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09:40 31.05.2017
Von Afrika, über Schweden nach Berlin: Jaqee hat die Welt gesehen und die steckt auch in ihren neuesten Songs. Quelle: Niculai Constantinescu
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Potsdam

Sie ist so unglaublich beweglich, diese Frau. Sie fühlt sich wohl in dem weltoffenen Stil-Mix. Jaqee gibt sich ganz geschmeidig: Da reicht es schon mal, nur eine Gitarre zur Hand zu nehmen. In einem anderen Stück ihres jüngsten Albums „Fly High“ gibt es ein bisschen Klavier und ein funky-nervöses Saxofon. Dann wiederum etwas Arie, die nur wenig später in Soul umschlägt, satt mit Bläsern garniert. Halleluja! Die Sängerin, die als Kind aus Uganda flüchtete und im schwedischen Göteborg aufwuchs, schickt ein Gebet zum Himmel, das hilft, die guten und die schlechten Zeiten zu überstehen. Und doch, diese Frau ist es gewohnt, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen. Seit sie das Singen für sich entdeckt hat, gehört es eben dazu, dass Jaqee sich ausprobiert. Was bei ihrem stimmlichen Vermögen sofort einleuchtet.

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Widerstand ist zwecklos: Öffnen die Como Mamas erst einmal ihre Münder, dann für die Kraft und der Herrlichkeit des Herrn. Für ihn erheben sie ihre Stimmen. Ester Mae Wilbourn, Della Daniels und Angelia Taylor bringen uns den Gospel. Inbrünstig, aufwühlend und heftig. Die drei Damen aus Como Country, einem abgeschiedenen und wirtschaftlich abgehängten ländlichen Distrikt aus dem Norden Mississippis, leben die Lieder Gottes. Für den feierlichen Rahmen sorgen schließlich noch einige versierte Begleiter des Daptone Labels, der Heimstatt von Künstlern wie Sharon Jones, Lee Fields oder Charles Bradley. Doch die schiere Kraft der Stimmbänder in den Stücken, die a capella gesungen werden, ist überwältigend. Selbst wenn da noch ein Tamburin den Rhythmus vorgibt. Die Como Mamas gehören der Music Maker Relief Foundation an. Die Stiftung hilft, die Musik aus dem Süden Amerikas zu bewahren. Sie unterstützt zudem Künstler ganz direkt. Es ist eine Arbeit gegen das Vergessen, gegen die Zeit, gegen das Verstummen dieser Stimmen.

The Como Mamas: Move Upstairs. Daptone/Groove Attack.

Lotete sie anfangs noch das Spannungsfeld zwischen Blues und Soul aus, war es beim nächsten Mal schon Vokal-Jazz. Jaqee spielte ein Tribut-Album an die große Billie Holiday ein, besonders weil diese über einen unerschöpflichen Ausdrucksreichtum gebot. Ein großer Ansporn für Jaqee, die eine schillernde Platte vorlegt. Die ungezwungen Pop, Soul, Reggae, Hip-Hop und Einflüsse ihrer Heimat verbindet. Prall, höchst lebendig, tanzbar. Und doch flicht die selbstbewusste Sängerin, die eine oder andere Botschaft mit ein. Wie diese: Warte nicht auf die Gesellschaft, dass sie dir Möglichkeiten eröffnet. Geh los, du bist dran, mach was draus! Jaqee steht für positive Schwingungen. Ohne Frage.

The Breath kommen aus Manchester und verschmelzen Rock, Jazz, Folk und vieles mehr auf einer höheren Ebene. Quelle: York Tillyer

Dass Peter Gabriel als Künstler gern die Grenzen überschreitet, ist bekannt. Nicht anders agiert er seit der Gründung seines Plattenlabel Realworld. Seit 1989 zeigt er, wie die Welt klingt. Ob Sounds aus weiter Ferne oder gefunden in der Nachbarschaft, in Manchester. Wie jüngst bei „The Breath“. Hier fand ein Trio zusammen, das seine speziellen, vielgestaltigen Fähigkeiten gemeinsam zur Geltung bringt. Und zwar wie ihr Name schon sagt – mit großem Atem. Da wäre zum einen Rioghnach Connolly aus Nordirland. Sie spielt Flöte, bringt neben ihrer wandlungsfähigen Stimme den Folk-Einfluss ins gemeinsame Unternehmen ein. Auf der anderen Seite gehören Gitarrist Stuart McCallum, Pianist John Ellis und Schlagzeuger Luke Flowers dazu, alle bekannt vom wunderbaren, dem Jazz, Ambient und Elektronik aufgeschlossenen The Cinematic Orchestra. Weit schwingend, von Licht durchflutet und großzügiger Offenheit geprägt sind die Stücke des Albums „Carry Your Kin“. Hier haben vier Könner zur einer ganz eigentümliche Magie gefunden. Staunenswert.

Die Konzerte:

Jaqee singt am Freitag, dem 2. Juni, um 22.30 Uhr im Kino Eiszeit in Berlin-Kreuzberg.

The Breath gastieren am Donnerstag, dem 1. Juni, um 20 Uhr im Auster Club in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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