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Kultur Potsdamer liefert digitale Effekte für Film und TV
Nachrichten Kultur Potsdamer liefert digitale Effekte für Film und TV
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00:20 18.04.2016
VFX-Spezialist Olaf Skrzipczyk bei der Arbeit. Quelle: Rüdiger Braun
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Potsdam

Sein Reich liegt im Halbdunkel. Die Jalousien am Fenster seines Arbeitsraums im Babelsberger FX-Center lässt Olaf Skrzipczyk meist unten. Das hat einen einfachen Grund. Skrzipczyk muss sehen, was sich auf den vielen Monitoren abspielt. Auf drei Abteilungen sind sie verteilt. Skrzipczyk nennt sie „Audio“, „Video“ und „Office“. An den Tischen an drei Tischen  finden sich neben den Monitoren und Tastaturen auch noch andere Apparaturen. Ein Soundsampler zum Beispiel, dessen große Tasten geheimnisvoll leuchten und durch deren Druck Skrzipczyk mystisch anmutende Klangwelten erzeugen kann.

Gerade sucht der nunmehr 55-jährige Skrzipczyk auf dem Bildschirm seiner „Office“ genannten Abteilung an der rechten Wand des Raumes nach einer  käuflich zu erwerbenden 3D-Geometrie des Berliner Fernsehturms. Bei der VFX- Bibliothek „turbosquit.com“ wird er fündig. Die Daten kosten 59 Euro. Die wird er wohl nehmen. Die fertige 3D-Geometrie kostet seine Firma „Fx to go“ nur einen Bruchteil dessen, was der Eigenbau eines selbst am Computer animierten Fernsehturms kosten würde. Und der Kostendruck ist in seiner Branche enorm.

Nicht nur für Blockbuster

Effekte sind ein Überthema in Film- und Fernsehproduktionen. Effekte teilen sich grob auf in „Spezialeffekte“ und „Visuelle Effekte“. In der Branche heißen sie „special effects“ und „visual effects“, wobei sie als „Special FX“ und „VFX“ abgekürzt werden. Beide Male steht „FX“ lautmalerisch für das Englische „Eff-Ex“, was wie „effects“ klingt.

Spezialeffekte werden während des Drehs selbst erzeugt. Ein Feuerwerker lässt einen Gegenstand explodieren und täuscht so mittels Pyrotechnik die Gewalt einer echten Explosion in der Szene vor.

Visuelle Effekte werden am Computer erzeugt und ins Bild hineinkopiert. Manchmal entstehen ganze Sequenzen am Computer. Die Darstellungsmöglichkeiten sind heute praktisch unbegrenzt. Der Regisseur James Cameron setzte digitalen Effekten für seine Filme „Abyss“, „Terminator 2“, „Titanic“ und „Avatar“ Maßstäbe. bra

Ein animierter Fernsehturm, erzeugt aus einer VFX-Bibliothek, soll in einer wohl Ende dieses Jahres erscheinenden Dokumentation über die sogenannten Neutrinos illustrieren, wie riesig das „Icecube“ genannte Areal in der Antarktis ist, das Physiker zum Nachweis dieser geheimnisvollen Elementarteilchen nutzen. „Bestimmt noch 20 bis 30 Arbeitstage“ rechnet Skrzipczyk für sich und die von ihm angeheuerten Kollegen für diese Wissenschaftsdoku. Unter anderem muss noch ein Messgerät, das Physiker im Mittelmeer einsetzen, am Computer nachgebildet, es müssen Galaxien erzeugt und es muss ein Flug mitten durch die Erde aus der Sicht eines Neutrinos simuliert werden. Seit Ende des vorigen Jahres ist „Fx to go“ für diese Produktion der Firma „Hoferichter & Jacobs“ tätig. Und das Budget darf Skrzipczyk dabei nie aus den Augen verlieren.+

Dem Babelsberger Platzhirsch war die Abteilung zu teuer

Kostendruck war es auch, der Skrzipczyk dazu zwang, die ebenfalls auf dem Babelsberger Gelände ansässige Firma „exozet“ zu verlassen. Jahrelang hatte er dort als Leiter der Abteilung Visual effects – in der Branche als „VFX“ abgekürzt –  gearbeitet, bis „exozet“ die kostspielige Abteilung auflöste. Die Mitarbeiter mussten sehen, wo sie blieben. Also fing Skrzipczyk im vergangenen Sommer noch einmal neu an und gegründete die Firma „Fx to go“ praktisch als Einmann-Betrieb. Je nach Projekt erweitert er diesen um zwei bis 20 Fachleuten aus der Branche.

