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Kultur Performance-Festival in Potsdam feiert Premiere
Nachrichten Kultur Performance-Festival in Potsdam feiert Premiere
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00:21 03.08.2018
Die Festival-Gründer Peter Wagner (re.) und Florian Schmidtke (2. v. re.) bei ihrem Livehörspiel „Titus“, das im Rechenzentrum zu hören sein wird. Quelle: Festival
Potsdam

Ja, Arielle wird kommen, auch wenn es im Moment kein Wetter ist, das sie für einen Landgang braucht. Kaum Regen, viel zu dürr. Von Beruf ist Arielle noch immer Meerjungfrau, seit 1989. Zur Welt kam sie im Disney-Studio, eine gute Adresse, wenn man Geld verdienen will. Doch keine einwandfreie Heimat, wenn es darum geht, die Grenzen der Kunst zu dehnen, ein bisschen auf die Pauke zu hauen – und mit zwei Dutzend gelb-weißen, nicht mehr komplett aufgepumpten Wasserbällen zu spielen, die in der Ecke eines Potsdamer Hofes dösig im Schatten liegen.

Neben den Bällen sitzen Peter Wagner und Florian Schmidtke, sie rühren ruhig in ihrem Kaffee und räumen ein, dass sie selbst noch nicht so richtig wissen, wie das laufen soll mit Arielle. Doch das stört sie nicht. Der Wille zur Überraschung zählt zum Konzept. Das Konzept hat einen Namen: Performance-Festival Potsdam. Es läuft von Donnerstag bis Samstag im alten Rechenzentrum, gegen dessen Muff die Künstler sich stemmen, denen das Haus zur Nutzung überlassen ist. Komplett verschwinden wird der Muff wohl nie, denn es ist ohnehin ein Domizil auf Zeit. Mittelfristig wird der Zweckbau abgerissen, weil die wieder zu errichtende Garnisonkirche aufs Areal des Hauses wachsen soll.

Essen, Trinken, Kunst

27 Veranstaltungen werden beim Performance-Festival im Rechenzentrum zu sehen sein. Es geht um Tanz, Theater, Musik und Lesungen, bespielt werden Hof und zwei Bühnen des Hauses.

Das Festival beginnt am Donnerstag, 2.8, und endet am Samstag, 4.8. Start ist jeweils um 18 Uhr. Es wird eine Bar und einen Grill geben.

Details zu Programm und Tickets unter www.performancefestival-potsdam.de.

Gerade sind dem Rechenzentrum fünf weitere Jahre zugestanden worden. Der Slogan des Performance-Festivals stand allerdings schon länger fest: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Weil es eben doch noch eine Weile bleiben darf, wird nun gefeiert, als gäbe es kein Morgen.

Da „Performance“ als Begriff die meisten Menschen ratlos macht, übersetzt Peter Wagner ihn gerne. „Wir werden Bilder zeigen, Musik, Tanz und Theater.“ Und Arielle? Bekannt ist immerhin, dass Katrin Hauptmann, ehemalige Schauspielerin am Hans-Otto-Theater, Texte und Melodien von Walt Disney und Hans Christian Andersen liest und singt. Andersen, das ist der Urvater der Arielle-Figur, auf eines seiner Märchen stützt sich der Disney-Film. Begleitet wird Hauptmann am Klavier von Christian Deichstetter, für die Textfassung und Regie ist Kerstin Kusch verantwortlich.

Am Ende war Theater „Fabrik-Arbeit“

Schmidtke steckt sich eine Zigarette an. Er ist Mitbegründer des Festivals, bis hinein in diesen Sommer war er festes Mitglied im Ensemble des Hans-Otto-Theaters, ebenso wie Katrin Hauptmann – er stieg verlässlich auf die Bühne, wenn die Temperatur der Stücke zu gediegen oder lau zu werden schien, wenn man also Einen brauchte, der auch im Unterhemd mal auf die Bretter stieg, einen Kraftausdruck ins Publikum geworfen hat, um das Parfüm zu vertreiben. Er sagt, es sei ganz gut, dass es mit der Festanstellung jetzt vorbei sei, er habe seine Freundin kaum noch gesehen, die Ensemble-Arbeit sei letztlich „Fabrik-Arbeit“ gewesen, er freue sich nun auf freiberufliche Kunst. Schon vor knapp zehn Jahren, in seiner frühen Potsdamer Zeit, sagte er, als Jugendlicher habe ihn Theater nicht im Geringsten interessiert. „Ich suchte mit meinen Kumpels immer nur den Kick, der sollte möglichst extrem sein.“ Es scheint, als kehre er zu diesen Wurzeln zurück.

„Wenn ich vors Publikum trete, soll das die Leute unterhalten, es ist ganz egal, ob das Hochkultur oder Volkstheater ist“, sagt Schmidtke, und bläst den Rauch der Zigarette in den Himmel. Mit dem Wort „Volkstheater“ habe er sich erst anfreunden müssen, bis er verstand, dass darin ein großes Versprechen liegt. Und eben nicht die alkoholisierte Gemütlichkeit einer bayerischen Bierstube. „Es soll jeden erreichen, was wir machen, es ist fürs ganze Volk.“ An diesem Anspruch werden sie sich messen lassen während der drei Tage der Musik, des Tanzes, Theaters und der Bilder. Auch gutes Essen und eine Bar gehören dazu.

Hörspiel mit Bohrmaschine

Peter Wagner sagt, man koche finanziell auf kleiner Flamme, die Stadt Potsdam habe 5000 Euro Zuschuss bewilligt, „Florian und ich haben 800 Euro dazugesteckt, die wir aus unseren Livehörspielen hatten.“ Zu den Livehörspielen zählt „Wega“ von Friedrich Dürrenmatt, eine Geschichte, in der Verbrecher auf die Venus ausgesiedelt werden, wo die Amerikaner sie im Kampf gegen die Russen rekrutieren wollen. Wagner und Schmidtke haben gelesen und die Geräusche selbst in Echtzeit eingespielt, mit Rohren, Bohrmaschinen, Rechnern und Keyboards. Auch dieses Stück wird beim Festival zu hören und zu sehen sein.

Es sei Zeit für grundsätzliche Fragen, urteilt Florian Schmidtke, das möchte er mit dem Festival unterstreichen: „Wir wurden dazu erzogen, unsere Kraft in den Job zu stecken, alle Wechselfälle des Lebens sicher zu regeln und das Konto zu füllen.“ Er holt Luft, in seinem Blick liegt Kampfgeist. „Doch Sicherheit ist eine Illusion. Kunst muss die Unberechenbarkeit abbilden, die jedem begegnet – gerade Schauspiel, Bücher oder Malerei stärken uns, nicht in die Knie zu gehen, wenn das Leben nicht nach Plan läuft.“ Derlei heilsame Wirkungen summieren Wagner und Schmidtke unter „Performance“. Wenn dazu ein kühler Drink und ein guter Happen gereicht werden, sind sie glückliche Männer.

Von Lars Grote

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