78), der unter dem Pseudonym Alexander Kröger vorwiegend im Ostberliner Editionshaus Neues Leben ein Dutzend Bücher publizierte.

POTSDAM. . Neben Karl-Heinz Tuschel und Klaus Frühauf beherrschte er seit 1970 als Matador die Nische der wissenschaftlich-phantastischen Prosa. Jetzt legte der Autor, der massiv von der Staatssicherheit bespitzelt wurde, mit „Ego-Episoden“ eine Art Biografie vor.

Mit den Bestsellern „Sieben fielen vom Himmel“, „Die Kristallwelt der Robina Crux“, „Die Marsfrau“ und „Antarktis 2020“ mauserte hatte er sich Schritt für Schritt zu einem Jules Verne der DDR gemausert. Seine Texte hatten im Wendejahr 1989 eine Gesamtauflage von 1,6 Millionen Exemplaren erreicht. Als der Honecker-Staat von den Landkarten verschwand, fiel der Autor wie manche seiner Zunftkollegen in ein tiefes Loch. Dass er heute wieder in der Branche mitmischt, hat mit seinem Unternehmergeist zu tun. Der Doktor der Geologie, der viele Jahre im berühmt-berüchtigten Lausitzer Kombinat „Schwarze Pumpe“ als Experte für Untergrundgasspeicher arbeitete, gründete 1995 mit seiner Frau Susanne den Kröger-Vertrieb, um Texte in Eigenregie herauszubringen. Bald waren seine Romane und Geschichten auch in westdeutschen Buchläden gefragt. 2009 startete der Projekte-Verlag in Halle an der Saale wegen dieses Booms sogar eine Gesamtausgabe der Werke Krögers.

Sein Leben schildert er nun in 86 pointierten Miniaturen. Der Science-Fiction-Guru rückt dabei oft Skurriles aus dem sozialistischen Alltag in den Vordergrund. So berichtet er von der Einladung zu einer Wohnungseinweihung. Als Geschenk hatte er mit Mühe einen Strauß Callas ergattert, weil im Geschäft, wie in der Mangelwirtschaft üblich, nichts weiter vorrätig war. Als er das Gebinde stolz seiner Frau präsentierte, zeigte die sich entsetzt: „Bist Du verrückt! Das sind Totenblumen!“ Da entsann sich Kröger seines Malkastens. Kurzerhand färbte er „drei der sieben Blüten zitronengelb und vier zart rot“. Fazit: „Unser Strauß war der prächtigste und bewundertste.“

Kröger schweift auch zurück in seine Jugend. Der 1934 in Flöhau geborene Schriftsteller weiß noch, wie die Vertreibung aus seiner böhmischen Heimat ablief: „Beizeiten wurden Mutter und ich von zugezogenen Tschechen aus unserem kleinen Haus geworfen, mit anderen, vom Abtransport noch Verschonten, in ein Massenquartier verfrachtet – und beileibe ging es nicht (noch nicht) ‚heim ins Reich', sondern: fürs gute tschechische Bier galt es den Hopfen zu pflücken.“ Erst nach der Ernte ließ man die Internierten ziehen: „Zielbahnhof: Die Skatstadt Altenburg. Und dort war der Zug geteilt worden. Die eine Hälfte fuhr nach dem Westen, die andere blieb. So wurde ich Ossi.“

Krögers Rückblick fällt erfrischend unsentimental aus. Im Gegensatz zu etlichen seiner Weggefährten verklärt er die SED-Diktatur nirgends. Das macht die humorigen Reminiszenzen sympathisch.

Alexander Kröger: Ego-Episoden. Regia-Verlag Cottbus 2012, 210 S., 10 Euro (Von Ulf Heise)

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