Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Potsdamer Band Bullgine spielt bei Rock in Caputh

Musikfestival Potsdamer Band Bullgine spielt bei Rock in Caputh

Es ist ein Wort wie eine Zauberformel: „Progressiv-Post-Rock“ nennt die Potsdamer Band Bullgine ihren Sound– und alle müssen dabei lachen. Wenn die fünfköpfige Formation am Wochenende beim Festival Rock in Caputh auftritt, wird die Post abgehen – ganz progressiv.

Voriger Artikel
Beutekunst aus Berlin in Moskau entdeckt
Nächster Artikel
Hollywood-Stern für Latina-Star Angélica María

Die Potsdamer Band Bullgine: Rainer Schönherr, Marcel Raven, Andreas Schulze, Martin „Otto“ Breit, Georg Käppler (v.l.).

Quelle: Foto: promo

Caputh. Der Schlagzeuger Andreas glaubte, eine Band, die zu ihm passt, lernt man beim Bier kennen, nicht unbedingt im Proberaum. „Es muss zwischen den Menschen stimmen, darum geht man besser erst mal in die Kneipe.“ Andreas wohnte in Berlin, er hatte Einschusslöcher in der Wohnungstür, „Kleinkaliber“, sagt er. Das waren Argumente, fortzuziehen, er ging nach Potsdam, suchte eine Band, vor allem aber hat er eine Stadt gesucht, „in der man Hallo sagt und guten Morgen“. Andreas wollte unter Menschen, die Sinn für Musik haben, doch auch für eine Freundlichkeit, die sich im besten Falle niederschlägt in einem Lächeln.

Andreas wird 28 Jahre alt an diesem Tag. Er sitzt mit seinen vier Kollegen von der Band „Bullgine“ im Proberaum. Am Samstag werden sie auf dem Festival „Rock in Caputh“ auftreten. Andreas verschanzt hinter den Trommeln, sein Bart ist säuberlich gestutzt, sein Shirt ist weiß, er sagt: „Nimm das!“ Er reicht die Kopfhörer, „es wird jetzt laut, besser, du schützt die Ohren.“ Er gibt den Takt auf seinen Drums vor, Peng, Peng, Peng, auch das klingt wie ein Kleinkaliber. Georg tritt mit seinem rechten Fuß auf ein Pedal, das seine Fender Stratocaster, hoch geschätztes Stück in der Gitarrenwelt, präzise auf ein sehr verzerrtes Wummern trimmt. Auch Otto legt jetzt Hand an die Gitarre, er kann schon wieder lachen, obwohl es vorhin Ärger gab. Seine Tochter, gut zwei Jahre, wollte noch ein Bilderbuch, aber der Papa musste los. Zu seinen Jungs. Zu seiner Band.

Ein Proberaum in Potsdam-Babelsberg, gleich neben Katjes, wo sie gerade Nachtschicht schieben. Industrie zu allen Seiten, hier schlägt man Krach, ohne die Nachbarn gleich am Hals zu haben. Nein, das ist kein Krach. Man nennt es wohl Adrenalin. Und um genau zu sein: Es ist „Progressive Post-Rock“, sagt Otto, alle lächeln, als er das Wort wie eine Zauberformel spricht. Eine Definition, zu der sie nach langer Überlegung kamen. Ganz egal, wie man Details dieser Musik erläutern will, sie ist vor allem laut und steigt nicht zwingend in das Tanzbein, eher in eine interessante Gegend, irgendwo zwischen Herz und Hirn.

Über der Tür hängt ein Plakat vom Heidi-Film, das ist Humor von jungen Männern, die sich, bevor sie ihre Instrumente stimmen, ein kaltes Bier aus ihrem Kühlschrank holen. Andreas, Georg, Otto spielen sich jetzt warm, Marcel setzt ein am Bass, Rainer, schlank, im schwarzen Hemd, schaut hoch zur Decke, dann hebt er seine Stimme. Alles läuft. Sie ölen die Maschine. Das Lied macht ernst nach guten zwei Minuten. Peng, Peng, Peng.

„Bullgine“, sagt Otto, „ist ein Name, den wir letztlich im Wörterbuch gefunden haben.” Bullgine ist ein altes Wort für Dampfmaschine, das kommt dem Sound der Band recht nahe. Die fünf Männer kommen musikalisch aus verschiedenen Ecken, Otto und Georg sind die Gründer, sie schwören auf Peter Gabriel, Andreas mag Incubus, Rainer liebt Tool. Es ist, als wolle einer in den Urlaub nach Mallorca, der andere nach Norwegen. Welten liegen dazwischen, doch man muss sich einigen. Bullgine haben einen Sound gefunden, der Harmonien mit dem Hackebeil erlegt, und doch so etwas wie Poesie zwischen die Zeilen legt.

Am Samstag nun spielen sie bei Rock in Caputh, ihre erste große Bühne seit der Gründung vor drei Jahren. „Endlich Auslauf“, sagt Andreas. Es gab Auftritte, da passten die fünf Männer kaum auf die Bretter. „Wir entfalten uns als Live-Band gerade“, sagt Rainer. Er meint das räumlich. Doch es trifft auch musikalisch zu. Was für Caputh geplant ist: Live die zweite Stimme hinzukriegen. Feinschliff. Sie schießen scharf. Doch wenn sie von der Bühne steigen, trinken sie ein Bier. Zeit für ein Lächeln. Es ist die Band, nach der Andreas sich gesehnt hat, damals, als das Kleinkaliber in der Tür gesteckt hat.

Von Lars Grote

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?