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Kultur Popmusik in Deutschland
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18:10 15.03.2018
Die Goldene Schallplatte von Elvis Presley. Der King of Rock’n’Roll kam 1958 nach Deutschland, um seinen Wehrdienst zu absolvieren. Quelle: Martin Luther
Potsdam

Popmusik ist ein Lebensgefühl und ein Generationen-Projekt. Wer in den 80ern erwachsen wurde, hat nicht nur das „Da da da“ von Trio und Nenas „99 Luftballons“ im Ohr, sondern – zumindest im Osten – auch Karats „Blauen Planeten“. In den 60ern schallte nicht nur „Revolution Number Nine“ von den Beatles aus den Lautsprechern der transportablen Plattenspieler, sondern auch Heintjes „Mama“. Es kam eben immer darauf an, zu welcher Szene man sich zählte. Die 90er waren Gothic, Rap, Techno und – zumindest in Deutschland – Klaumaukschlager à la Guildo Horn. Und heute? Das Angebot an Stilen und Haltungen ist kaum noch überschaubar.

Von Silly bis zu den Einstürzenden Neubauten

Eine Reise in die pop-musikalische Vergangenheit kann man derzeit im Museum für Kommunikation in Berlin antreten. Die multimediale Ausstellung „Oh Yeah! Popmusik in Deutschland“ entführt zurück bis zu den Anfängen der Popmusik in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts – in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, als in den Großstädten ein neues Lebensgefühl entstand, das mit Musik und Drogen den Drill und die Prüderie des Deutschen Kaiserreichs abzuschütteln versuchte. Eine Zeit, in der sich auch ein neues Frauenbild herausschälte: Frauen als selbstbewusste Subjekte, die sich so kleideten, dass sie auch ungehindert Charleston tanzen konnten.

Oh Yeah!

Die Ausstellung „Oh Yeah! Popmusik in Deutschland“ wurde vom Focke-Museum in Bremen entwickelt. Sie war bereits in Bremen und Frankfurt am Main zu sehen. Nach der Station in Berlin wandert sie weiter nach Stuttgart und Leipzig.

Die multimediale Schau bietet neben Plattencovers, Zeitschriften und Devotionalien der Popgeschichte, wie zum Beispiel dem Schuh der Miss Loveparade von 1999 oder dem Backstein, mit dem Paul McCartney seinen Briefkasten geöffnet haben soll, 90 Hörproben, darunter 24 Musikvideos.

Oh Yeah! Popmusik in Deutschland. Museum für Kommunikation, Leipziger Str. 16, Berlin. Geöffnet Di 9-20 Uhr, Mi – Fr 90-17 Uhr, Wochenende 10-18 Uhr. Eintritt: 5 Euro/3 Euro. Bis 16. September.

Die Goldenen Zwanziger sind der Anfang der gezeigten Popgeschichte, aber eigentlich das Ende der Ausstellung, die chronologisch rückwärts verläuft. Der Einstieg beginnt etwa zur Jahrtausendwende. In einer Glasvitrine ist die Thomaner-Kluft von Sebastian Krumbiegel zu sehen, dem Sänger der A-Capella-Gruppe Die Prinzen. Es war die erste Popformation aus dem Osten, der damals ein bundesweiter Durchbruch gelang. Es folgen Love-Parade und Techno, New Wave und Punk, Folkmusik und Electronic-Rock, Beat und Rock’n’Roll, der Swing und die Nazis – eine Tour d’horizon von Dr. Motte bis Ton Steine Scherben, von Rammstein bis Kraftwerk, von den Einstürzenden Neubauten bis Silly, von Udo Lindenberg bis zu den Comedian Harmonists.

Insgesamt 90 Tracks sind zu hören

Die Besucher sind mit einem Kopfhörer ausgestattet, der sich an jeder Station einstöpseln lässt, wo jeweils zwölf zeittypische Titel zu hören sind. Die Prinzen sind eine von insgesamt 90 Hörproben, die die Ausstellung bietet – von Marlene Dietrich bis Helene Fischer. Darunter sind 24 Musikvideos. Wer ernsthaft alles durchhören will, braucht dafür achteinhalb Stunden. Ein sattes Angebot also.

Dabei muss einem aber eines klar sein: Die Schau dreht sich um Popmusik in Deutschland. Internationale Pop-Helden tauchen nur am Rande auf – etwa in den Einstellungen des legendären Beatclubs von Radio Bremen aus den 60ern oder wenn Elvis 1958 in Bremerhaven anlandet, um im hessische Bad Nauheim seinen Wehrdienst abzuleisten. Von Elvis ist immerhin einer seiner Rucksäcke ausgestellt.

Das Rock’n’Roll-Fieber schwappte schnell in den Osten

Doch es geht um Deutschland – und zwar um beide Deutschländer. Um das Rock’n’Roll-Fieber das die Jugend in den 50er-Jahren in Ost und West erfasste – und den peinlichen Versuch der DDR-Oberen, der Jugend mit dem „Lipsi“ einen etwas gesitteteren Tanz zu verordnen. Um die Beatlemania und was die Lords im Westen und die Butlers im Osten daraus machten und um Ulbrichts legendären Satz von 1965: „Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“

70 Prozent der Jugend hörte in den 60ern Schlager

Die Ausstellung atmet den Geist der jugendlichen Revolten und deshalb hat sie über weite Strecken auch eine Westperspektive. Der Rock’n’Roll kam nun mal aus den USA, der Beat aus Großbritannien. Auch wenn er in der BRD zunächst ein Minderheitenphänomen war – in den 60er-Jahren hörten noch 70 Prozent der westdeutschen Jugendlichen Peter Alexander, Catarina Valente, Heintje und Co. – , die Welt des Pop schwappte sehr schnell über den Eisernen Vorhang. Ausstellungsmacher Jan Christoph Greim sucht deshalb immer wieder nach Parallelen. Etwa wenn Jugendliche, die an die Beat-Club-Redaktion schrieben, Angst hatten, dass ihre Namen in der Sendung genannt werden, weil sie dann ihren Job verlieren könnten. Das ging nicht nur den Kids im Osten so, weil sie verbotene Westsender guckten, sondern genauso den Lehrlingen im Westen.

Dass die Ausstellung die Schlagerkultur der DDR unterschlägt, ist nachzusehen. Dafür zeigt sie immer wieder interessante Bezüge. So erinnert sie zum Beispiel an die Walpurgisnacht 1988 am Schloss Belvedere in Potsdam, wo sich 150 Anhänger der sogenannten Schwarzen Szene trafen und von der Volkspolizei abgeführt wurden. Es waren die Anfänge der Gothic-Bewegung, die sich heute jährlich zu Pfingsten bei Wave-Gotik-Festival in Leipzig versammelt.

Von Mathias Richter

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