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Potsdamer Theater setzt auf Orient-Flair

Weihnachtsmärchen 2015 Potsdamer Theater setzt auf Orient-Flair

„Das Märchen vom Kalif Storch“ soll auf Weihnachten einstimmen. Das Potsdamer Hans-Otto-Theater verzichtet auf Flockenwirbel. Im großen Haus wurden 24 Vorstellungen des Wilhelm-Hauff-Märchens angesetzt. Etwa 12 000 Kinder werden die Inszenierung sehen. Für einige von ihnen ist das erste Theatererlebnis überhaupt. Werden sie enttäuscht oder begeistert ?

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„Das Märchen vom Kalif Storch“ im HOT.

Quelle: GÖRAN GNAUDSCHUN

Potsdam. In den nächsten Wochen ist wieder der ganze Zauber angesagt. Nicht nur Kerzenglanz und Glitter, auch Verwandlungsgeschichten haben Konjunktur. Das alles ist der Abglanz einer altehrwürdigen Weihnachtsgeschichte, in der in einem elenden Stall im Orient ein Christkind geboren wird, von dem es heißt, dass es die Menschen aus Armut, Lüge und Krieg errettet.

Eine Verwandlung der speziellen Art war bereits am Dienstagvormittag bei den mehr als 400 Zuschauern im Hans-Otto-Theater zu erleben. Zum ersten Mal wurde im großen Haus „Das Märchen vom Kalif Storch“ aufgeführt. Und als im ersten Akt wiederholt das Worte „Liebe“ fällt, reagieren die Fünf- bis Zehnjährigen aufgebracht. Sie schreien aus voller Kehle „Iiih“, weil sie das mit etwas ekligem verbinden. Als es dann im vierten Akt so weit ist und sich der Großwesir und die Dienerin Suleika in den Armen liegen, klatschen alle begeistert Beifall.

Für viele Kinder ist das Weihnachtsmärchen das erste Theatererlebnis ihres Lebens. Bis zum 26. Dezember steht die Inszenierung von Kerstin Kusch 24 Mal auf dem Spielplan und beschert dem Hans-Otto-Theater mehr als 12 000 Zuschauer, für die Statistik und die Imagebildung ein wichtiges Unterpfand. Dass auch in diesem Jahr keiner der 25 fest angestellten Ensemble-Schauspieler eingebunden wird, ist äußerst bedauerlich. Die Intendanz begründet die Entscheidung damit, dass das Weihnachtsmärchen jeweils im Jahr drauf in Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel gastiert. Man möchte den eigenen Schauspielern nicht zumuten, in Ausnahmefällen auch einmal eine Vormittags- und eine Abendvorstellung bestreiten zu müssen.

Die fünf Gastschauspieler wissen ihre Chance zu nutzen. Vor allem die 24-jährige Luisa Charlotte Schulz überzeugt durch biegsames, prägnantes Spiel. Schon im Eingangsmonolog gelingt ihr ein Ausrufezeichen. Als ziemlich vorlaute, couragierte Dienerin kommt ihr in der unsentimentalen Bühnenfassung von Wolfgang Welter eine Schlüsselrolle zu.

Das Kunstmärchen von Wilhelm Hauff aus dem Jahre 1826 wurde von den Märchen aus 1001 Nacht inspiriert. Wie alle Romantiker faszinierten ihn die exotischen Kulturen. Der Bühnenbildner Nikolaus Frinke verfiel auf einen geschickten Kunstgriff, um mit einfachen Mitteln ein Höchstmaß an Zauber und Märchenstimmung herzustellen. Seine in Scherenschnitt-Technik dargestellten schwarzen Kulissen heben sich effektvoll von farbig ausgeleuchteten Bühnenhintergrund ab. Orientflair soll also dieses Mal die deutsche Weihnachtsstimmung ersetzen. Aus einer ähnlichen Distanz dürften syrische Flüchtlinge die nordeuropäischen Weihnachtsmärchen wahrnehmen und ihre Vorliebe für Flockenwirbel, wärmende Öfen und fauchende Eiswinde.

Weihnachtsgeschenke für Flüchtlingskinder

Das Hans-Otto-Theater ruft auf, Weihnachtsgeschenke für Flüchtlingskinder zu spenden. Bis zum 11. Dezember können die Päckchen im Theater abgegeben werden. Empfohlen wird ein Vermerk, an welches Geschlecht und welche Altersgruppe sich das Geschenk richtet.

Familienvorstellungen am 2. und 10. Dez., 14 Uhr, am 13., 20. und 26. Dez., 15 Uhr. Hans-Otto-Theater Potsdam.

Josip Culjak (Der Kalif) und Benjamin Schaup (Der Großwesir) werden von Regisseurin Kusch etwas zu wenig als Gespann in Szene gesetzt. Alexander Kasprik muss sich von den Kindern viele Buh-Rufe gefallen lassen, denn er hat ohne Abstriche den bösen, schmierigen Zauberer darzustellen. Ein wichtiges Motiv des Märchens wird leider kaum umgesetzt. Juliane Niemann müsste als Eule viel hässlicher und widerwärtiger sein (Kostüme: Ines Burisch). Die Überwindung des Kalifen, sie trotzdem zu heiraten, bleibt eine Behauptung. Wie überhaupt etwas zu viel geredet wird, es gibt kaum Pausen, aber vier Lieder setzen poetische Akzente.

Von Karim Saab

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