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Potsdamer Kissen und Laken schützen vor Insekten

Junge Firmen Potsdamer Kissen und Laken schützen vor Insekten

Die Schwestern Ellen und Maren Wölk hatten es beruflich zuvor eher mit dem Eventmanagement und dem Filmgeschäft. Doch dann hörten sie von insektenabweisenden Stoffen und gründeten mit ihrer Freundin Marili Werle das Potsdamer Startup „Permetex“. Sie sehen große Marktchancen für ihre Produkte.

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Die drei Gründerinnen des Potsdamer Startups „Permetex“: Maren Wölk, Marili Werle und Ellen Wölk (v. l.)

Quelle: FOTO: CHRISTEL Köster

Potsdam. Sie mögen ihre ökologische Funktion haben, aber wer will schon von Mücken gestochen, von Zecken gebissen oder von Bettwanzen gequält werden? Und wen freut es, wenn Motten den teuren Anzug anfressen? Insekten sind manchmal nur Plagegeister – und nicht selten Überträger gefährlicher Krankheiten. Marili Werle und die Schwestern Ellen und Maren Wölk benutzen in letzter Zeit allerdings Produkte, mit denen sie den kleinen Biestern ein Schnippchen schlagen und von denen sie einfach nur begeistert sind.

Maren Wölks Ehemann zum Beispiel steckt seine kostbaren historische Anzüge aus den goldenen Zwanzigern in absolut mottenfeste Kleidersäcke. „Wir hatten früher schon ein paar Probleme“, meint Maren Wölke, „jetzt aber überhaupt nicht mehr.“ Ihre Schwester Ellen sagt: „Ich benutze gerne das Laken bei mir im Garten.“ Auch im Sommer hat sie mit einem großen cremeweißen Spezialtuch vor lästigen Schnaken sogar draußen im Freien ihren Frieden. Und ihrer beider Freundin Marili Werle schwört auf den „2 in 1“-Gepäckschutz. In ihm kann die Hobbyschneiderin wertvolle Stoffe aufbewahren. Eigentlich ist das Tuch ja dafür gedacht, Gepäck darauf zu stellen, damit man nicht unbemerkt kleine Biester aus dem Tropenurlaub mit nach Hause schleppt. Aber es tut auch als Mottenschutz zu Hause einen hervorragenden Dienst.

Schon fünf verschiedene Produkte

Das Allerschönste an diesen Produkten ist für die drei Frauen jedoch die Tatsache, dass sie sie selbst entwickelt und mit ihnen im Mai 2015 in Potsdam ihre eigene Firma gegründet haben. Seit August 2015 vertreiben die Schwestern und ihre Freundin unter dem Namen „Permetex“ insektenabweisende und -tötende Textilien für bislang fünf Anwendungen. Es gibt im Onlineshop bereits das Insektenschutz-­Laken, einen Schlafsack, einen Mottenschutz-­Kleidersack, ein Insektenschutz-­Kissen und den „2 in 1“-Gepäckschutz zu bestellen. Richtig durchstarten mit „Permetex“ wollen die drei einfallsreichen Damen kommenden Sommer. Dann soll eine Werbekampagne „Permetex“ bundesweit bekannt machen. Die drei Jungunternehmerinnen sehen einen gewaltigen Wachstumsmarkt für ihre bisherigen fünf Produkte.

„Laut der Weltgesundheitsorganisation sind Insekten, die Krankheiten übertragen, ein wachsendes Problem“, sagt Ellen Wölk. Aber nicht nur wegen Malaria, Zika oder Hirnhautentzündung würden die insektenvertreibenden Stoffe attraktiv. Es machen auch immer mehr Leute Fernreisen oder übernachten in Hotelbetten. Und dort wollen sie sicher nicht von Moskitos oder Bettwanzen belästigt werden. „Laut den Statistiken wird dass immer mehr zum Thema“, sagt Maren Wölk. Gerade Bettwanzen gelangen aufgrund des Reisefiebers immer mehr auch in heimische Haushalte.

Das Geheimnis der Chrysanthemen

Die drei jungen Frauen, die ihren beruflichen Hintergrund eigentlich im Eventmanagement und Filmgeschäft haben, hatten vor gut eineinhalb Jahren also den richtigen Riecher, als sie in einem Gespräch von den Spezialstoffen eines belgischen Unternehmens erfuhren und sofort dachten, dessen chemisch behandelten Textilien müssten doch noch zu etwas anderem gut sein, als zum Schneidern von Militäruniformen. Diese schützen die Soldaten durch die synthetische Substanz Permethrin vor den Plagegeistern. Permethrin ist einem Abwehrstoff der Chrysantheme nachempfunden. Die Substanz versetzt landenden Insekten nicht nur einen für sie unerträglichen Schmerzreiz, so dass sie sofort fliehen. Letztlich vergiftet sie die Tiere beim Kontakt auch und räumt somit auch mit Milben und Wanzen im Schlafzimmer auf.

