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Kultur Das Theaterfestival Unidram wird 25 Jahre alt
Nachrichten Kultur Das Theaterfestival Unidram wird 25 Jahre alt
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17:01 29.10.2018
Iva Nova geben ein Konzert bei Unidram, sie gelten als Russlands coolste weibliche Rocker. Quelle: Vladimir Ubushiev
Potsdam

 500 Bewerbungen haben sie jährlich im Postfach, in den Mails stecken Streams, auch angehängte Videos, am Ende stehen immer beste Grüße der Theatergruppen und die Hoffnung auf das „Go!“, die Einladung nach Potsdam. Das Unidram-Festival findet ab diesem Dienstag zum 25. Mal statt, es ist eine Adresse, die mittlerweile derart eingeführt und international begehrt ist, dass man sich fragt: Wieso macht der Erfolg nicht satt und unbeweglich, warum ist hier immer noch so viel los?

Vielleicht kann Jens-Uwe Sprengel eine Antwort geben. Er rührt in seinem Kaffee, um nötige Bedenkzeit rauszuholen. Sprengel ist neben Franka Schwuchow und Thomas Pösl einer von drei Machern des Unidram-Festivals, wobei man sagen sollte, dass das „Uni“ in der Überschrift inzwischen nur noch eine Form von Nostalgie ist. Eine Besinnung auf die Wurzeln, als das Festival während der ersten Jahre Theatergruppen aus den Universitäten eingeladen hat. „Spätestens nach fünf Jahren gab es hier kaum noch studentisches Theater“, sagt Sprengel, der durchweg Schwarz trägt, weltweit die Farbe der Künstler, die sich eine Spur von Rebellion bewahrt haben.

14 Theatergruppen, vier Bands

Das 25. Unidram-Theaterfestival wird im Potsdamer Kulturquartier in der Schiffbauergasse vom 30.10. bis 3.11.18 veranstaltet.

14 europäische Theatergruppen sind eingeladen, hinzu kommen vier Bands, die täglich das Programm mit Musik beschließen.

Zum 25. Geburtstag des Festivals gibt es eine Fotoausstellung zur Unidram-Chronik in der Galerie „Kunstraum“ zu sehen, Schiffbauergasse 4D, bis 3.11, jeweils 14-18 Uhr.

Kartenin der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284, kurzfristige Reservierungen im T-Werk unter 0331/719139 oder www.t-werk.de

Im Gründungsjahr 1994 stand Sprengel selbst auf der Bühne des Festivals, „als Ersatz“, wie er sagt, als Teil der Gruppe DeGater ‘87. Studentische Gruppen brauchten oft Ersatz, denn die Lebensumstände jener Jahre wechselten minütlich. Sprengel spielte mit ihm Stück „Elizaveta Bam“ von Daniil Charms. Kindlers Literaturlexikon schreibt zu diesem Schauspiel von 1927: „Eines der letzten Versuche der russischen Avantgarde, eine ,wahrhaft revolutionäre Kunst‘ zu inszenieren, um ein ,essentiell neues Weltbild‘ zu provozieren.“ Darunter haben sie es im ersten Unidram-Jahr nicht gemacht.

Im zweiten Jahr kam die Schauspielerin Bibiana Beglau mit dem Regisseur Falk Richter, damals von der Schauspielschule in Hamburg – heute zählen beide zum Spitzenpersonal der deutschen, durchaus bürgerlichen Theaterrepublik, Richter wurde von Kritikern aktuell zum Regisseur des Jahres gewählt.

Ja, es gibt Zuschauer der ersten Stunde

„Wir waren angetreten mit einem deutsch-osteuropäischen Blick“, erzählt Sprengel, das hing mit der DDR und ihren Fördermöglichkeiten zusammen, aber auch mit persönlichen Kontakten nach Osteuropa. Ja, es gebe Zuschauer, die seit 25 Jahren dabei sind, sagt Sprengel, und sagt es mit Stolz – möchte aber den Eindruck vermeiden, dass Unidram ein Festival der Veteranen sei. „Wir haben überschwängliche Kritiken von jungen Zuschauern“, mitunter auch von Schauspielstudenten, die hier einen Kern und Sinn in ihrem angestrebten Beruf erkennen.

Wie definiert sich das Festival heute? Jens-Uwe Sprengel setzt den Kaffee ab und wagt sich an eine Zustandsbeschreibung. „Heute sind wir gesamteuropäisch“, sagt er, „aber Osteuropa ist uns immer noch wichtig.“ Die russische Gruppe AKHE kommt seit Jahren immer wieder, diesesmal bringt sie das Stück „Mr. Carmen“ mit. Mister Carmen ist todessehnsüchtig, unerschütterlich in seinen Zuneigungen und zu allem entschlossen, er ist als Carmens Verehrer ein Stalker par excellence.

Bei Unidram geht es um Tanz, Figurentheater und Musik, zählt Sprengel auf, gerne experimentell, vor allem aber fürs Auge, weil Sprache bei einem internationalen Festival manchmal im Weg steht. Bedingung ist, dass die Gruppen frei finanziert sind – keine Stadttheater, die dem Geschmack des Geldgebers verpflichtet wären.

Manchmal wird Blut abgezapft

„Wir wollen die Neugier trainieren, die Auseinandersetzung schulen“, sagt Jens-Uwe Sprengel, „doch wir wollen das Publikum nicht überstrapazieren, manchmal gibt es auf der Bühne ein Leckerli“, er lacht. Etwas Gediegenes. Nicht immer AKHE, die sich auf der Bühne auch mal Blut abzapfen ließen.

Seit 1998 hat Unidram seinen Stammsitz im damals frisch gegründeten T-Werk, einer Bühne im Potsdamer Kulturquartier Schiffbauergasse. Auch andere Bühnen in der Nachbarschaft werden heute bei Unidram einbezogen. In diesem Jahr liegt der Projektetat bei 180000 Euro, das ist ein Rekord, der sich daraus speist, dass zum 25. Geburtstag eine Foto-Ausstellung in der Galerie „Kunstraum“ organisiert wird.

Das Geld ist ein erfreulich entspanntes Thema, seit die Stadtverordneten vor zwei Jahren mal einen Blick auf dieses immer erfolgreichere Festival warfen und aus dem Staunen nicht herauskamen. Komplett unterfinanziert! Die 60 Mitarbeiter aus Technik und Organisation beuten sich selbst aus! Es gab mehr Unterstützung von der Stadt – und die Anfrage, ob man Unidram nicht von bislang fünf Tagen auf eine Woche ausweiten könne.

Jens-Uwe Sprengel lächelt. Man muss nicht jeder Bitte nachkommen, das ist letztlich eine Haltung aus den Anfängen des Festivals: „Wir haben keine Zeit dafür, das T-Werk läuft gut. Wir sind quasi ausgebucht.“ Früher haben sie aus der Rebellion heraus argumentiert, heute auf der Basis des Erfolgs.

Von Lars Grote

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