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Kultur Potsdam ist Schauplatz für großes Kino
Nachrichten Kultur Potsdam ist Schauplatz für großes Kino
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09:54 22.10.2013
Die Kulisse für einen explosiven Moskauer Nobelvorort bot die Potsdamer Villa Tauber im Film „Die vierte Macht“(2012). Quelle: UFA Cinema
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Potsdam

Potsdam hat seine Karrieren. Da ist das Palais Lichtenau in der Nauener Vorstadt: 1797 gebaut für die namensgebende Gräfin Wilhelmine Enke, von der Sowjetarmee ab 1945 für zehn Jahre in Beschlag genommen, jüngst vom Hans-Otto-Theater als Spielstätte mit marodem Flair entdeckt. Heute glänzt das alte Gemäuer als frisch sanierte Privatklinik. Ein filmreifer Werdegang.

Alexander Vogel und Marcel Piethe können Geschichten erzählen. Von Potsdam, wie es war und was es geworden ist. Von den unzähligen Kinofilmen, die in und um Babelsberg entstanden sind. Zu viel für einen Zeitungsartikel. Vogel und Piethe haben ein Buch geschrieben: „Filmstadt Potsdam – Drehorte und Geschichten“. Ein besonderes Nachschlagewerk, ein ungewöhnlicher Reiseführer, eine Anekdotensammlung für Cineasten, Geschichtsinteressierte und Touristen. Um positive Zuschreibungen ist Autor Alexander Vogel, vom Hause aus Jurist, nicht verlegen: „Der Film ist in Potsdam wie in keiner anderen Stadt in Deutschland zu Hause.“

Solche Sätze zeugen von Selbstbewusstsein. Und wer durch die 224 Seiten blättert, herausgegeben vom Filmmuseum Potsdam und kofinanziert von der Stadt, wird das nachvollziehen können. Mehr als 100 in Potsdam gedrehte Filme haben Vogel und Piethe in ihr Buch aufgenommen. Es ist eine kleine, aber wohlbedachte Auswahl von ursprünglich Hunderten gesichteten Werken. Sechs Kapitel erzählen von Potsdam als Filmstadt: Altstadt, Parks und Schlösser, Havel, Vorstädte, Babelsberg und der ländliche Stadtrand. Überall finden sich Kulissen für Kinofilme der vergangenen 100 Jahre – vom Kinopionier „Der Film von der Königin Luise“ (1913) bis zu „Monument’s Men“ (2013) von, mit und für George Clooney.

Zurück zum Palais Lichtenau. 1963 machte die DDR-Filmanstalt Defa den einstigen Gräfinnenwohnsitz zum Schauplatz der leichtfüßigen Trümmerkomödie „Karbid und Sauerampfer“ über die Beschwernisse des Nachkriegsalltags. Hoch oben an der Palais-Kulisse pappte ein roter Stern, für den Film war die Rote Armee noch einmal eingezogen. Die Soldaten vom großen Bruder kamen nicht so gut weg. In seiner Wirkung überwand das Defa-Stück die sozialistischen Grenzen und überdauerte die DDR: Es wurde 2005 vom New Yorker Museum of Modern Art für die Defa-Retrospektive „Rebels With A Cause“ ausgewählt. Längst sind es nicht nur die Hollywood-Blockbuster, um welche sich die Geschichten von Alexander Vogel und Marcel Piethe drehen.

Mit „Filmstadt Potsdam“ liegt ein übersichtliches Buch vor, das sich für den Sonntagsspaziergang ebenso eignet wie für tiefergehende Recherchen. Fotos zeigen Ausschnitte und dokumentieren die Dreharbeiten. Karten bieten Orientierung auf der Suche nach berühmten und vergessenen Originalschauplätzen. Ein Register ordnet die Vielzahl an Filmen, Orten und Personen. Auf Basis des Buchs sollen künftig Bustouren mit am Drehort eingespielten Szenen stattfinden.

Ein Jahrhundert Kinogeschichte in Potsdam – das ist zuvorderst Werbung für die brandenburgische Landeshauptstadt. Trotzdem ist Alexander Vogels und Marcel Piethes Arbeit kein bloßer Hochglanzprospekt. „Die Filmbilder erzählen die Geschichte einer Stadt“, sagt Vogel. Eine wechselvolle Geschichte: Kaiserzeit, Weimarer Republik, Drittes Reich, DDR und wiedervereinigtes Deutschland. Die Mächtigen kamen und gingen. Potsdam aber ist bis heute die Filmstadt geblieben.

Alexander Vogel, Marcel Piethe: „Filmstadt Potsdam – Drehorte und Geschichten“, Bäßler, 224 Seiten, 19,95 Euro. Buchpräsentation, Autorengespräch und Vorführung des Films „Junge Herzen“ (D 1944) am 23.10., 19 Uhr, im Thalia-Programmkino, Rudolf-Breitscheid-Straße 50, Potsdam. Eintritt: 8,50 Euro.

Von Bastian Pauly

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