Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Politische Kunst ist nicht zwingend linksliberal
Nachrichten Kultur Politische Kunst ist nicht zwingend linksliberal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 03.06.2017
Kurator Christoph Tannert in Potsdam. Quelle: MAZ/Karim Saab
Anzeige
Potsdam

Wie politisch ist die Gegenwartskunst in politisch beunruhigenden Zeiten? Eine Antwort darauf wird die 14. Documenta geben, die am 10. Juni in Kassel startet. In Berlin pilgerten gerade mehr als 80 000 Besucher in ein Abrisshaus, um 108 von Künstlern gestaltete Räume zu besichtigen. Christoph Tannert ist auf das Kunstprojekt „The Haus" nicht gut zu sprechen. „Das war ein kommerzielles Projekt“, meint der 61-Jährige, „dort gab es nur dekorative Streetart zu sehen“. Sprüherein an Wänden bezeichnet der Chef des Künstlerhauses Bethanien ohnehin gern als „Umweltverschmutzung“.

Der umtriebige Kurator wird am heutigen Freitag, 19 Uhr, im Kunstraum Potsdam eine Ausstellung eröffnen, die 14 politische Kunstwerke nach seinem Geschmack unter dem Thema „Weiter so“ vereint. „Kunst hat keine Zwecke zu erfüllen“, bekennt Tannert, „aber sie hat die Kraft, Denkperspektiven und Einstellungen zu verändern. Die meisten Arbeiten in dieser Ausstellung zeigen das Katastrophische, in dem wir uns befinden“, so Tannert.

Die Ausstellung von internationalem Format wird nur in Potsdam zu sehen sein. Da ist zum Beispiel die Moskauer Gruppe AES+F, die bereits in den 1990er Jahren durch plakative Fotomontagen den Vormarsch des Islamismus thematisiert hat. Verschleierte Frauen auf einer Eselskarawane ziehen am Berliner Reichstag vorbei, dessen Kuppel zur Moschee aufgebläht ist und auf dessen Ecktürme Minarette aufgesetzt wurden. Zu sehen sein wird auch eine Schwarzwälder Kuckucksuhr von Via Lewandowsky, aus der zu jeder halben und vollen Stunde ein Muezzin ruft. Simon Menner präsentiert eine ganze Wand mit Bilddokumenten, die er aus dem Internet zog und auf denen der Islamische Staat anstößige Details gepixelt hat. Ist von einem Opfer der nackte Hintern zu sehen oder auf einem Politikerfoto eine Frau wie Angela Merkel, lassen die Sittenwächter ihre Zensurmuskeln spielen. Keine Frage, auch AfD-Wähler werden mit solchen bildkünstlerischen Aussagen gern etwas anfangen. Christoph Tannert fasst unter gesellschaftskritische Kunst nicht nur Positionen, die linksliberale Interpretationen vorgeben. „Diese Ausstellung wirft einen unabhängigen und kritischen Blickwinkel auf aktuelle Ereignisse und tritt für Meinungsfreiheit ein“, heißt es in seiner Konzeption. Der Katalog, der aber noch nicht vorliegt, liefert ein globalisierungskritisches Essay des Publizisten Eberhard Straub, der dem Westen gehörig die Leviten liest. „Das nackte Interesse liebt keine nackten Wahrheiten. Die westlichen Weltwirtschaftsmächte reden daher viel von der ihnen in der Geschichte zugefallenen Aufgabe, über den freien Markt und freie Finanzbewegungen die ganze Welt zu befrieden und durch Handel und Wandel in einer Weltzivilgesellschaft in ihrem Sinne zu zivilisieren...“, heißt es da. Globalisierung bedeute „vollständige Verwestlichung“ – also deutsche Autos fahren, italienisch essen, amerikanische Filme sehen usw.

Christoph Tannert setzt über die Kunstwerke eine Reihung nicht gerade zwingender Zitaten, die eine eigene Ebene ergeben sollen. Ob Sentenzen wie „Fuck off, Amerika“ (Eudard Limonow) oder „Die Hölle, das sind die anderen.“ (Jean-Paul Sartre) wirklich zu mehr „Vernunft und Aufklärung“ beitragen, mag jeder Besucher für sich entscheiden.

Von Karim Saab

Kultur MAZ-Konzerttipp - Nur Dunkelheit bleibt

Kopfüber in die Nacht stürzen sich Night Demon aus dem kalifornischen Ventura. Ein Trio, das sich auf die Qualität einheimischer Bands in den achtziger Jahren ebenso beruft wie auf die Glanzzeiten des New Wave of British Heavy Metal. Zwar geradlinig in der Tradition, doch punktgenau, passioniert und mit viel Sinn für Details der guten alten Zeit.

31.05.2017

Es gilt als eine wichtigsten Auszeichnungen für Schriftsteller: Die Frankfurter Poetik-Vorlesungen hielten schon Größen wie Ingeborg Bachmann, Günter Grass und Rainald Goetz. Nun wird Michael Kleeberg die Ehre zuteil.

31.05.2017

Roger Waters stellt den Hörern auf seinem ersten Album seit 25 Jahren die Frage: „Is this the life we really want?“ Die Platte, die am 2. Juni veröffentlicht wird, klingt zornig und politisch, mal poetisch, mal derb. Und sie klingt oft genug nach Waters’ alter Band Pink Floyd.

31.05.2017
Anzeige