Erfolglos war er damit nicht. Noch nicht einmal ein Jahr nach der Gründung kommt Skrzipczyk  auf knapp 20 große Filme, für die „Fx to go“ digitale Effekte erstellt hat. Für die neuesten Folgen der Fernsehserie „Weissensee“ trimmte das Babelsberger Jungunternehmen ein Berliner Gebäude auf sein längst verflossenes Nachwende-Aussehen, ein „Tatort“-Opfer ließ „Fx to go“ die Stirn von einer Kugel durchlöchern und für die große ARD-Produktion „Die Stadt und die Macht“ mit Anna Loos flimmerten dank „Fx to go“ fiktive Fernsehnachrichten auf echten Bildschirmen.

Produzenten setzen auf Billiganbieter

Man sollte meinen, im digitalen Zeitalter, in dem in fast jedem Filmausschnitt etwas Wunderbares geschieht, müsste man sich mit solchen Arbeiten eine goldene Nase verdienen. In Deutschland ist das meist nicht so. Fernsehproduktionen greifen auf ihre quersubventionierten Abteilungen zurück, internationale Produzenten bevorzugen den armen Osten als Lieferanten. Für den US-Actionbrüller „Death Race: Inferno“ ließen 2011 zum Beispiel ukrainische VFX-Spezialisten für nur 100000 Dollar zig Autos digital explodieren oder ineinander crashen. Wären die Tricks in Babelsberg bei „exozet“ gemacht worden, hätten sie ein Vielfaches gekostet. In Babelberg kann man einen VFX-Spezialisten eben nicht mit nur 380 Euro im Monat abspeisen.

Warum hält Skrzipczyk bei diesem Wettbewerbsdruck am Metier fest? Ganz einfach: Er ist Filmemacher mit Fleisch und Blut. „Ich viele Jahre Erfahrung auf diesem Spezialgebiet und mache meine Arbeit noch dazu sehr gern“, sagt er. Dabei ist er in den heute so bekannten  VFX-Zweig eher durch Zufall gerutscht. Hätte sich die Branche nach der Wende anders entwickelt, stünde der in Dessau geborene Olaf Skrzipczyk wohl noch heute hauptsächlich hinter der Kamera, ein Job, den er jetzt eher nebenbei noch erledigt. Kamera hat er zu DDR-Zeiten ab der Babelsberger Filmhochschule gelernt. Doch mitten in den Dreharbeiten zu „Frau am Pranger“, für den Skrzipczyk als zweiter Mann neben Peter Badel die Aufnahmen machte, verschwand die DDR.

Von der Kamera an den Rechner

„Am 9. November war es sozusagen zu Ende mit der lebenslangen Defa-Anstellung“, sagt der Diplom-Kameramann mit Meistertitel. Skrzipczyk musste sich in der Umbruchzeit von Produktion zu Produktion hangeln. Dabei rutschte er mehr oder minder autodidaktisch in das Tätigkeitsfeld, mit dem er heute hauptsächlich seine Brötchen verdient. Immer öfter setzte er in Produktionen seine bereits im Studium erworbenen Kenntnisse in der damals rasant wachsenden digitalen Tricktechnologie ein. So zum Beispiel auch in dem 1997 herausgekommenen Kinderfilm „Friedrich und der verzauberte Einbrecher“, für den er eine Feder auf ein Buch sinken und sich in eine gemalte Feder verwandeln ließ. Später leitete er „als ältester Mieter des Babelsberger FX-Centers“, wie er sagt, jahrelang die rund 30 Mann zählende  VFX-Abteilung von „exozet“.

26 Jahre nach der Wende und über Hundert Film-, Fernseh- und Dokumentarproduktionen später, kennt Skrzipczyk die deutsche Szene der digitalen Tricktechnik wie seine Westentasche. Selbst auf internationalem Terrain ist er nicht unbewandert. Dieses in vielen Jahren aufgebaute Netzwerk machte ihm die Gründung von „Fx to go“ überhaupt erst möglich. Deutschland- ja europaweit holt sich Skrzipczyk Produktion für Produktion passende Leute zusammen.

Warum er das auf dem hart umkämpften Markt weiterhin tun wird, sieht man vielleicht Olaf Skrzipczyks Lächeln an, wenn er in einen Ausschnitt aus einer zum Großteil von ihm selbst produzierten Doku über Gravitationswellen zeigt. Da wird zum Beispiel auch eine alte Fotografie Albert Einsteins auf einmal lebendig und plappert: „Good Job“. Aus vielen hundert mühsam am Computer entwickelten Einzelbildchen setzt sich diese winzige Sequenz zusammen. Doch wenn man etwas aus Leidenschaft tut, spielt es keine Rolle mehr, dass oft nur einen vierstelligen Betrag für vier Wochen Arbeit bezahlt werden kann.

Von Rüdiger Braun

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