Nervengift für Insekten

Permethrin ist ein kompliziertes Molekül, das von der britischen National Research Development Corporation entwickelt wurde. Der Stoff wirkt bei Insekten wie ein Nervengift, das sich nach Kontakt in deren Körper verbreitet. Er ist seit 1977 im Handel und hat seitdem vielfältigen Einsatz erfahren. Permethrin wird bei Menschen gegen Läuse und Krätze, bei Haustieren gegen Flöhe und Milben eingesetzt.

Textilien , die mit dem Stoff versetzt werden, sollen ihre Träger vor gefährlichen Insekten und Parasiten schützen.

 

Bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr tragen auch deutsche Soldaten mit Permethrin behandelte Uniformen. Die Verwendung von mit Permethrin imprägnierten Moskitonetzen gilt als guter Schutz vor Malaria.

Risiken

 

„Permetex“ gibt es über den Online-Handel unter „Permetex.de“ zu beziehen. Billig sind die Produkte jedoch nicht. Schon ein einfaches Baumwolle-Polyester-Laken kostet 99 Euro. bra

„Die Textilien dieser Firma sind nicht einfach nur mit Permethrin imprägniert, also aufgesprüht“, betont Maren Wölk, „sie sind mit einer eigenen Polymerverbindung fest in die Faser verankert.“ Das macht die Stoffe haltbar. 70 Waschgänge hielten sie locker aus, ohne ihre insektenvertilgende Wirkung zu verlieren, so die „Permetex“-Gründerinnen, deren Firmenname auch eine Referenz an diese Substanz ist.

Nach vielen Recherchen im Internet, Gesprächen mit dem belgischen Unternehmen selbst, nach einer von der ZAB geförderten Beratung für junge Unternehmensgründer und Experimenten zu möglichen Produkten und ihrer Vermarktung, nahmen die drei Frauen schließlich Kontakt zu einer Berliner Schneiderin auf und bestellten – auf eigene Rechnung! – gut 1800 Meter Stoff bei der Firma. Das erste Produkt war ein einfaches Laken, bald aber kamen kompliziertere Teile wie der raffiniert ausgetüftelte Kleidersack oder insektenabweisende Kissenbezüge hinzu. Und schon jetzt denken die Frauen an Neues: Kunden hätten zum Beispiel nach Decken für Hunde gefragt. In der Tat wären etwa zeckentötende Schmusedecken keine schlechte Idee, findet Ellen Wölk.

Der Verkauf läuft gut an

Etwa 120 Produkte hatten sie Anfang März insgesamt schon über den Online-Handel abgesetzt. In einer besonders guten Woche waren es sogar zehn Artikel auf einmal. „Der Schlafsack läuft besonders gut“, sagt Ellen Wölk. Bestellungen kämen inzwischen schon aus dem Ausland. Und auch hier sehen die drei Frauen nicht zuletzt wegen der Zika-Krise in Lateinamerika und den anstehenden Olympischen Spielen in Rio de Janeiro viel Potenzial. Der Kontakt mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) stünde jedenfalls fast auf der Agenda

Ein eigenes Büro hat „Permetex“ übrigens noch nicht. Gerne sitzen die drei Frauen mit ihren Laptops zum Beispiel in der Küche von Ellen Wölk und brüten über Verbesserung ihres Webauftritts oder prüfen Termine für anstehende Fachmessen wie der Schädlingsbekämpfungsmesse „Pest-Protect“ in Stuttgart oder der ersten „Schlafmesse“ in Berlin. „Jedes Startup hat ja mal in einer Küche oder in der Garage angefangen“, sagt Ellen Wölk. Und ähnlich wie die klein gestarteten Software-Helden von Silikon-Valley hätten ja auch sie ein bisher einzigartiges Produkt mit hohem Marktwert anzubieten. Wichtig sei jetzt das Marketing, das wohl künftig auch den größten Ausgabeposten bereiten werde. Konzernzentralen wie „Google“ und „Microsoft“ werden die drei Frauen zwar sicher nicht bekommen, aber eine eigene Firmenadresse in Potsdam sei jedenfalls angedacht.

Von Rüdiger Braun

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